Erbschein beantragen: Die wichtigsten Fragen

Nach dem Tod eines Angehörigen müssen die Hinterbliebenen nicht nur ihre Trauer bewältigen: Es müssen auch viele Formalitäten erledigt werden. So kann es z. B. notwendig sein, einen Erbschein zu beantragen. Was du dabei beachten solltest, verraten dir die Antworten auf die sieben häufigsten Fragen zum Antrag auf den Erbschein.

1. Was bedeutet das eigentlich – den Erbschein beantragen?

Ein Erbschein ist eine öffentliche Urkunde, mit der sich Erben als solche ausweisen können. Mit einem Erbschein hast du schwarz auf weiß, dass du der Rechtsnachfolger des Verstorbenen bist. Wichtig ist das zum Beispiel bei Versicherungs- und Bankgeschäften oder Grundbuchberichtigungen. Da er nicht automatisch ausgestellt wird, wenn der Erblasser verstirbt, muss man den Erbschein beantragen.

Gut zu wissen: Um zu erben, muss man keinen Erbschein beantragen – wohl aber, um im Zweifelsfall nachweisen zu können, dass man geerbt hat.

Sobald du den Erbschein beantragst, trittst du das Erbe an und kannst es nicht mehr ausschlagen – für etwaige Schulden des Erblassers haftest du dann mit deinem privaten Vermögen. Prüfe den Nachlass deshalb gründlich, bevor du den Erbschein beantragst.

2. Warum muss ich einen Erbschein beantragen?

Viele Erben nehmen an, dass sie zwingend einen Erbschein beantragen müssen. Das stimmt allerdings nicht: Wenn du gegenüber Dritten wie Banken, Versicherungen, Behörden oder dem Grundbuchamt nachweisen musst, dass du der Erbe bist, genügt manchmal auch ein anderer Nachweis. Dann kannst du dir die Kosten sparen, die mit der Beantragung eines Erbscheins einhergehen.

Zuerst solltest du also stets prüfen, ob du mit einem der folgenden Dokumente dein Erbrecht belegen kannst (eine beglaubigte Kopie genügt in der Regel):

  • notarielles Testament
  • notarieller Erbvertrag mit gerichtlichem Eröffnungsprotokoll
  • Kontovollmacht über den Tod hinaus
  • Vorsorgevollmacht über den Tod hinaus

Dass Versicherungen und Banken einen Erbschein verlangen, obwohl der Erbe andere Nachweise hat, erklärte der Bundesgerichtshof 2013 für unzulässig. Bestehen allerdings berechtigte Zweifel an den vorgelegten Erbnachweisen, darf ein Erbschein verlangt werden.

Wenn es kein Testament gibt und du der gesetzliche Erbe bist, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass du einen Erbschein benötigst, um etwa Versicherungsverträge zu übernehmen oder Zugriff auf das Konto des Verstorbenen zu erhalten. Erheben auch andere Personen Anspruch auf das Erbe bzw. auf einen Erbanteil und gibt es diesbezüglich Unstimmigkeiten, ist es grundsätzlich ratsam, einen Erbschein zu beantragen. Er stellt rechtsverbindlich fest, wer der Erbe des Verstorbenen ist bzw. zur Erbengemeinschaft gehört.

3. Wer kann einen Erbschein beantragen?

Wenn du Erbe oder Miterbe bist, kannst du einen Erbschein beantragen. Dabei ist es nicht wichtig, ob du im Testament bzw. Erbvertrag stehst oder ob du aufgrund der gesetzlichen Erbfolge zum Erben berufen wurdest. Für minderjährige Erben müssen die Eltern bzw. Sorgeberechtigten den Erbschein beantragen.

Gut zu wissen: Pflichtteilsberechtigte, Vermächtnisnehmer und Auflagenbegünstigte sind juristisch betrachtet keine Erben – sie können also auch keinen Erbschein beantragen.

Außerdem können folgende Personen einen Erbschein beantragen:

  • vom Erben bevollmächtigte Dritte
  • Nachlassverwalter bzw. Nachlassinsolvenzverwalter
  • Testamentsvollstrecker
  • Gläubiger mit Vollstreckungstitel gegen den Erblasser bzw. den Erben

Erbengemeinschaft: Wer muss den Erbschein beantragen?

Bist du nicht der Alleinerbe, sondern Miterbe in einer Erbengemeinschaft, gibt es zwei Möglichkeiten:

  • Ihr beantragt einen gemeinschaftlichen Erbschein, der alle Miterben und ihre jeweiligen Erbquoten (ihren Anteil am Nachlass) ausweist. Auch ein Miterbe allein kann einen gemeinschaftlichen Erbschein beantragen, allerdings, falls er nicht von den anderen Erben bevollmächtigt wurde, nur für sich selbst.
  • Du und die anderen Erben beantragt jeweils einen sogenannten Teilerbschein. Jeder Antragsteller erhält einen Erbschein, der seinen Erbanteil ausweist.

Die beiden Möglichkeiten schließen sich nicht aus: Auch wenn bereits ein gemeinschaftlicher Erbschein existiert, kannst du einen Teilerbschein beantragen – umgekehrt verhält es sich genauso.

4. Wo kann ich den Erbschein beantragen?

Den Erbschein beantragst du beim zuständigen Nachlassgericht. Dabei handelt es sich um das Amtsgericht des Ortes, in dem der Verstorbene zuletzt gemeldet war. Eine Ausnahme ist Baden-Württemberg: Dort übernehmen Notare die Funktion des Nachlassgerichts.

Du kannst auch einen Notar damit beauftragen, für dich den Erbschein zu beantragen. Neben den üblichen Gebühren, die für die Ausstellung eines Erbscheins fällig werden, musst du dann allerdings zusätzlich die Notarkosten plus Mehrwertsteuer bezahlen.

5. Wann kann man den Erbschein beantragen und welche Frist ist zu beachten?

Eine Frist gibt es nicht. Nachdem du von deinem Erbe erfahren hast, kannst du jederzeit einen Erbschein beantragen. Vom Antrag bis zur Ausstellung des Erbscheins können mehrere Wochen vergehen – das hängt vom Umfang des Erbes ab.

6. Welche Unterlagen werden benötigt, um den Erbschein zu beantragen?

Du musst vor dem Nachlassgericht dein Erbrecht anhand bestimmter Dokumente belegen. Neben deinem eigenen Personalausweis oder Reisepass benötigst du dafür je nach Situation:

  • Testament oder Erbvertrag (wenn vorhanden)
  • Sterbeurkunde der verstorbenen Person
  • Deine Geburtsurkunde (ggf. deine Heiratsurkunde)
  • Geburts- bzw. Sterbeurkunden anderer Erben bzw. vorverstorbener Erben
  • Adressen aller Erben

7. Was kostet es, einen Erbschein zu beantragen?

Der Antragsteller trägt die Kosten – bei einer Erbengemeinschaft, die einen gemeinschaftlichen Erbschein beantragt, werden sie aufgeteilt. Die Gesamtkosten setzen sich zusammen aus

  • den Kosten für die Ausstellung des Erbscheins und
  • der Gebühr für die eidesstattliche Versicherung, die das Nachlassgericht häufig verlangt, um die Richtigkeit der Angaben im Antrag auf den Erbschein zu bestätigen.

Wie hoch die Kosten für die Ausstellung des Erbscheins sind, hängt vom Nachlasswert ab: Das bestimmt die Gebührenordnung im Gerichts- und Notarkostengesetz (GNotKG). Etwaige Schulden werden vom Nachlasswert abgezogen. Für Grundstücke ist der Verkehrswert bzw. der Bodenrichtwert zugrunde zu legen, für vermietete Immobilien der Ertragswert. Wenn das Nachlassgericht nicht auf die eidesstattliche Versicherung verzichtet, fällt dafür eine nicht unerhebliche Gebühr an.

Beispiele:

Nachlasswert

Gebühr für Erteilung des Erbscheins

Gebühr für eidesstattliche Versicherung

Gesamtkosten

10.000 Euro

75 Euro

75 Euro

150 Euro

100.000 Euro

273 Euro

273 Euro

546 Euro

1.000.000 Euro

1.735 Euro

1.735 Euro

3.470 Euro


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