Zum Rendezvous & mit Freunden: Tempranillo


Warm, tief und verführerisch... Ich finde, dass den spanischen Weinen immer eine anschmiegsame Art zu eigen ist. Von daher kann ich sie wärmstens auch für das Rendezvous empfehlen.

Ich staune immer wieder, dass die Tempranillo-Rebe in Deutschland immer noch nicht so richtig bekannt ist. Sie fragen sich jetzt, ob Sie ihr schon begegnet sind? Ich bin ganz sicher: bei den spanischen Rotweinen!

Man geht davon aus, dass die Weinrebe ihre Herkunft im Rioja hat. Von dort aus verbreitete sich der Tempranillo im 18. Jahrhundert nach Portugal. Der Name kommt vom spanischen Wort "temprano" - was "früh" bedeutet und auf seine frühe Reife hinweist.

Tempranillo kann für ganz Spanien als die wichtigste Rebsorte bezeichnet werden. Mittlerweile habe ich auch herausbekommen, warum sie nicht so in der Breite bekannt ist: Sie heißt in jeder spanischen Region anders! In Ribera del Duero ist der Tempranillo als "Tinta del país" oder "Tinto fi no" berühmt, im Penedès dagegen als "Ull de Ilebre", in La Mancha als "Cencibel"...Tempranillo wird in Spanien auch nie auf dem Etikett ausgewiesen, weil dort die Weine fast immer als Cuvées mehrerer Rebsorten angeboten werden.

Im Rioja gibt es seit einigen Jahren zwei Lager: Die einen bauen ihre Weine klassisch aus, das heißt hellere Farbe, lange Reifung im Holzfass und sehr subtil. Andere schwören auf modernere Ausbaumethoden, die Weine fallen dementsprechend dunkelfarbiger und moderner aus. Die klassische Variante wird heutzutage oft unterschätzt. Durch seine hellere Farbe und die fast etwas mürbe und kräuterige Art wirkt der Rioja in jungen Jahren schon relativ reif, und das verführt zu der Annahme, dass der Wein schnell getrunken werden müsse. Meine Erfahrungen sind allerdings, dass die Weine sehr lange in dieser Phase bleiben: Sie haben sich ja als sehr langlebig herausgestellt.

Unbestreitbar eignet sich der Tempranillo perfekt für die Reifung im Holzfass. Gerade vom Rioja kennt man die kräftigen Toasting-Aromen, oft auch an Kokosmatten oder geröstete Kaffeebohnen erinnernd. Man setzt dort auch häufiger amerikanische Eichenholzfässer ein, die sich noch aromatischer auswirken. Dass die Holzfassreifung den Spaniern ganz wichtig ist, zeigt das spanische Weingesetz, das vorschreibt, dass eine Crianza ein halbes Jahr Holzfassreife und ein Jahr Flaschenreife haben muss, eine Reserva ein Jahr Holzfassreife und zwei Jahre in der Flasche und eine Gran Reserva zwei Jahre Holzfassreife und drei Jahre in der Flasche.

Wo wird er angebaut?

In fast allen Regionen Spaniens. Wobei die Tempranillo-Traube in Rioja, Ribera del Duero, La Mancha, Katalonien, Somotano und Costers del Segre eine ganz wichtige Stellung einnimmt. In Portugal findet sie ebenfalls unter der Bezeichnung Tinta Roriz im Dourotal und als Aragonez im Alentejo sehr viel Verbreitung. Auch in Argentinien hat man die Tempranillo-Rebe schon lange im Anbau, nutzt sie jedoch eher für die einfacheren Qualitäten. In Australien ist die Tempranillo-Traube seit neuestem auf dem Vormarsch.

Wozu passt er noch?

Bei Aufläufen mit Hackfleisch, mit Auberginen und mit Tomaten passen Tempranillo-Weine perfekt. In Spanien trinkt man sie gern zum Lamm, das dort traditionell in speziellen Öfen auf Rebenholz gegart wird. Und dann natürlich zu allen Tapas! Hhmmm - ich liebe ihn zu Feigen im Speckmantel gebacken, zur Tortilla, zu Kartoffeln mit Mojo-Soße, zu Pata-Negra-Schinken...

Essen mit Freunden, erstes Rendezvous: Was passt sonst noch?

So unterschiedlich, wie die Situation ausfallen kann, so unterschiedlich können auch die Weine dazu sein: Allerdings - ein guter Rotwein sorgt nach meiner Erfahrung immer für eine tolle Stimmung und eine entspannte Situation. Das kann natürlich auch ein deutscher im Barrique gereifter Spätburgunder sein, ein Merlot, ein Wein aus Portugal oder einer Südafrika oder...

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Text: Natalie Lumpp

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