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Ablauf der Organspende: Schritte vor der Transplantation

Ablauf der Organspende: Dekoherz in Händen
© Yulia.Panova / Shutterstock
Rund 9.400 schwerkranke Personen in Deutschland stehen aktuell auf der Warteliste für eine Organtransplantation – so die offizielle Zahl des Bundesgesundheitsministeriums. Der Ablauf der Organspende von der Zustimmung eines Spenders bis zur eigentlichen Transplantation ist gesetzlich streng geregelt und erfordert, dass viele Akteure reibungslos zusammenarbeiten. Hier erfährst du alles über den organisatorischen Ablauf der postmortalen Organspende.

Lunge, Leber, Niere, Bauchspeicheldrüse und Dünndarm – diese Organe darf man in Deutschland spenden. Außerdem Gewebe, etwa Haut, Blutgefäße oder die Hornhaut der Augen. Der Ablauf der Organspende ist organisatorisch und logistisch die größere Herausforderung, denn anders als Gewebespenden können entnommene Organe nicht zwischengelagert werden. So bleibt nur wenig Zeit von der Entnahme bis zur Organtransplantation.

Damit der Ablauf der Organspende reibungslos funktioniert, sind die Zuständigkeiten klar festgelegt: In den rund 1.300 Entnahmekrankenhäusern in Deutschland arbeiten Intensivmediziner, Pflegepersonal und Transplantationschirurgen eng zusammen. Eine länderübergreifend tätige Stiftung ist dafür zuständig, dass gespendete Organe in einem transparenten Prozess an passende Patienten vermittelt werden. Eilkuriere sorgen dafür, dass jedes Spenderorgan unverzüglich in eines der etwa 50 Transplantationszentren in Deutschland gelangt. Kurz: Hinter jeder Organtransplantation steht ein komplexer Ablauf – mit dem Ziel, dem Empfänger ein neues Leben zu ermöglichen.

Der Ablauf der Organspende: Von den Voraussetzungen bis zur Organtransplantation

Der Ablauf von Organspenden ist im Transplantationsgesetz genau festgelegt und alle am Prozess Beteiligten müssen sich strikt an die Vorschriften halten. Sie dienen dazu, die Würde der Spender zu wahren, die Transplantation für Empfänger möglichst risikoarm zu gestalten und Missbrauch – etwa den Handel mit Organen – zu verhindern. So läuft eine Organspende im Detail ab.

1. Medizinische und rechtliche Voraussetzungen klären

Die medizinische Voraussetzung für eine Organspende ist der Hirntod des potenziellen Spenders, das heißt: der irreversible Ausfall aller Funktionen von Großhirn, Kleinhirn und Hirnstamm. Dieser muss von zwei Fachärzten unabhängig voneinander nach den Richtlinien der Bundesärztekammer festgestellt werden. Das Herz-Kreislauf-System wird durch intensivmedizinische Maßnahmen künstlich aufrechterhalten, während geklärt wird, ob eine Organspende aus rechtlicher Sicht in Frage kommt.

In Deutschland gilt bei der Organspende die sogenannte Entscheidungslösung. Das bedeutet: Organe dürfen einem Verstorbenen nur entnommen werden, wenn entweder er selbst zu Lebzeiten durch einen Organspendeausweis oder eine Patientenverfügung der Organspende zugestimmt hat, oder – falls kein solches Dokument vorliegt – seine nächsten Angehörigen in seinem Sinne einer Organspende zustimmen. Die bewusste Entscheidung des Spenders oder seiner Angehörigen für die Organspende ist also die Voraussetzung, die den weiteren Ablauf der Organspende überhaupt erst in Gang setzen kann. Jeder Spender darf außerdem entscheiden, welche Organe er spenden möchte.

Gut zu wissen: In Deutschland ist die Deutsche Stiftung Organspende (DSO) dafür zuständig, den Ablauf der Organspende zu koordinieren. Sie arbeitet im Auftrag der Bundesärztekammer, des GKV-Spitzenverbands und der Deutschen Krankenhausgesellschaft.

2. Medizinische Untersuchung

Liegt die Zustimmung zur Organspende vor, werden die intensivmedizinischen Maßnahmen aufrechterhalten, damit die Durchblutung der Organe weiterhin gewährleistet ist. Andernfalls würden sie innerhalb kürzester Zeit so starken Schaden nehmen, dass sie für eine Transplantation nicht mehr geeignet wären.

Bei einer medizinischen Untersuchung muss nun festgestellt werden, ob die Organe für eine Spende prinzipiell geeignet sind. Dafür wird unter anderem überprüft, ob Infektionen oder Tumorerkrankungen vorliegen. Wichtige Merkmale des Organspenders werden erfasst, z. B.

  • Blutgruppe
  • Gewebemerkmale
  • Körpergröße
  • Alter
  • Gewicht

All diese Faktoren sind entscheidend bei der Vermittlung der Organe an einen passenden Empfänger, denn je besser das Spenderorgan zu ihm passt, desto geringer ist die Gefahr einer Abstoßungsreaktion des Körpers.

3. Vermittlung der Organe

Nach der Untersuchung sendet die DSO die medizinischen Daten des Spenders an die Stiftung Eurotransplant mit Sitz in den Niederlanden. Sie ist für den nächsten entscheidenden Schritt im Ablauf der Organspende verantwortlich: Die Vermittlung der Organe an einen passenden Patienten. Dafür arbeitet sie länderübergreifend in Deutschland, den Benelux-Staaten, Österreich, Slowenien, Kroatien und Ungarn.

Aufgrund der von der DSO übermittelten Spendermerkmale erstellt Eurotransplant eine Rangliste möglicher Empfänger. Neben einer größtmöglichen Übereinstimmung der erfassten Merkmale spielt auch eine Rolle, ob die gesundheitliche Situation eines Patienten akut lebensbedrohlich ist, und – weil ein möglichst kurzer Transportweg die Erfolgsaussichten der Transplantation erhöht – wie schnell die Organe vom Entnahmekrankenhaus ins Transplantationszentrum gelangen können.

Gut zu wissen: Nichtmedizinische Kriterien dürfen die Vermittlung nicht beeinflussen, etwa Herkunft, Einkommen oder Versicherungsstatus des Spenders.

Patienten, die auf eine Organspende warten, müssen stets abrufbereit sein. Denn sobald Eurotransplant einen passenden Spender ausmacht, geht der weitere Ablauf der Organspende ganz schnell.

4. Organentnahme und Versorgung des Leichnams

Die Organentnahme gleicht einer Operation an einem lebenden Menschen: Sie wird von Chirurgen in einem Operationssaal in einem der spezialisierten Entnahmekrankenhäuser durchgeführt. Es werden nur die zur Spende freigegebenen Organe entnommen – durchschnittlich 3,3 pro Organspender. Erst bei der Operation lässt sich abschließend beurteilen, ob die Organe zur Transplantation geeignet sind. Der Leichnam wird nach der Organentnahme so versorgt, dass der Eingriff von außen nicht zu erkennen ist. Anschließend wird der den Angehörigen übergeben, sodass sie Abschied nehmen und ihn bestatten können.

5. Transport der Organe und Transplantation

Nach der Entnahme muss es schnell gehen, damit die Organe keinen Schaden nehmen. Sorgfältig verpackt, konserviert und gekühlt werden sie von Eilkurieren in das Transplantationszentrum gebracht, in dem der Organempfänger bereits auf die Operation vorbereitet wird – eine logistische Herausforderung. Die DSO ist für den Ablauf der Organspende zuständig, bis die Organe im Transplantationszentrum eintreffen. Ab diesem Punkt übernehmen die Ärzte: Sie führen die in vielen Fällen lebensrettende Operation durch.

Trotz aller vorangegangenen Maßnahmen, die den Ablauf der Organspende so sicher wie nur möglich machen, stellt die Transplantation letztlich immer ein Risiko für den Patienten dar. Entscheidend für den langfristigen Erfolg einer Organspende ist, dass der Körper das Spenderorgan nicht abstößt. Um einer Abstoßungsreaktion vorzubeugen, müssen die Empfänger Medikamente einnehmen – meist ein Leben lang. Für die Lebenszeit und -qualität, die sie durch die Organspende geschenkt bekommen, nehmen die meisten Transplantierten dies jedoch nur zu gerne in Kauf.

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