Erbe ausschlagen: Konsequenzen einer Erbausschlagung

Eine unerwartete Erbschaft von einer reichen Urgroßtante, die man kaum kannte – vielleicht träumst auch du von einem solchen Geldsegen. Die Realität sieht jedoch meistens anders aus. Tatsächlich kannst du sogar Schulden erben, für die du mit deinem privaten Vermögen haftest. Damit das nicht passiert, solltest du genau prüfen, was du erbst – und wenn nötig die Erbschaft ausschlagen. Wie das geht und welche Konsequenzen eine Erbausschlagung hat, liest du hier.

Bei mehr als jeder zehnten Erbschaft in Deutschland werden die Nachlassempfänger leer ausgehen oder gar Schulden erben. Zu diesem Schluss kommen die Deutsche Bundesbank, das Statistische Bundesamt und weitere Institute für den Zeitraum zwischen 2015 und 2024. Ihren Berechnungen zufolge werden diese Fälle 13 Prozent aller Erbschaften ausmachen. Die Wahrscheinlichkeit, dass du selbst einmal Schulden erbst, ist also gar nicht so gering – und du solltest wissen, was dann zu tun ist.

Wann sollte ich eine Erbschaft ausschlagen?

Wenn du dir zu 100 Prozent sicher bist, dass die verstorbene Person dir nichts als Schulden und Verbindlichkeiten hinterlassen hat, ist die Sache klar: In so einem Fall solltest du das Erbe ausschlagen.

Heißt das im Umkehrschluss, dass du beruhigt zugreifen kannst, wenn der Verstorbene dir in seinem Testament ein großes Haus, ein schickes Auto und ein dickes Bankkonto vererbt? Nicht unbedingt. Denn nicht immer ist für dich als Erbe auf den ersten Blick ersichtlich, ob eine Erbschaft tatsächlich Gewinn bringt. Selbst, wenn der Wert der Erbmasse zunächst hoch erscheint: Mitunter sind die Zahlungsverpflichtungen, die der Verstorbene hinterlässt, genauso hoch, im schlimmsten Fall gar um ein Vielfaches höher. Wer in so einem Fall das Erbe angetreten hat, kann höchstens noch das Bankkonto plündern und versuchen, Haus und Auto zu verkaufen – und bleibt womöglich dennoch auf einem Berg Schulden sitzen. Prüfe also bei jeder Erbschaft genau, worauf du dich einlässt. Falls du draufzahlen würdest, solltest du die Erbschaft ausschlagen.

Wenn du eine Immobilie erbst, musst du berücksichtigen, dass sie laufende Kosten verursacht, selbst wenn du sie nicht bewohnst. Dazu können hohe Kosten für Reparaturen oder gar eine Sanierung kommen. Wenn das deine finanziellen Möglichkeiten übersteigt: Hände weg. Spielst du mit dem Gedanken, die Immobilie zu verkaufen, mach dir bewusst, dass du sie je nach Zustand und Lage möglicherweise schwer loswirst. Eventuell bist du also besser dran, wenn du die Erbschaft ausschlägst.

Vielleicht spielt auch ein familiärer Konflikt eine Rolle, wenn du darüber nachdenkst, die Erbschaft auszuschlagen: Du möchtest von der verstorbenen Person einfach nichts annehmen. Allgemeingültige Ratschläge gibt es für solche Situationen nicht, außer: Triff die Entscheidung nicht überstürzt und sei dir ihrer Konsequenzen bewusst, denn rückgängig machen kannst du sie nicht.

Was muss ich beachten, wenn ich die Erbschaft ausschlagen will?

Wichtig: Du musst das Erbe fristgerecht ausschlagen, meistens innerhalb von sechs Wochen. Falls du im Ausland warst, als du von der Erbschaft erfahren hast, oder wenn der Verstorbene zuletzt im Ausland lebte, gilt eine sechsmonatige Frist. Die Frist beginnt mit dem Zeitpunkt, zu dem du von dem Erbe erfahren hast. Wenn du der gesetzliche Erbe bist, bekommst du nicht extra eine Mitteilung: Man geht davon aus, dass du weißt, dass du geerbt hast. Nach Ablauf der Frist gilt das Erbe als angetreten.

Nur das Vermögen annehmen und die Schulden ausschlagen? Das geht leider nicht. Es gilt: Ganz oder gar nicht. Wenn du das Erbe antrittst, erbst du die Verbindlichkeiten mit; schlägst du es aus, verzichtest du auf die gesamte Erbschaft. Auch einen Pflichtteil erhältst du nicht, wenn du das Erbe ausgeschlagen hast, und du hast keinen Anspruch auf Gegenstände aus dem Nachlass des Verstorbenen.

Sobald du die Erbschaft ausgeschlagen hast, geht sie an den Nächsten in der gesetzlichen Erbfolge. Die Entscheidung nachträglich zu widerrufen, ist grundsätzlich nicht möglich. Nur in Einzelfällen kannst du die Ausschlagung anfechten, beispielsweise wenn dir wichtige Informationen gefehlt haben.

Die Kosten für die Ausschlagung einer überschuldeten Erbschaft sind sehr übersichtlich: 2019 betrug die amtliche Gebühr gerade einmal 30 Euro. Nach Wert des Nachlasses werden die Verfahrenskosten berechnet, wenn das Erbe einen höheren Wert hat.

Den Nachlass prüfen – wie gehe ich vor?

Bei deiner Entscheidung für oder gegen eine Erbausschlagung solltest du über die wirtschaftliche Situation des Verstorbenen genau Bescheid wissen und alle Kosten bedenken, die durch die Erbschaft auf dich zukommen. Erstelle dir am besten eine Liste. Zu den wichtigsten Posten gehören:

  • Vermögenswerte (z. B. Konten, Depots, Wertgegenstände)
  • Verbindlichkeiten (z. B. offene Rechnungen, fällige Gebühren)
  • Bestattungskosten
  • Notarkosten
  • ggf. die Pflichtteile anderer Erben
  • bei Grundstücken und Immobilien: etwaige Hypotheken, notwendige Investitionen und laufende Kosten
  • bei größeren Erbschaften: Erbschaftsteuer

Wichtig: Beantrage noch keinen Erbschein, wenn du gerade erst den Nachlass prüfst! Einige Banken verlangen den Schein für die Einsicht in Konten und Depots des Verstorbenen. Das ist jedoch nicht zulässig: Die Sterbeurkunde und das Familienstammbuch reichen meistens aus; im Idealfall hat dir der Erblasser zu Lebzeiten eine Vollmacht erteilt. Wenn du einen Erbschein beantragst, hast du das Erbe unwiderruflich angetreten.

Wer zahlt die Beerdigung, wenn ich das Erbe ausschlage?

Beerdigungskosten sind Teil der Erbschaft. Schlägst du das Erbe aus, tragen die nächsten gesetzlichen Erben die Bestattungskosten. Wenn niemand das Erbe antritt, kann es sein, dass du schließlich doch die Kosten für die Bestattung (mit-)tragen musst. Der Grund: In Deutschland gilt die sogenannte Bestattungspflicht, die unabhängig vom Erbrecht besteht. Die Bundesländer regeln in eigenen Bestattungsgesetzen, wer für die Kosten der Bestattung aufkommt, wenn niemand das Erbe antritt. Ausschlaggebend ist dafür wiederum die Unterhaltspflicht.

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