Verspannter Rücken - was hilft?

Rückenschmerzen sind richtig unangenehm!

An Rückenschmerzen sind oft Verspannungen schuld. Eine gute Nachricht. Denn gegen einen verspannten Rücken kann jeder selbst etwas tun.

Nicht der Kopf, der Rücken tut am häufigsten weh. Und das oft dauerhaft. Fast ein Viertel aller Frauen und ein Sechstel der Männer klagen laut Robert-Koch-Institut Berlin über chronische Rückenschmerzen - obwohl die Ärzte bei den meisten keine konkrete Ursache dafür finden können. Denn schuld an den hartnäckigen Beschwerden sind oft weder Bandscheibenvorfälle noch degenerative Veränderungen. In über 80 Prozent aller Fälle sind es verspannte . "Myofasziales Schmerzsyndrom" nennen Experten das.


Es beginnt unbemerkt, schleichend: Leichte, aber monotone Bewegungen, bei der Arbeit am Computer zum Beispiel, und fehlender körperlicher Ausgleich führen dazu, dass sich immer nur einige wenige Muskelfasern zusammenziehen, während andere gar nicht beansprucht werden. Können sie sich nicht wieder entspannen, werden sie schlecht durchblutet und unzureichend mit Nährstoffen versorgt, das Gewebe wird "sauer", sein pH-Wert sinkt (pH-Wert 7 = neutral, Werte unter 7 = sauer, über 7 = basisch). Substanzen werden freigesetzt, die Schmerzfühler im Muskel aktivieren. Diese sensibilisieren mit schwachen, aber konstanten Impulsen Nervenzellen im Rückenmark. Mit der Zeit werden die Nervenzellen übererregbar, empfinden Reize irgendwann intensiver und signalisieren dem Gehirn "Schmerz", wie Neuroanatom Professor Siegfried Mense erklärt, der an der Universität Heidelberg seit Jahren Muskelschmerzen erforscht.

Um einen verspannten Rücken sollten Sie sich frühzeitig kümmern

Werden die verspannten Muskelstränge nicht schnell wieder gelockert, verkürzen sie. Andere, bisher wenig belastete Muskeln müssen ihre Arbeit mit übernehmen und werden dadurch ebenfalls überfordert. Häufig bilden sich in der Mitte und an den Enden der verklebten, verhärteten Muskelfaserbündel so genannte Triggerpunkte, "Hartspann", extrem empfindliche Knötchen, die man leicht ertasten kann. Bei Frauen sitzen, so Mense, solche Triggerpunkte vor allem im Nacken und oberen Rücken. Trotzdem sind die Schmerzen oft schwer zu lokalisieren, die Knoten strahlen aus. So haben Betroffene nicht selten das Gefühl, der ganze Rücken, manchmal sogar der ganze Körper würde ihnen weh tun. Und irgendwann könnte der starke Zug der verspannten Muskulatur dann tatsächlich Wirbelkörper verschieben oder Bandscheiben vorfallen lassen. "Viele Menschen merken erst nach Jahren, wenn sich bereits eine harte Muskelplatte herausgebildet hat", sagt Professor Hans-Raimund Casser, Ärztlicher Direktor des DRK Schmerz-Zentrums Mainz. "Die Therapie dauert dann natürlich viel länger als in leichteren Fällen. Und bevor Linderung eintritt, werden die Beschwerden anfangs sogar noch zunehmen."

Geduld ist in jedem Fall nötig.

Wichtig ist vor allem, die Ursache zu beseitigen: die Dysbalance in der Muskulatur. Die 150 Muskeln, die die Wirbelsäule stabil und beweglich halten, bei Schmerzen zu schonen, wäre deshalb genau der falsche Weg. Besser ist eine Kombination aus gezielter Entspannung der verhärteten Muskeln und einer Übungstherapie, bei der Krankengymnastik, selbständige Übungen und das Training an Geräten verkürzte und geschwächte Muskeln aktivieren - durch Dehnen und Kräftigen. "Das Dehnen darf nie zu kurz kommen", sagt Hans-Raimund Casser. "Denn Muskeln, die nur gekräftigt werden, verspannen sich erst recht. Das Dehnen ist oft anstrengender und zunächst schmerzhafter als die kräftigenden Übungen. Aber nur gedehnte Muskeln lassen sich aufbauen." Entspannend kann neben Verfahren wie autogenem Training und progressiver Muskelrelaxation nach Jacobson Wärme in Form von Packungen und Bädern sein. Massagen sind ebenfalls angenehm. Doch auch sie bringen laut aktuellen Studien nur wirklich Erfolge, wenn sie mit Dehnübungen und Bewegung kombiniert werden.

Geduld ist in jedem Fall nötig. In leichten Fällen ist nach zwei bis drei Monaten Training eine Linderung zu spüren. Sind die Beschwerden chronisch, dauert es länger. "Wenn der Schmerz sich bereits verselbständigt hat, müssen Patienten erst wieder ein Gefühl für ihren Körper, für Spannung und Länge ihrer Muskeln entwickeln", sagt Schmerztherapeut Casser. In schweren Fällen spritzt er deshalb zur Schmerzbekämpfung lokale Betäubungsmittel in die Triggerpunkte oder verordnet für drei Tage ein Schmerzmittel, das die Entspannung der Muskulatur fördert. Auch eine Therapie mit Stoßwellen ist als letztes Mittel möglich, wenn zum Beispiel vor allem die Sehnenansätze an Schulter, Fuß oder Achillesferse starke Probleme bereiten. Letztendlich zielen diese Behandlungen jedoch immer darauf ab, Schmerzpatienten für Bewegung fit zu machen. Denn das Muskeltraining ist Kernstück jeder Therapie.

"Muskeln sind Teamplayer. Nur wenn das Zusammenspiel funktioniert, profitiert der Rücken von der Bewegung", sagt Professor Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule Köln. "Muskeln dürfen nicht einseitig trainiert werden, sonst verschiebt sich das Gesamtsystem." Deshalb sollte, auch wenn der Schmerz überwunden ist, weitertrainiert werden, rät Froböse, täglich 15 bis 20 Minuten, lebenslang. Wer aktiv bleibt, kann verhindern, dass der Schmerz zurückkommt. Das Gute daran: Muskeln haben keine biologische Uhr; sie brauchen für ihren Aufbau nur Bewegung, in jedem Alter. Und egal bei welchem Ausgangsniveau das Training beginnt - die Muskelkraft lässt sich in zwölf Monaten um 100 Prozent steigern.

Verspannter Rücken: zum Weiterlesen

"Das neue Rücken-Akut-Training" von Ingo Froböse, 176 S., 19,99 Euro, Gräfe und Unzer 2010; "Endlich frei von Muskelschmerzen" von Oliver Ploss, 96 S., 9,95 Euro, Knaur 2008; "Die neue Rückenschule: der Nacken" von Hans-Dieter Kempf, Marco Gassen und Christian Ziegler, 188 S., 8,99 Euro, Rowohlt Taschenbuch 2011.

Text: Monika Murphy-Witt Foto: Corbis Ein Artikel aus BRIGITTE Woman, 09/11

Wer hier schreibt:

Monika Murphy-Witt

Kommentare (1)

Kommentare (1)

  • NicoleW
    NicoleW
    Richtig liegen ist wichtig!
    Ich habe meine Rückenschmerzen mit einem Mix aus Übungen/Bewegung und der richtigen Matratze gelindert - besser gesagt mit einem Luft-Schlafsystem (hatte ich von der Website des Deutschen Skoliose Netzwerkes erfahren). Dieses Ergofit Air konnte sozusagen im Schlaf meinen Rücken wieder herstellen, ganz ohne Ärzte und OPs. Ohne Bewegung ggf. Reha wird es aber vermutlich nicht gehen - mein Tipp: aktiv bewegen, nachts passiv richtig liegen.

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