Zum Geflügel: Grauburgunder

In meiner Heimat Baden fällt dem Grauburgunder eine ganz besondere Bedeutung zu. Wir nennen uns deshalb auch gern das Burgunderland...

Ganz oft lerne ich Leute kennen, die noch von ihrer Studienzeit in Freiburg schwärmen - und ebenso vom Ruländer. So wurde der Grauburgunder bis Mitte der 80er Jahre hauptsächlich bezeichnet. Damals erkannte man den Wein schon von Weitem an seiner kräftigen goldgelben Farbe. Er wurde auch gern sehr süß getrunken. Nachdem auch Deutschland dazu überging, die Weine lieber trocken ausgebaut zu trinken, passte der Ruländer so gar nicht mehr ins Bild.

Zuerst entschlossen sich einige Kaiserstühler Winzer, den Wein nach internationalem Vorbild zu machen: Die Trauben werden seither früher gelesen, damit die Weine lebendiger und frischer sind, und sie werden vor allem trocken ausgebaut. Der modernere Name Grauburgunder wurde gewählt, er entspricht auch mehr den ausländischen Bezeichnungen. Die italienische Variante "Pinot Grigio" ist gar nicht mehr wegzudenken. In Frankreich finden Sie ihn unter der Bezeichnung "Pinot Gris".

Wie alle Burgunder-Rebsorten stammt natürlich auch der Grauburgunder aus dem Burgund, und heute weiß man, dass es sich um eine Mutation (eigenständige Spielart) des Blauen Spätburgunders handelt. Wenn Sie im Herbst durch die Weinberge laufen, können Sie den Grauburgunder leicht an seinen rötlichen Beerenschalen erkennen.

Vom Burgund aus soll er nach Ungarn gekommen sein, im Elsass wurde er dann ganz besonders populär. Dort im Alsace hieß der Grauburgunder früher Tokay d'Alsace, weil er wohl im 14. Jahrhundert vom ungarischen Balaton hierher gelangte. Um Verwechslungen mit dem echten Tokajer vorzubeugen, mussten die Etiketten in "Tokay Pinot Gris" geändert werden. Das ist mittlerweile auch nicht mehr erlaubt - die Bezeichnung Tokay auf elsässischen Flaschen musste ganz weichen.

Möchten Sie noch wissen, wie es zum Namen "Ruländer" kam? Ein Kaufmann aus Speyer namens Johann Seger Ruland sorgte zu Beginn des 18. Jahrhunderts für die Verbreitung dieses Weins in Deutschland.

Beste Trinktemperatur: 10°C.

Tipp: In der Fachsprache reden wir vom Burgunderschmelz. Denn die Burgunder-Rebsorten - in Frankreich heißen die Reben Pinot - sind meist nicht so von der Säure dominiert, und sie wirken meist sehr rund und weich.

Wo wird er angebaut?

Vom Image her liegt Italien vorn: Wer kennt den Pinot Grigio nicht? Die besten kommen aus dem Friaul, Venetien und Südtirol. Das Elsass mit seinem Pinot Gris besitzt die kräftigste Variante. Als "Malvoisie" ist er an der Loire und im Wallis anzutreffen. In Deutschland ist der Grauburgunder in allen Anbau regionen zu finden. Neben Österreich gibt's ihn auch in Slowenien und Mähren. In Rumänien wird er oft edelsüß ausgebaut. Nachdem die Chardonnay-Welle in der Neuen Welt abklingt, wird er in Kalifornien, Kanada, Neuseeland etc. angebaut.

Wozu passt er noch?

Grauburgunder bringen sehr viel würzige Aromen, Kraft und ein ordentliches Alkoholgerüst mit, harmonieren also hervorragend zu deftigeren Gerichten: Eintöpfe, Gerichte mit Linsen oder auch Schweinefleisch passen perfekt. Im Elsass serviert man "Choucroute" (Sauerkraut) oder Pâté dazu.

Zum Geflügel: Was passt sonst?

Eins meiner Lieblingsgerichte ist der "Coq au vin". Den Hahn können Sie mit Weiß- oder Rotwein kochen, ich gebe gern zum Schluss ein wenig vom Wein hinzu, den wir dazu trinken. Zum Brathähnchen würde ich unkomplizierten Rosé oder Weißherbst präferieren. Zu einer Poularde aus dem Rohr oder Perlhuhn à la Crème mein heißer Tipp: Chardonnay! Wachteln, oft kräftiger zubereitet, schmecken auch mit leichteren Rotweinen wie Spätburgunder, Chianti, Beaujolais etc. wunderbar.

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Text: Natalie Lumpp
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