Ist weniger mehr bei der Krebsvorsorge?

Neue Empfehlung zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs - und ihre Folgen.

Bis vor wenigen Jahren schien die Sache ziemlich einfach: Wir gingen einmal im Jahr zur Frauenärztin, ließen einen Abstrich machen und hörten meist nie wieder was davon. So fühlten wir uns vor Gebärmutterhalskrebs halbwegs sicher.

Doch zurzeit gibt es jede Menge Neuigkeiten zum Thema HPV (dem Virus, das den Krebs auslösen kann). Eine Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs. Erkenntnisse über negative Folgen von zu vielen Vorsorgeuntersuchungen. Einen Nobelpreis für den HPV-Entdecker Harald zur Hausen. Und außerdem eine neue Empfehlung zur Krebsvorsorge, von der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG).

Ein Modellversuch in Wolfsburg hat nämlich gezeigt: Krebsvorstufen am Gebärmutterhals können wesentlich zuverlässiger erkannt werden, wenn neben dem üblichen Pap-Abstrich auch gezielt nach HP-Viren gesucht wird. Der Test kostet zwischen 35 und 60 Euro und muss von Kassenpatientinnen in der Regel noch selbst bezahlt werden. Empfohlen wird er von der DGGG für Frauen ab 30. Ab diesem Alter bietet die Kombination beider Tests sehr gute Chancen, eine Krebsgefahr zu erkennen und wirksam zu bekämpfen. Der Wolfsburger Modellversuch zeigte, dass nur 58 Prozent der Krebsvorstufen allein durch den Pap-Test richtig erkannt wurden, aber 100 Prozent durch die Kombination von Pap-Test und HPV-Test.

BRIGITTE-Autorin Irene Stratenwerth

Was die DGGG nicht ganz so deutlich sagt: Frauen mit unauffälligen Testergebnissen müssen danach nicht mehr jährlich zur Früherkennung gehen - ein Untersuchungsintervall von drei Jahren, wie in vielen anderen europäischen Ländern üblich, reicht völlig in Bezug auf Gebärmutterhalskrebs aus. Und vielen Frauen blieben Verdachtsbefunde und unnötige Operationen erspart, wenn sie seltener - dann aber mit verlässlichen Ergebnissen - untersucht würden.

Eigentlich gibt es nur eine Konsequenz aus diesen Erkenntnisse: Die Krankenkassen sollten den HPV-Test (ab 30) so schnell wie möglich bezahlen. Uns Frauen würde das nicht nur zusätzliche Kosten ersparen - sondern so manche belastende Untersuchung.

Text: Irene Stratenwerth Foto: Silke Goes Illustration: Tim Möller-Kaya

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