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Achtung, bunte Teller!


Mit der Kalorientabelle unter den Weihnachtsbaum? Nicht nötig.

Wir brauchen mehr Kalorien zur Weihnachtszeit.

Der Appetit kommt beim Essen. Vor allem zur Weihnachtszeit. Da ist die Versuchung besonders groß. Überall locken gut gefüllte bunte Teller und Keksschalen zum Zugreifen. Duftende Vanillekipferln rufen Kindheitserinnerungen wach, der erste Dominostein weckt die Vorfreude auf gemütliche Adventssonntage, und einem Beutel Marzipankartoffeln kann selbst so manche Vollkornbrotesserin kaum widerstehen. Schneller als im Rest des Jahres haben wir Appetit auf Süßes - und plötzlich ist die Tüte leer.

Kein Grund, ein schlechtes Gewissen zu haben. Was wäre Weihnachten ohne nostalgische Naschereien? Sie gehören einfach dazu. Ab und zu jedenfalls, als bewusster Genuss. Und gegen den Greifreflex zu Süßigkeiten helfen kleine Schutzmaßnahmen. Zum Beispiel zum Kaffeetrinken mit den Freundinnen Orangen, Äpfel, Feigen, Datteln oder Nüsse anbieten. Die sind gesünder als Spekulatius - aber genauso weihnachtlich. Oder auf dem Schreibtisch statt Schokokugeln Möhrenschnitze neben dem Weihnachtsgesteck platzieren. Auch die Kolleginnen werden dafür dankbar sein. In vielen Teams macht sich sogar Erleichterung breit, wenn das Großraumbüro gemeinsam zur pfeffernussfreien Zone erklärt wird.

Zur Weihnachtszeit verändert sich aber nicht nur das Angebot, sondern auch die Nachfrage: Wir brauchen tatsächlich mehr Kalorien als sonst. Besonders Fans mediterraner Sommerküche haben im Winter oft schlicht Hunger - und stopfen das Loch im Magen mit Süßem. Da hilft es, die Ernährung rechtzeitig auf die Winterzeit umzustellen. Es muss ja nicht gleich schwere Hausmannskost sein, sättigend sind auch vegetarische Gerichte mit Wintergemüse wie Kohl oder roter Bete.

Schuld sind die Hormone.

Schuld am großen Appetit sind Hormone: Durch den Mangel an natürlichem Licht leiden wir an einem Überschuss des müde machenden Hormons Melatonin - und das produziert Heißhunger auf Süßes. Wer im Winter wie Bridget Jones regelmäßig gegen 16 Uhr Schokolade verspeist, sollte deshalb mittags eine Viertelstunde draußen spazieren gehen.

Dadurch sinkt der Melatoninspiegel, wir werden wieder glücklicher, und die Gier nach Süßem lässt nach. Am besten ist es, mit dem Mini-Bewegungsprogramm bereits zu beginnen, wenn die ersten Paletten mit Schoko-Weihnachts männern in den Geschäften auftauchen - dadurch gewöhnen wir uns allmählich an die winterliche Kälte und schaffen es selbst noch bei Schnee und Eis, uns mittags ein bisschen die Beine zu vertreten.

Essen im Winter macht meistens nicht dick

Kühle Rechnerinnen können noch andere Register ziehen: Sie verlegen sich auf alles, was weniger Kalorien hat. Denn sogar unter den Weihnachtssüßigkeiten gibt es gute und weniger gute: Stollen und Marzipanbrot haben es in sich, Zimtsterne und Lebkuchen ohne Marmeladenfüllung sind dagegen zu tolerieren, wenn man sie in Maßen genießt. Und bei den Feiertagsgerichten kann man die Gans mit Rotkohl durch ein leichteres Essen ersetzen. Fisch, etwa ein ganzer Lachs, hat weniger Kalorien, mehr gesunde Omega-3-Fett säuren und sieht auf der Weihnachtstafel ebenfalls sehr festlich aus.

Tröstlich für alle, die dennoch schwach werden: Einer Studie zufolge nehmen wir in einem Winter meist nicht mehr als 370 Gramm zu. Eine überschaubare Menge. Für Weihnachts-Schlemmerinnen hingegen macht eine weitere Tradition durchaus Sinn - die Fastenzeit.

Text: Anne Otto Credit: Getty Images

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