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Aktivierende Pflege: Ablauf, Ziele und Probleme

Aktvierende Pflege: Hände einer älteren Dame in den Händen einer Pflegerin
© wavebreakmedia / Shutterstock
Aktivierende Pflege ist einer von vielen Pflegestilen, der im Krankenhaus, in Alten- und Pflegeheimen sowie zu Hause Anwendung findet. Dabei wird die pflegebedürftige Person aktiv in die durchgeführten Pflegemaßnahmen eingebunden. Die aktivierende Pflege folgt dem Grundsatz, die körperlichen, emotionalen, geistigen und sozialen Fähigkeiten des Patienten zu erhalten und zu fördern.

Aktivierende Pflege – Hilfe zur Selbsthilfe

Im Gegensatz zur kompensatorischen Pflege, bei der der Pflegebedürftige passiv bleibt, trainiert die aktivierende Pflege seine noch vorhandenen Fähigkeiten mit gezielten Übungen. Zwar spart kompensatorische Pflege zunächst Zeit, der Nachteil ist jedoch, dass der Pflegebedürftige seine noch vorhandenen Fähigkeiten langsam aber sicher verlernt, sodass er langfristig immer mehr Pflege benötigt. Die aktivierende Pflege wirkt hingegen dem Verlust der Selbstständigkeit entgegen: Das regelmäßige Training soll die körperliche und mentale Fitness erhalten bzw. wiederherstellen und verbessern. Führt die aktivierende Pflege zu den gewünschten Erfolgen, spart sie langfristig also sogar Zeit und Aufwand.

Eine Herausforderung bei der aktivierenden Pflege ist es, sowohl Über- als auch Unterforderung zu vermeiden. Dafür ist auf beiden Seiten – bei Pflegenden wie Pflegebedürftigem – viel Geduld und Zeit sowie ein großes Maß an Vertrauen notwendig.

Soziale Einrichtungen und Wohlfahrtsverbände bieten Kurse an, in denen Interessierte die Grundlagen der aktivierenden Pflege erlernen können. So können beispielsweise auch Freunde und Angehörige von Pflegebedürftigen die aktivierende Pflege anwenden.

Wie läuft die aktivierende Pflege ab?

Die individuelle Planung ist ein wichtiger Grundsatz der aktivierenden Pflege: Sie orientiert sich an den Bedürfnissen des Pflegebedürftigen. Damit die aktivierende Pflege entsprechend geplant werden kann, sollte zunächst die aktuelle Situation mithilfe folgender Fragen erfasst werden:

  • Welche Aufgaben will und kann der Pflegebedürftige noch selbst übernehmen?
  • Bei welchen Aufgaben sind Anleitung, Beaufsichtigung und eventuelles Eingreifen nötig?
  • Was muss vorbereitet werden, damit die aktivierende Pflege bestmöglich funktioniert?

Die pflegende Person unterstützt den Pflegebedürftigen, wo es notwendig ist, und ermutigt ihn, so selbstständig wie möglich zu entscheiden und zu handeln. Das erfordert, dass Pflegekräfte bzw. Pflegepersonen sich für die Unterstützung und Anleitung viel Zeit nehmen und Geduld aufbringen. Sie sollten nur im Notfall eingreifen und den Pflegebedürftigen in seinem selbstständigen Denken und Handeln bestärken. Dass ihn dies mitunter einige Anstrengung kostet, ist gewollt, da so seine körperlichen und mentalen Fähigkeiten trainiert und verbessert werden. Zusätzlich wird das Training durch "Hausaufgaben" unterstützt, die der Pflegebedürftige selbstständig erledigen soll, wenn das Pflegepersonal bzw. pflegende Angehörige nicht dabei sind.

Eine wichtige Voraussetzung zur Durchführung der aktivierenden Pflege ist, dass der Pflegebedürftige noch in der Lage ist, die Erklärungen und Anweisungen der Pflegenden zu verstehen und umzusetzen.

Ziele der aktivierenden Pflege

Das primäre Ziel der aktivierenden Pflege ist es, die geistigen und körperlichen Fähigkeiten des Pflegebedürftigen durch tägliches Training zu erhalten bzw. zu verbessern. Die regelmäßigen Übungen sollen das höchstmögliche Maß Selbstständigkeit erhalten und Abhängigkeiten vermindern. So kann beispielsweise die eigenständige Zubereitung von Mahlzeiten ein wichtiges Ziel der aktivierenden Pflege sein. 

Das Selbstbewusstsein von Pflegebedürftigen ist durch ihre körperlichen und geistigen Einschränkungen häufig beeinträchtigt. Aktivierende Pflege zielt deshalb auch darauf ab, das Selbstvertrauen der Betroffenen zu stärken. Lernt ein Pflegebedürftiger durch die Anleitung beispielsweise, sich wieder selbstständig zu waschen, gewinnt er einen wichtigen Teil seiner Intimsphäre zurück. Durch den Erhalt oder die Steigerung der Selbstpflegefähigkeit lässt sich der psychische Druck senken, der mit dem Verlust von Autonomie häufig einhergeht. Ein gestärktes Selbstbewusstsein kann auch dazu beitragen, dass der Pflegebedürftige sich nicht isoliert, sondern soziale Kontakte pflegt, was sich wiederum positiv auf die Psyche auswirkt.

Tipp: Eine Patientenverfügung sorgt dafür, dass der Pflegebedürftige auch dann sein Recht auf Selbstbestimmung ausüben kann, wenn sich sein Zustand verschlechtern sollte. Die schriftlich festgehaltenen Wünsche zur medizinischen Behandlung sind für Ärzte bindend.

Welche Probleme können bei der aktivierenden Pflege auftreten?

Sowohl die pflegende Person als auch der Pflegebedürftige muss sich bewusst machen, dass aktivierende Pflege keine Rundum-Betreuung ist: Bei diesem Pflegestil steht die Selbsthilfe im Vordergrund. Das kann zu Missverständnissen zwischen Erwartung und dem tatsächlichen Ablauf der aktivierenden Pflege führen. Deshalb ist Kommunikation bei diesem Pflegestil sehr wichtig: Angehörige und/oder Pflegepersonal müssen genau erklären, worin die Vorteile der aktivierenden Pflege für den Pflegebedürftigen liegen. Es ist wichtig, ermutigende Worte zu finden, da der Weg zu mehr Selbstständigkeit lang und häufig beschwerlich ist.

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