Vertrauensfrage

Einen guten Arzt zu finden ist nicht einfach. Diese Checkliste hilft bei der Suche.

1. Umhören

Bei welchem Allgemeinarzt fühlen sich die Freundinnen wohl? Welche Gynäkologin nimmt sich Zeit, Befunde zu erklären? In welcher Praxis werden Patientinnen zuvorkommend behandelt, auch wenn sie sich nicht jedes IGeL-Angebot aufschwatzen lassen? Die beste Quelle für solche Tipps ist der eigene Freundes-, Bekannten- oder Kollegenkreis. Auch Selbsthilfegruppen können gute Hinweise geben. Wichtig ist jedoch immer der eigene Eindruck (ein Fragenkatalog zur Überprüfung unter www.arztcheckliste.de). Außerdem lohnenswert: beim Arzt nachfragen, wie er es mit Besuchen von Pharmavertretern hält. Unabhängige Mediziner stehen diesen eher distanziert gegenüber.

2. Vorbereiten

Seit wann bestehen die momentanen Beschwerden? Wie und wann zeigen sie sich genau? Gibt es Besonderheiten? Ist die Temperatur erhöht? Wer sich schon vor dem Arztbesuch mit solchen Fragen auseinandersetzt, spart Zeit im Sprechzimmer - für andere Infos. Am besten alles, was man vom Arzt wissen will, auf einem Zettel notieren. So wird auch bei einem kurzen Termin nichts Wichtiges vergessen.

3. Informieren

Bei einer Erkältung ist es nicht nötig, vor dem Arztbesuch einen Blick ins Internet zu werfen. Aber bei ernsteren Erkrankungen oder gar chronischen Beschwerden lohnt es sich in jedem Fall, sich selbst schlauzumachen: Was sind die gängigen Behandlungsformen? Welche neuen Erkenntnisse gibt es dazu? Existieren Leitlinien für die Therapie (Infos für Patienten unter www.awmf-leitlinien.de), und was besagen sie? Werden neue Medikamente oder Methoden getestet? "Wir brauchen gut informierte Patienten, die bei einem Gespräch mit Ihrem Arzt die richtigen Fragen stellen", sagt Professor Ingrid Mühlhauser, Gesundheitswissenschaftlerin an der Universität Hamburg. Infos zu Krankheiten unter www.patienten-information.de und www.gesundheitsinformation.de, zu wissenschaftlich überprüften Therapien (Experten sprechen von "evidenzbasierter Medizin", EbM) unter www.cochrane.org.

4. Ehrlich sein

Wie viel trinken Sie? Wie ernähren Sie sich? Wie viel Sport treiben Sie und wie regelmäßig? Viele Patienten mogeln, wenn es peinlich wird - und das stört die Mediziner. 66 Prozent gehen davon aus, dass Patienten sie bei Themen wie Essgewohnheiten, Alkohol oder Rauchen anschwindeln. Und 46 Prozent sind davon enttäuscht, dass die Patienten die Ratschläge, die sie in der Sprechstunde erhalten, nicht befolgen. Doch eine ehrliche Bilanz und gute Mitarbeit zahlen sich aus.

5. Selbstbewusstsein zeigen

Mancher Kassenpatient fühlt sich beim Arzt inzwischen wie ein Bittsteller - schließlich suggerieren einschlägige Plakate im Wartezimmer, dass die Krankenkassen die Ärzte in den Ruin treiben. Gute medizinische Versorgung steht jedoch jedem zu. Drei Monate Wartezeit für einen Arzttermin muss niemand akzeptieren - dann lieber einen anderen Arzt fragen. Übrigens: Nach den neuen Zahlen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung fürs erste Quartal 2009 stieg die Gesamtvergütung der Ärzte im Schnitt im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um bundesweit 7,8 Prozent. Von solchen Lohnsteigerungen können die meisten Patienten nur träumen!

6. Nachfragen

"Patienten müssen gute Informationen einfordern", sagt Ingrid Mühlhauser. Wer nicht alles verstanden hat, was der Arzt gesagt hat, sollte deshalb nachhaken. Das gilt speziell für IGeL-Angebote. Was sollen sie bringen? Gibt es Studien dazu? Welche Vorteile haben sie für den Patienten? Gibt es eine ähnliche Kassenleistung? Auch Medikamente sollte man nicht unkritisch einnehmen: Wie ist der Nutzen eines Präparats im Vergleich zum Risiko? Bei wie vielen Patienten zeigte das Medikament Wirkung? Und welche Nebenwirkungen sind zu erwarten? Für chronische Krankheiten wie Diabetes, Asthma und Herzerkrankungen gibt es inzwischen spezielle Behandlungsprogramme (Disease-Management- Programm, kurz DMP, oder Chronikerprogramm). Die Krankenkassen können darüber Auskunft geben. Vor umfangreichen Behandlungen oder Eingriffen sollten Privatpatienten die Kostenvoranschläge mehrerer Ärzte einholen und vergleichen. Etwas, was sich auch für Kassenpatienten bei Leistungen lohnt, die sie ganz oder teilweise aus der eigenen Tasche bezahlen müssen.

7. Dem Gefühl trauen

Wer daran zweifelt, optimal behandelt zu werden, sollte auf jeden Fall den Arzt wechseln oder zumindest eine zweite Meinung einholen. Außerdem wichtig: Die Chemie zwischen Mediziner und Patient muss stimmen. Übrigens: Das Personal an der Rezeption lässt manchmal Rückschlüsse auf das Klima und den Umgangston in der Praxis zu. Aber ein Wartezimmer mit Luxushotel-Ambiente sagt nicht unbedingt etwas über die Qualität der Behandlung aus.

Zum Weiterlesen

Neue Patienten - neue Ärzte? Ärztliches Selbstverständnis und Arzt-Patienten-Beziehung im Wandel von Winand Gellner und Michael Schmöller (Hrsg.), 224 S., 39 Euro, Nomos Verlag, 2008

Text: Anne-Bärbel-Köhle Foto: iStockphoto
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