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Welches Essen braucht mein Kind?

Welches Essen braucht mein Kind?
Welche Lebensmittel ist gut fürs Kind? Und wie kann ich meinem Kind gesundes Essen schmackhaft machen? Wir haben nachgefragt - bei Annette Leitz, dreifache Mutter und Ernährungswissenschaftlerin.
Annette Leitz vom BRIGITTE-Diät-Team
Annette Leitz, Diplom-Oekotrophologin und BRIGITTE-Expertin für Kinderernährung

BRIGITTE: Welche Ernährung ist optimal für mein Kind?

Annette Leitz: Empfohlen wird Optimix, ein vom Institut für Kinderernährung entwickeltes Programm für eine ausgewogene Mischkost. Das Programm basiert auf drei Hauptmahlzeiten und zwei Zwischenmahlzeiten, denn Kinder brauchen noch fünf Mahlzeiten pro Tag.

BRIGITTE: Und was kommt bei Optimix auf den Teller?

Annette Leitz: Das Frühstück sollte am besten aus Getreideprodukten bestehen, das kann Brot oder Müsli sein. Als Vormittagsimbiss ist zum Beispiel Obst oder Joghurt geeignet, oder noch einmal Brot, falls das Kind morgens nichts wollte. Mittags haben die Kinder meist richtig Hunger und freuen sich über ein warmes Essen - das sollte möglichst abwechslungsreich sein. Nicht jeden Tag Nudeln, sondern auch mal Fleisch mit Kartoffeln und Gemüse, Fisch, Eintopf, Auflauf oder Suppe, auch gelegentlich ein Milchreis oder Pfannkuchen sind in Ordnung. Am Nachmittag kann man Quark, Obst, Gemüsesticks oder auch mal einen Keks anbieten. Abends genügt die klassische Käsestulle mit Rohkost, zum Beispiel Gurkenscheibchen, Möhrensticks usw.

BRIGITTE: Was dürfen Kinder trinken?

Annette Leitz: Auf jeden Fall viel. Getränke sollten für Kinder immer bereitstehen. Kinder sind noch sehr stoffwechselaktiv, weil sie wachsen - im Körper fallen deshalb ständig Abfallprodukte an, die über die Nieren ausgeschieden werden. Dafür wird Flüssigkeit benötigt. Außerdem bewegen Kinder sich gern und schwitzen deshalb auch mehr. Aus zahngesundheitlicher Sicht ist Wasser mit oder ohne Kohlensäure am besten und ungesüßte Früchte- oder Kräutertees. Ab und zu mal eine dünne Fruchtsaftschorle ist auch erlaubt und liefert Mineralien und Vitamine. Softdrinks werden von Kindern zwar gern getrunken, schaden aber den Zähnen und haben viel zu viele Kalorien.

BRIGITTE: Das klingt alles furchtbar kompliziert...

Annette Leitz: ... ist es aber nicht. Denn es gibt ganz einfache Regeln, die man auch beherzigen kann, wenn man im Stress ist. Dazu gehört zum Beispiel, sich nach der Ernährungspyramide zu richten: Die Basis ist ausreichend Flüssigkeit, viele Getreideprodukte wie Müsli und Brot, viel Obst, Gemüse und Milchprodukte. Ab und zu Wurst, Fleisch, Fisch und Eier machen das Ganze rund. Fette und Süßigkeiten sollten sparsam verwendet werden. Bieten Sie nur fettarme Milch, Käse und Joghurts an, um die Kinder an den Geschmack dieser Produkte zu gewöhnen. Sie liefern genau so viel Kalzium und Nährstoffe wie vollfette Produkte, aber nur etwa die Hälfte an Kalorien.

BRIGITTE: Und wie viel Obst und Gemüse soll es sein?

Annette Leitz: Die Regel "Five-a-Day", also fünf Portionen Obst oder Gemüse am Tag, gilt auch für Kinder. Das ist ebenfalls leicht zu befolgen: Zum Beispiel, indem man ein Glas Orangensaft zum Frühstück reicht, einen Apfel am Vormittag, mittags eine Gemüsebeilage, nachmittags Paprikaschnitze und zum Abendessen einen Salat, eine Apfelschorle oder Rohkost.

BRIGITTE: Aber ich kann ja als berufstätige Mutter nicht den ganzen Tag in der Küche stehen und Rohkost schnippeln!

Annette Leitz: Braucht auch niemand. Denn Frühstück und Schulbrot können abends vorbereitet werden, Apfel und Banane müssen nicht geschnippelt werden und das Mittagessen kann man vorkochen und einfrieren. Im Übrigen gibt es immer mehr ausgewogene Tiefkühlfertiggerichte. Achten Sie beim Einkauf darauf, dass die Produkte nicht zu viel Fett und Kalorien, dafür aber Gemüse und Getreide enthalten. Im Kühlregal vom Supermarkt gibt es Obstpürees und frisch gepresste Fruchtsäfte - die eignen sich super als Nachtisch oder Imbiss.

BRIGITTE: Wie kann ich meinem Kind Obst, Gemüse und Selbstgekochtes schmackhaft machen?

Annette Leitz: Mitmachen lassen! Das fängt beim Einkauf an. Gehen Sie mit den Kindern zum Obst und Gemüsestand und lassen Sie sie schnuppern, probieren, aussuchen. Wenn die Kinder etwas Ihnen Unbekanntes wählen, kaufen Sie es trotzdem! Fördern Sie Eigeninitiative und Entdeckerlust - denn alles Obst und Gemüse ist gesund! Fragen Sie den Verkäufer, was man daraus machen kann oder stöbern Sie im Internet oder Kochbüchern. Zuhause sind die Kinder beim Waschen, Schnippeln, Zubereiten dabei und dürfen auch mitentscheiden, was gemacht wird.

BRIGITTE: Und was tue ich, wenn mein Kind Obst und Gemüse rundweg ablehnt?

Annette Leitz: Fein geraspelt oder püriert, zum Beispiel in Puffern, Suppen und Saucen ist Gemüse gut getarnt - seien Sie kreativ. Immer gut: Gemüsebolognese zu Nudeln oder Obstsalat - das mögen alle. Erlauben Sie einen Klecks Ketchup, panieren sie das Fleisch oder servieren Sie Gemüse ausnahmsweise mit einer leichten Sahnesauce. Notfalls: Auch ein Möhrenkuchen enthält Gemüse. Und Eis lässt sich super mit Fruchtpüree herstellen

BRIGITTE: Gibt es eine Möglichkeit, auch solche wählerischen Kinder zu gesünderem Essen zu erziehen?

Annette Leitz: Stellen Sie folgende Regel auf: Alles wird probiert - und zwar immer wieder - denn manchmal muss man eine bestimmte Sache erst zehn- oder fünfzehnmal versucht haben, bevor man sie mag. Wenn es trotzdem nicht schmeckt, muss es nicht aufgegessen werden. Wenn gar nichts schmeckt: Geben Sie einfaches Brot als Alternative. Aber braten Sie im wahrsten Sinne des Wortes keine Extrawürste für Ihre Kinder - Sie bestimmen, was gegessen wird!

BRIGITTE: Worauf legen denn Kinder beim Essen Wert?

Annette Leitz: Kinder sind kleine Ästheten - und zwar sowohl optisch als auch sprachlich. Die optische Präsentation des Essens ist deshalb sehr wichtig! Ein Brot, in kleinen Häppchen zur Schlange oder Blume gelegt, kostet eine Minute Zeit - und das Kind ist begeistert und isst alles auf. Grundsätzlich mögen Kinder klare Strukturen auf dem Teller: Lieber Dinge nebeneinander anrichten, als alles vermischen. Oder so vermischen, dass alles gleich aussieht. Lassen Sie Ihrer Fantasie freien Lauf: Aus einem Klecks Kartoffelbrei wird mit ein bisschen Schnittlauch ein Hasengesicht - und ein kleines Schnitzel wird auf einem Holzspießchen zur Seeräubermahlzeit.

BRIGITTE: Und was meinen Sie mit sprachlicher Ästhetik?

Annette Leitz: Geben Sie den Lebensmitteln auch sprachlich ein positives Image: Reime wie "Quark macht stark" überzeugen! In vielen Kinderbüchern bekommen Sie Schützenhilfe: Kasperl und Seppel aus dem "Räuber Hotzenplotz" lieben zum Beispiel Sauerkraut und Black Beauty ist ganz wild auf Rohkost...

BRIGITTE: Bei älteren Kindern verfangen solche Tricks aber sicher nicht mehr.

Annette Leitz: Ältere Kinder wollen cool und trendy sein - greifen Sie ruhig angesagte Gerichte wie Gyros, Döner oder Hamburger auf und entschärfen Sie die Fettbomben durch magere Saucen oder mageres Rinderhack statt gemischtem Hack. Mit extra Salat und Vollkornbrötchen wird ein Burger gesund!

BRIGITTE: Und wenn mein Kind trotz allem nicht genug Gemüse und Obst isst?

Annette Leitz: Entspannen Sie sich! Ihr Kind muss nicht jeden Tag nach Vorschrift essen. Auch Gemüsemuffel werden groß.

Foto: iStockphoto

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