Und Kaffee ist doch gesund!

Sie haben ein schlechtes Gewissen beim nachmittäglichen Latte Macchiato, weil es an dem Tag schon der dritte Kaffee ist? Nicht nötig! Neue Studien zeigen: Kaffee ist gesund.

Extra: Kleiner Coffeebar-Guide

Woran erkennt man einen richtig guten Cappuccino, und was unterscheidet Latte macchiato und Caffè Latte?

Morgens zum Frühstück gefiltert, nach dem Essen als Espresso, nach Feierabend im Latte macchiato und zwischendurch literweise aus der Büromaschine: Kaffee ist unser liebstes Getränk. Der Genuss geht dabei oft verloren. Dazu kommt die Sorge: Ist so viel Kaffee überhaupt gesund? Niemand muss auf das koffeinhaltige Getränk verzichten, wie Studien gezeigt haben.

Ein schlechtes Gewissen aus gesundheitlicher Sicht ist nicht angebracht, sagt Anna Flögel vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE) in Potsdam-Rehbrücke. Die Ernährungswissenschaftlerin hat Daten von über 42 000 Studienteilnehmern, die seit rund 17 Jahren regelmäßig befragt werden, ausgewertet: "Das Ergebnis ist eindeutig.

Personen, die mindestens vier Tassen Kaffee am Tag tranken, hatten ein 23 Prozent niedrigeres Risiko, später an Diabetes Typ 2 zu erkranken, im Vergleich zu denen, die weniger als eine Tasse pro Tag tranken." Ebenfalls untersucht wurde die Auswirkung des schwarzen Wachmachers auf Erkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall und Krebs. "Hier konnten wir keinen Zusammenhang feststellen. Das heißt, auch kein höheres Risiko", sagt die "Normal-Kaffeetrinkerin" (vier Tassen am Tag) Anna Flögel. Dabei scheint es keine Rolle zu spielen, ob Koffein enthalten ist oder nicht.

Bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen kann Kaffeetrinken sogar einen Schutzeffekt haben. Das zeigte eine große Übersichtsstudie der Universität Neapel (Italien). Danach sank das Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden, um 14 Prozent bei Personen, die ein bis drei Tassen Kaffee pro Tag tranken.

Der Ursache für diese schützende Wirkung sind Forscher noch auf der Spur. Zurzeit nehmen sie die unzähligen pflanzlichen Inhaltsstoffen des Kaffees unter die Lupe, zum Beispiel die "antioxidativen Phenolsäuren". "Diese Stoffe scheinen die Adern vor Arteriosklerose zu schützen, indem sie die Entzündungswerte im Blut positiv beeinflussen", sagt Professor Martin Grond, Neurologe am Kreisklinikum Siegen. "Der Entzündungswert CRP ist bei Kaffeetrinkern niedriger. Und die Innenauskleidung der Adern bleibt elastischer." Für Espressotrinker (drei am Tag) Martin Grond steht fest: "Gesunde Gefäße sind der beste Schutz vor Herzinfarkt, Schlaganfall und vor Demenz." Und Kaffee ist dabei eher hilfreich als schädlich.

Auch der Verdacht, Kaffeetrinken erhöhe dauerhaft den Blutdruck und damit das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall, lässt sich nicht mehr halten. "Heute wissen wir, dass das Koffein bei gesunden Menschen zwar zunächst den Blutdruck erhöht, sich dieser aber bei den meisten schnell normalisiert. Wenn Menschen regelmäßig Kaffee trinken, tritt selbst diese kurzfristige Erhöhung nicht mehr auf", sagt Martin Grond. Daraus entstehe auch kein erhöhtes Risiko, später einen hohen Blutdruck zu entwickeln.

Für Menschen, die bereits darunter leiden, sind die Studienergebnisse nicht eindeutig. Es scheint aber, dass Kaffee das Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall zumindest nicht vergrößert. "Kaffee ist für Menschen mit Bluthochdruck nicht verboten, aber sie sollten etwas vorsichtiger damit sein. Besonders wenn häufig Blutdruckschwankungen auftreten, ist eher zum koffeinfreien zu raten", sagt der Schlaganfallexperte.

Eine positive Auswirkung hat Koffein dagegen auf das Gehirn. Dort steigert es die geistige Leistungsfähigkeit und stärkt das Gedächtnis - mit "Langzeitwirkung". Studien haben gezeigt, dass langjährige Kaffeetrinker im Alter einen deutlich geringeren Abbau der geistigen Fähigkeiten und des Gedächtnisses aufwiesen. Allerdings: Zu viel des Getränks kann nervös und fahrig machen.

Ein Artikel aus BRIGITTE woman 10/12 Text: Katrin Steffens
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