Zum Käse oder auch ohne Essen: Merlot


Bei so manchem weichen und verführerischen Merlot muss ich an eine Frau mit pinkfarbenem Lippenstift und hochgeschnürtem Busen denken... Die modernen Merlots, vorwiegend aus Übersee, wirken einfach sehr gut zurechtgemacht.

Aus meiner Sicht ist der Merlot gerade wirklich sehr "in". Wen wundert es? Nachdem zuletzt der Cabernet Sauvignon so en vogue war, braucht es natürlich einen würdigen Nachfolger. Im Vergleich zum Cabernet Sauvignon wirkt der Merlot aber immer etwas weicher, fülliger - dabei pflaumenartig und sehr charmant. Seine Aromen erinnern oft an Himbeeren, Schwarzkirschen und Schwarze Johannisbeeren, auch an Lakritz, Tabak und Schokolade. Es ist eigentlich schwierig, überhaupt jemanden zu finden, der keinen Merlot mag!

Heute geht man davon aus, dass der Merlot ebenso wie der Cabernet Sauvignon aus dem Bordeaux stammt. Als der Merlot dann nach Chile kam, waren wohl einige Rebstöcke Carmenère (eine alte Bordeaux-Rebsorte, die mit der Reblausplage fast ganz aus Frankreich verschwand) dazwischen gemischt. Heute spricht man davon, dass der Carmenère die Schwester vom Merlot ist. Hauptsächlich unterscheiden sie sich dadurch, dass der Merlot circa drei Wochen vor dem Carmenère reif wird. Und weil der Merlot auch zwei Wochen früher als Cabernet Sauvignon reif wird, liegen in manchen Jahren seine Vorzüge auf der Hand: So kann es vorkommen, wenn im Herbst großer Regen kommt, dass die Merlot-Trauben schon optimal gelesen wurden, während der Cabernet Sauvignon den Regen - besser gesagt: das viele Wasser - abbekommt. Die meisten Weingüter, zum Beispiel im Bordeaux, werden in solchen Jahren in ihren Cuvées den Anteil des Merlots erhöhen.

Während der Merlot im Bordeaux die meistangebaute Rebsorte darstellt, belegt er in ganz Frankreich den dritten Platz. Bereits 1784 hatte der Historiker Enjalbert den Merlot als die hochwertigste Traubensorte für die Anbauregionen St. Emilion und Pomerol beschrieben. Berühmtestes Beispiel ist der Petrus aus Pomerol - er zählt zu den teuersten Weinen der Welt und ist aus etwa 95 % Merlot gemacht.

Obwohl Merlot mit heißen Temperaturen ganz gut zurechtkommt, mag er es nicht allzu zu heiß, denn sonst reift er zu schnell und kann so nicht seine weiche runde Art entwickeln.

Tipp: Ein Wein, den Sie pur genießen wollen, sollte besser nicht zu kräftig sein.

Wo wird er angebaut?

In Bordeaux ist es die meistangebaute Rebsorte, in ganz Frankreich ist er weit verbreitet. In Italien gewinnt Merlot immer mehr an Bedeutung, Spanien und Australien sind eher zurückhaltend. Großartige Merlots bauen eindeutig die Kalifornier aus! In Neuseeland, Chile und Südafrika erfreut er sich immer größerer Beliebtheit. Im Tessin nimmt der Merlot über 85 % der Rebflächen ein. Sehr gute kommen aus Österreich und Slowenien, Rumänien, Bulgarien, Ungarn, Moldau. In Deutschland steht der Merlot vielleicht noch am Anfang, erbringt aber tolle Qualitäten!

Wozu passt er noch?

Merlots aus Übersee eignen sich gut zum Solo-Trinken, allerdings haben sie oft recht viel Alkohol (13 bis 13,5 Vol.%). Weil sie meist nicht ganz so tanninbetont sind, passen sie hervorragend zu Hartkäsen. Die klassischen Merlots aus dem Bordeaux oder dem restlichen Frankreich hingegen sind wunderbare Essensbegleiter. Zu Wildgerichten - eventuell mit Cassis-Soße oder Preiselbeeren -, zu Rind, Schmorgerichten und Geflügel (Ente, Taube) sind sie sehr gut.

Zum Solo-Trinken: Was passt sonst noch?

Auch wenn es komisch klingt: die meisten Supermarkt- und Discount-Weine! Sie werden "easy drinking" angeboten - unkompliziert und einfach zu trinken. In Frage kommen auch deutsche Spätburgunder, Frühburgunder, Schwarzriesling, Portugieser. Und die meisten italienischen Weine schmecken pur super.

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Text: Natalie Lumpp

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