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Ersatzpflege: Voraussetzungen, Dauer und Kosten

Ersatzpflege: Seniorin bekommt Kaffee von Pflegerin
© Halfpoint / Shutterstock
Häufig werden Pflegebedürftige von ihren Angehörigen gepflegt. Doch kann es auch passieren, dass die Pflegeperson wegen Krankheit, Urlaub oder anderen persönlichen Gründen ausfällt. In diesen besonderen Situationen steht dem Pflegebedürftigen eine Ersatzpflege zu. Diese dient dann als Urlaubs- bzw. Krankenvertretung und wird häufig von Fachpersonal übernommen. Wer kann eine Ersatzpflege in Anspruch nehmen? Welcher Zeitraum wird gestattet? Wer trägt die Kosten? Und was gibt es noch zu beachten?

Definition von Ersatzpflege laut  §39 SGB XI 

Erhaltungspflege ist eine Leistung der Pflegeversicherung nach §39 SGB XI. "Ist eine Person wegen Erholungsurlaubs, Krankheit oder aus anderen Gründen an der Pflege gehindert, übernimmt die Pflegekasse die nachgewiesenen Kosten einer notwendigen Ersatzpflege für längstens sechs Wochen je Kalenderjahr". 

Voraussetzung für die Ersatzpflege

Oftmals werden Pflegebedürftige in ihrem häuslichen Umfeld von Angehörigen gepflegt, damit sie nicht in ein betreutes Wohnen oder Seniorenheim ziehen müssen. Doch ist die Pflege eine stressige Angelegenheit und nicht selten benötigen die Angehörigen eine kurze Pflegepause oder fallen aus anderen Gründen aus. In diesen Fällen kann der Pflegebedürftige entweder in eine Kurzzeitpflege gehen, also eine stationäre Unterbringung für den Zeitraum, oder es wird eine Ersatzpflege für den Angehörigen gestellt.

Als Ersatzpflege kann ein ambulanter Pflegedienst für den Zeitraum beauftragt werden oder ein anderer Angehöriger übernimmt die Pflege. Als Voraussetzung für eine gestellte Ersatzpflege gilt eine Einstufung in Pflegegrad 2 oder höher der pflegebedürftigen Person. Personen ohne anerkannten Pflegegrad oder mit einer Pflegestufe 1 erhalten leider keine Leistungen im Rahmen der Ersatzpflege. 

Ein Anspruch auf Ersatzpflege besteht zudem erst, wenn der Pflegebedürftige bereits seit mindestens sechs Monaten von dem Angehörigen in seinem häuslichen Umfeld gepflegt wird. Dafür sind Nachweise zu erbringen, ansonsten gibt es keinen Anspruch auf Ersatzpflege. Da diese manchmal sehr kurzfristig und unerwartet benötigt wird, wie im Fall eines Krankheitsfalles oder Unfalls der Pflegeperson, ist es nicht zwingend erforderlich, diese vorab zu beantragen. Die Pflegekasse muss die Ersatzpflege somit nicht im Vorfeld genehmigen, anders als es bei der Kurzzeitpflege beispielsweise der Fall ist. Es ist jedoch sehr wichtig, dass alle Belege und Nachweise während der Ersatzpflege gesammelt und aufbewahrt werden. Diese werden später bei der Pflegekasse eingereicht, um die Aufwendungen zu erhalten. So können neben den Kosten für Pflegesachleistungen auch der eigene Verdienstausfall oder Fahrtkosten der pflegenden Privatperson, die zum Pflegebedürftigen eine weitere Strecke fahren muss, als Aufwendung von der Pflegekasse übernommen werden. Auch hier gilt: Es muss Quittungen darüber geben. 

Dauer und Leistungen der Ersatzpflege

Die Ersatzpflege ist eine begrenzte Leistung. Sie kann maximal sechs Wochen, also 42 Tage, jährlich in Anspruch genommen werden. Während dieser Zeit wird auch die Hälfte des bisher gewährten Pflegegeldes weitergezahlt. Zudem müssen die sechs Wochen nicht am Stück genommen werden. Es können auch kürzere Zeiträume überbrückt werden. Nur dürfen die 42 Tage in der Summe pro Jahr nicht überstiegen werden. So kann die Leistung der Ersatzpflege auch stunden- oder tageweise beansprucht werden. Die Voraussetzung ist auch hierbei, dass der Pflegebedürftige seit mindestens sechs Monaten von der nun ausfallenden Pflegeperson gepflegt wird. 

Die Pflegeperson muss sich auch keine Sorgen machen wegen ihrer Sozialbezüge. So bezahlt die Pflegekasse in der Zeit des Ausfalls weiterhin die Renten- und Arbeitslosenversicherungsbeiträge. Damit bleibt der Rentenanspruch trotz Urlaubs weiterhin bestehen sowie auch der Arbeitslosenversicherungsschutz. Sollte die Ersatzpflege nur stundenweise beansprucht werden und die Pflegeperson weniger als 8 Stunden am Tag verhindert sein, besteht sogar Anspruch auf das volle Pflegegeld. 

Wer übernimmt die Kosten und in welcher Höhe?

Um die Kosten erstattet zu bekommen, stellst du bei der Pflegekasse einen Antrag auf Verhinderungspflege, wie die Ersatzpflege auch genannt wird. Da die Ersatzpflege ab und an sehr spontan eintritt, legst du vorab die Kosten aus. Die Erstattung der entstandenen Kosten erfolgt dementsprechend rückwirkend. Auch ist der Kostenrahmen jährlich begrenzt. Neben der zeitlichen Begrenzung von sechs Wochen stehen jährlich 1612 Euro zur Verfügung.

Zusätzlich ist eine Aufstockung der Ersatzpflege möglich, wenn das jährlich zur Verfügung stehende Budget der Kurzzeitpflege nicht angegangen bzw. aufgebraucht wurde. So können bis zu 50 % des Budgets für die Ersatzpflege verwendet werden. Da bei der Kurzzeitpflege auch Leistungen von bis zu 1612 Euro übernommen werden, ergibt das ein zusätzliches Budget von 806 Euro. Somit können für die Ersatzpflege bis zu 2418 Euro jährlich beansprucht werden. 

Um den finanziellen Ausgleich für die Ersatzpflege zu bekommen, gibt es jedoch eine Bedingung: Die ausführende Person sollte nicht mit der pflegebedürftigen Person bis zum zweiten Grad verwandt oder verschwägert sein. Zusätzlich sollte die Person nicht mit der pflegebedürftigen Person in einer häuslichen Gemeinschaft leben. Trifft ein oder mehrere Umstände zu, dann gibt es keine Aufwandsentschädigung für die pflegende Ersatzperson.

Am unproblematischsten ist es, wenn ein gewerblicher Pflegedienst für die zeitliche Pflege als Ersatz einspringt. In diesen Fällen kann der Höchstbetrag von 1612 in vollem Umfang ausgeschöpft werden. Schwierigkeiten gibt es manchmal bei der Beauftragung von Privatpersonen, die aus dem familiären Umfeld kommen. Nahe Angehörige oder zusammen lebende Personen werden von den Richtlinien nicht erfasst oder erhalten nur einen anteiligen Betrag für die ersatzweise Pflege. In diesen Fällen ist es die bessere Lösung, das monatliche Pflegegeld in Anspruch zu nehmen und keine Ersatzpflege zu beantragen. Bei Pflegekosten bleibt unabhängig von der Versorgungsform meist ein hoher Eigenanteil. Mit einer privaten Pflegezusatzversicherung lassen sich die Kosten senken – doch nur, wer sich die Beiträge dauerhaft leisten kann, sollte die Absicherung in Erwägung ziehen. Eine entsprechende Bedarfsanalyse verrät, ob eine Pflegezusatzversicherung die private Vorsorge sinnvoll ergänzen kann.

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