Unterschätzt! Die besten Waldmeister-Rezepte

Waldmeister kennen die meisten von uns nur aus Maibowle, Wackelpudding und Berliner Weisse. Doch Waldmeister kann noch viel mehr. Wir zeigen, wie vielseitig es ist.

Waldmeister: Liebenswerter Frühjahrsbote

Für die meisten von uns ist Waldmeister der Vorbote der schönsten Zeit des Jahres: Was wäre die Maibowle ohne Waldmeister? Was wäre ein Sommer ohne grünen Wackelpudding, Götterspeise oder Eiscreme mit Waldmeister-Geschmack? Doch die wenigsten wissen, was sich eigentlich hinter dem so märchenhaft klingenden Namen verbirgt. Dabei ist das Wohlriechende Labkraut, wie man die Pflanze zu recht auch nennt, eine echte Bereicherung in der Küche und deutlich vielseitiger, als die meisten von uns denken.

In der freien Natur ist der Waldmeister (lat. Galium odoratum) zunächst ziemlich unscheinbar: ein kleines Kraut, das sich zumeist in lichten Laubwäldern findet und zarte, weiße Blüten treibt, die einen nicht weniger bezaubernden, sehr charakteristischen Duft verströmen. Der Duft des Krauts ist es, der uns oft als erstes auf die Anwesenheit des Waldmeisters aufmerksam macht. Die beste Zeit für die Ernte ist zwischen Mitte April und Anfang Mai, wenn er in voller Blüte steht. Dann kann man die Stängel trocknen und herrliche Sachen damit anstellen.

Waldmeister als Heilpflanze verwenden

Für die Waldmeisterbowle zum Maifest verwendet ihr das Kraut gleich frisch. So wird er zum ersten Boten der wunderschönen Maienzeit und läutet die schönste Zeit des Jahres ein. Ihr könnt den Waldmeister aber auch trocknen und ihn zum Beispiel für Tees und Duftkissen verwenden oder ihn zu Sirup weiterverarbeiten. Denn das blühende Kraut riecht und schmeckt nicht nur gut, ihm werden auch Heilkräfte nachgesagt. In Form von Tee wird die Heilpflanze zum Beispiel seit jeher gegen Kopfschmerzen und Migräne eingesetzt.

Auch bei Schlaflosigkeit und Unruhe findet Waldmeistertee Anwendung. Er gilt außerdem als krampflösend und wird zum Beispiel bei Periodenkrämpfen eingesetzt und soll Blutgefäße, Leber und Nieren stärken und bei geschwollenen Füßen wohltuend wirken. Auch bei Verdauungsbeschwerden, Blasensteinen und Herzschwäche kann er verwendet werden. Nicht umsonst trägt der Waldmeister auch die Beinamen "Herzfeund" und "Leberkraut".

Vorsicht vor Cumarin im Waldmeister!

Seine heilsame Wirkung verdankt der Waldmeister dem Inhaltsstoff Cumarin, einem sehr aromatischen Pflanzenstoff, der in großen Mengen jedoch gesundheitsschädlich ist und zum Beispiel auch in der Tonkabohne zu finden ist. Demnach kann Waldmeister, obwohl er in kleinen Mengen gegen Kopfschmerzen hilft, in großen Mengen ebendiese auslösen. Deshalb: Immer vorsichtig bei der Dosierung von Waldmeister sein!

Als Richtwert für die geeignete Menge kann man von etwa 0,1 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht am Tag ausgehen. Bei 60 Kilogramm sind das gerade mal 6 Milligramm pro Tag. Mehr solltet ihr von diesem Inhaltsstoff nicht zu euch nehmen!

Waldmeister kreativ in der Küche nutzen

Wer den frischen Waldmeister nicht selbst im Wald sammeln möchte, kann ihn auf Wochenmärkten oder in Gärtnereien kaufen oder in auf dem Balkon oder im Garten selber pflanzen. Zu finden ist er in der Regel an schattigen Plätzen, wo er ohne besonders viel Wasser auskommt. Die beste Erntezeit ist vor der Blütezeit, also ab Mitte April. Der Cumaringehalt ist dann geringer, der Geschmack aber schon voll entwickelt. Dann am besten gleich eine Bowle daraus machen. Dafür die Stängel zusammenbinden und das Kraut kopfüber in die Bowle hängen. Die Stiele enthalten nämlich eine milchige Flüssigkeit, die in der Maibowle nichts zu suchen hat.

Sein einzigartiges Aroma - würzig, süß und mit leichten Anklängen an frisches Heu – kommt am besten zur Geltung, wenn ihr den frischen Waldmeister zunächst leicht anwelken lasst. Am besten schmeckt er, wenn er ein paar wenige braune Stellen aufweist, aber noch nicht schwarz ist. Schwarzer Waldmeister hat sein Aroma bereits verloren. Ihr könnt den Waldmeister aber auch einfrieren. Dafür die Stängel lose nebeneinander in einen Gefrierbeutel oder in eine Eisschrank-taugliche Dose legen. Das Einfrieren hat den gleichen Effekt wie das Trocknen.

Noch mehr Rezept-Ideen mit Waldmeister

Mit Waldmeister kochen, backen und mixen

Wer sich die Mühe sparen will, kauft Waldmeister gleich in Form von Sirup, als Pulver oder als Öl. Letzteres stellt eine ideale Ergänzung für Salate dar. Für Waldmeister-Kekse verwenden wir zum Beispiel Waldmeistersirup, für das Waldmeister-Icing auf diesen Zitronen-Cupcakes sogar nur Brausepulver mit Waldmeister-Geschmack. Ebenfalls ein Highlight in diesem Sommer: Waldmeister-Parfait aus Waldmeistersirup, Jogurt, Schlagsahne und Mango.

Waldmeistersirup könnt ihr mit unserem Rezept übrigens sehr gut selber machen. Er kann – in sehr kleinen Mengen – einer Wasserkaraffe beigegeben werden und so eine dezente Geschmacksnote in euren Sommerdrink bringen oder Cocktails einen ganz neuen Pfiff geben. Ein paar Tropfen (ca. 2 cl) Waldmeistersirup in einen Hugo oder in ein Glas Sekt geben und schon kann der Sommer kommen. Mit Bier vermischt stellt ihr aus dem Sirup übrigens auch im Handumdrehen die beliebte Berliner Weisse her.

Heilsamen Waldmeistertee selber machen

Der Klassiker ist und bleibt jedoch der Waldmeistertee, den ihr auch wunderbar selber machen könnt. Für den Aufguss verwendet ihr am besten das getrocknete, blühende Maikraut. Pro Tasse etwa einen Teelöffel davon in 200 Milliliter kaltem Wasser über Nacht ziehen lassen, dann abseihen und vor dem Trinken erwärmen. Aber Achtung: Nicht mehr als zwei Tassen Waldmeistertee am Tag trinken! Das würde die erlaubte Tagesdosis an Cumarin bei Weitem übersteigen.

Wer möchte, kann den Tee auch äußerlich anwenden. Er unterstützt zum Beispiel die Heilung von Brandwunden. Aber auch andere schlecht heilende Wunden, Furunkel und Ekzeme können von der äußerlichen Anwendung des Krauts profitieren.

Übrigens: Das kann der Waldmeister noch

Das wohlriechende Labkraut eignet sich auch hervorragend für Duftkissen. Mit Salbei und Lavendel gemischt, kann es beim Einschlafen entspannend, angst- und krampflösend wirken oder im Kleiderschrank die Motten fernhalten. Außerdem kann man aus dem Maikraut eine beruhigende und schlaffördernde Nachtcreme herstellen. 

uk; Teaserbild: aliasemma/shutterstock