Sich wieder wohlfühlen im eigenen Körper

Neue Heilmethoden versprechen Genesung auf die sanfte Art. Mit diesen Medizin-Tipps werden Sie schnell wieder gesund.

Akupunktur bei Kopfschmerzen – zahlt das die Kasse?

Die Auswertung der Daten von 6700 Betroffenen zeigt: Akupunktur hilft bei Spannungskopfschmerz und Migräne mindestens ebenso gut wie die schulmedizinische Standardtherapie – und das bei geringeren Nebenwirkungen. Zu dieser Einschätzung gelangen zwei Studien der internationalen Cochrane Collaboration (www.cochrane.de). Diese Untersuchungen sind in der Fachwelt hoch angesehen und Grundlage für die Entwicklung von medizinischen Leitlinien. Die alternative Kopfschmerzbehandlung mit Nadeln könnte damit zur Kassenleistung werden, wie die Forschungsgruppe Akupunktur (www.akupunktur.info) es bereits fordert.

Doch können Betroffene jetzt schon eine Kostenerstattung erhalten? "Fragen Sie bei Ihrer Krankenkasse nach", rät Christoph Kranich, Leiter der Fachabteilung Gesundheit und Patientenschutz bei der Verbraucherzentrale Hamburg. "Einen Versuch ist es wert, auch wenn die Chancen nicht sehr hoch sind. Denn solange Akupunktur zur Behandlung von Kopfschmerzen und Migräne nicht offiziell in den Leistungskatalog der Kassen aufgenommen ist, dürfen diese die Kosten vom Gesetz her nicht erstatten. Aber manche machen es vielleicht trotzdem, wenn sie sich auf die aktuellen Studien berufen können."

Krampfadern: schrumpfen statt strippen

Bislang wurden große Beinvenen, die sich unter der Haut sichtbar schlängelten, operativ auf einen Draht gefädelt und herausgezogen. Heute werden anstelle dieses Venen-Strippings neue, sanftere Methoden bevorzugt. Kranke Venenabschnitte werden dabei nicht mehr entfernt, sondern geschrumpft und verschweißt. Dazu führt der Gefäßchirurg einen dünnen Schlauch (Katheter) in die Vene ein und zieht ihn langsam – unter Abgabe von Laserlicht oder Radiowellen – wieder heraus. Die Hitze schrumpft die Bindegewebsfasern, die Vene verschließt sich.

Der große Vorteil gegenüber dem Stripping: "Es tut weit weniger weh, und Sie können hinterher gleich wieder zur Arbeit gehen", erklärt Dr. Mete Camci, Phlebologe am Zentrum für Gefäßmedizin der Media-Park-Klinik in Köln. Besonders sicher ist dabei die "Radiofrequenzinduzierte bipolare Thermotherapie". Dabei klettern die Temperaturen nicht über 80 Grad Celsius. So lassen sich die Venen in 97 Prozent der Fälle korrekt verschließen, ohne dass umliegendes Gewebe durch zu hohe Temperaturen an der Katheterspitze geschädigt wird. "Strippen, also herausziehen, muss man eine Vene heute nur noch, wenn sie sich extrem windet, Nebenäste ausgebildet hat oder schon voroperiert ist", sagt Venenspezialist Camci. Er empfiehlt Venenleidenden, sich in Gefäßmedizinischen Zentren (Adressen unter www. phlebology.de) behandeln zu lassen. Dort werden bei Bedarf moderne Katheterverfahren mit klassischen Therapiemethoden kombiniert.

Homöopathie als Kassenleistung

Bisher mussten Patienten eine Behandlung mit "Kügelchen" meist selbst bezahlen. Jetzt profitieren viele von der "Integrierten Versorgung (IV) Homöopathie". Diese Vereinbarung zur Kostenerstattung hat der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) mit derzeit 120 gesetzlichen Krankenkassen getroffen. Christoph Trapp, Pressesprecher des Vereins, ist zuversichtlich, dass weitere folgen werden: "Immer mehr Patienten schätzen die ganzheitliche und gründliche Fallaufnahme, die jeder homöopathischen Therapie vorausgeht. Um dafür nicht zuzahlen zu müssen, wechseln sie sogar ihre Kasse."

Immer mehr Patienten schätzen die ganzheitliche und gründliche Fallaufnahme.

Von den 5500 niedergelassenen Schulmedizinern mit der Zusatzbezeichnung Homöopathie oder einem Homöopathie-Diplom können derzeit 1300 Erst- und Folgeanamnesen abrechnen. Für verordnete Globuli oder Tropfen müssen Patienten weiterhin selbst aufkommen. Adressen homöopathischer Vertragsärzte unter www.welt-der-homoeopathie.de.

Schonende Operation der Gallenblase

Eingriffe an Gallenblase und Blinddarm könnten in Zukunft bei Frauen häufiger ohne belastenden Bauchschnitt durchgeführt werden, dank NOTES (Natural Orifices Translumenal Endoscopic Surgery). So heißt ein neuartiges Verfahren, bei dem der Chirurg für die Operation natürliche Körperöffnungen wie Mund oder Scheide als Zugang zum Bauchraum nutzt. "NOTES ermöglicht uns Eingriffe ohne äußere Verletzung", sagt Dr. Carsten Zornig, Chefarzt am Israelitischen Krankenhaus in Hamburg. Er gilt als einer der Vorreiter der NOTES-Bewegung in Deutschland: 46 Patientinnen hat er die Gallenblase bereits erfolgreich ohne äußerlich sichtbare Schnitte entfernt – über die Vagina.

"Wir kommen damit der optimalen Operation, die ohne Schmerzen und Narben auskommt, immer näher", sagt der Chirurg, der die neue OP-Technik gemeinsam mit einem befreundeten Gynäkologen entwickelt hat. Dabei verbindet er zwei alltägliche Methoden miteinander: die Bauchspiegelung (Laparoskopie) über den Bauchnabel und den Eingriff über die Vagina. "Die notwendigen Instrumente führen wir über den Nabel und die Scheide ein", erklärt Zornig. "Dann entfernen wir über die Vagina, die extrem dehnfähig ist, die entzündete Gallenblase oder größere Gallensteine. Auch den Blinddarm haben wir bereits auf diese Weise erfolgreich operiert." Noch hat diese OPMethode Seltenheitswert: "Aber auf Chirurgenkongressen besteht ein Rieseninteresse an NOTES-Techniken."

Die Vorteile sind auf den ersten Blick kosmetischer Natur. "Wir hoffen aber auch", so Carsten Zornig, "dass diese Technik die Wundheilung beschleunigt, für Patientinnen weniger belastend ist und Narbenbrüche verhindern hilft. Das werden vergleichende Studien zeigen." Die Risiken sind nicht höher als bei einer Entfernung der Gallenblase per Bauchspiegelung. Und mit vaginalen Eingriffen machen Gynäkologen seit Jahren gute Erfahrungen. Anders sieht es bei Versuchen aus, den Blinddarm oder die Gallenblase über den Mund zu entfernen – wie bereits in Indien und den USA geschehen. Experten befürchten ein erhöhtes Infektionsrisiko, weil beim Zugang über den Mund die Magenwand geöffnet werden muss. Dann könnten Bakterien in den Bauchraum gelangen und eine gefährliche Bauchfellentzündung verursachen.

Bei Sod­­brennen den Magen in Schwung bringen

Sodbrennen geht oft mit anderen Beschwerden einher. Wie eine aktuelle Emnid-Umfrage gezeigt hat, leiden 64 Prozent der Betroffenen gleichzeitig unter Völlegefühl, Magenkrämpfen, Übelkeit oder Blähungen. Schuld daran ist häufig eine gestörte Magen-Darm-Bewegung. Eine Hemmung der Magensäure-Produktion kann dann die Beschwerden allein oft nicht lindern.

Experten empfehlen deshalb, im Rahmen der Therapie die unwillkürlichen Bewegungen des Magen-Darm-Traktes zu normalisieren. So kann der Magen sich schneller entleeren, Druck und aufsteigende Säure werden reduziert. Hilfreich kann dabei, wie pharmakologische Untersuchungen gezeigt haben, der Extrakt der Bitteren Schleifenblume (Iberis amara) sein.

Sanfte Methode gegen Blutungen

Blutungsstörungen – dieses Problem kennt jede siebte Frau. Manchmal sind Polypen oder Myome, gutartige Tumore in der Gebärmutter, schuld daran. Doch starke Blutungen können auch andere Ursachen haben. "Treten sie kurz vor der Menopause auf, sind sie häufig Folge eines gestörten Hormonspiegels", sagt Dr. Thoralf Schollmeyer, Oberarzt an der Kieler Universitätsklinik für Gynäkologie und Geburtshilfe. Mediziner sprechen dann von "dysfunktionellen Blutungen". Jährlich wird wegen dieser Diagnose immer noch rund 60 000 Frauen die Gebärmutter entfernt. Kein leichter Eingriff!

Alternativ können sich Betroffene die Schleimhaut der Gebärmutter mittels Laser oder elektrischen Stroms veröden lassen. Der Nachteil: Die Schleimhaut muss vorher durch eine vierwöchige Hormontherapie geschrumpft werden, damit auch tiefe Gewebeschichten erfasst werden.

Ohne Hormone kommt jetzt eine neue Methode aus. Dabei führt der Arzt über die Scheide ein vergoldetes Metallnetz in die Gebärmutter ein und entfaltet es. Mithilfe eines Vakuums wird die Schleimhaut dann vollständig an das Netz herangezogen und durch einen elektrischen Impuls verdampft. Der Eingriff dauert nur zehn Minuten, die Patientin kann noch am gleichen Tag die Klinik verlassen. "In 98 Prozent der Fälle baut sich die Schleimhaut nicht mehr neu auf, die Regelblutung bleibt aus oder ist deutlich reduziert", erklärt Dr. Schollmeyer, der als Leiter der Kieler Schule für gynäkologische Endoskopie das Verfahren auch Kollegen beibringt.

Mit dem Laser operieren Ärzte dagegen bis zu 60 Minuten und erreichen trotzdem oft die schwer zugänglichen Abgänge der Eileiter nicht. Allerdings erstatten bisher nur private Krankenkassen die Kosten für das Goldnetzverfahren. Kassenpatientinnen müssen mit bis zu 1000 Euro rechnen. Infos unter www.endo-kiel.de. Speziell geschulte Ärzte unter www.goldnetz.com.

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