Schlecht hören

Erst sind es nur die hohen Töne, später ganze Sätze: Schlecht hören im Alter hat nicht nur körperliche Folgen, sondern auch soziale.

Was passiert im Körper?

Ab einem Alter von 40 Jahren nimmt das Hörvermögen bei fast jedem Menschen allmählich ab. Dieser natürliche Prozess der sogenannten Altersschwerhörigkeit (Presbyakusis) betrifft gewöhnlich beide Ohren gleichermaßen. Er beeinträchtigt das Innenohr mit seinen Sinneszellen (Haarzellen), den Hörnerv und die für die Weiterverarbeitung der Signale verantwortlichen Hirnbereiche. In den meisten Fällen ist keine eindeutige Ursache erkennbar. Bei Menschen, die oft Lärm ausgesetzt waren, rauchen oder bereits einen Hörsturz hatten, kann die Schwerhörigkeit sogar noch früher einsetzen. Auch Herz-, Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen oder ohrschädigende Medikamente können den Hörverlust beschleunigen. Zudem ist Schwerhörigkeit vererbbar. Unabhängig von einer altersbedingten Veränderung der Haarzellen im Innenohr braucht das Gehirn im Alter mehr Zeit, um das Gehörte zu verarbeiten. Schlecht hören ist die Folge.

Wie zeigt sich das?

Ein typisches Symptom von Altersschwerhörigkeit ist die zunehmende, symmetrische Gehörabnahme. Anfangs können besonders die hohen Töne nicht mehr richtig wahrgenommen werden, später betrifft dies auch die tieferen Frequenzen. In einer geräuschvollen Umgebung fällt es zunächst schwer, Konversationen zu folgen (Cocktail-Party-Effekt). Bei fortgeschrittenem Hörverlust leiden Betroffene unter so genannter Gesellschaftstaubheit. Einzelne Wortsilben verstehen sie besser als ganze Sätze. Andere Geräusche als Sprache werden meist noch gut wahrgenommen. Bei einigen Patienten können zudem Ohrgeräusche hinzukommen (Tinnitus).

Wie kann ich das verhindern?

Ganz verhindern lässt sich die Altersschwerhörigkeit nicht, denn sie ist ein Teil des natürlichen Alterungsprozesses. Wer jedoch Lärm (bei der Arbeit und auch privat), Stress und Nikotinkonsum meidet, verringert das Risiko schlecht zu hören. Auch eine ausgewogene Ernährung ist sehr wichtig, um nicht schlecht zu hören. Treten erste Anzeichen verminderter Hörfähigkeit auf, kann der frühzeitige Einsatz eines Hörgeräts der Verkümmerung des Gehörs vorbeugen.

Was kann ich tun, wenn ich's schon habe?

Schlecht hören und der stetige Verlust des Hörvermögens kann zu sozialer Isolierung, Depressionen, Angstzuständen und geistigem Abbau führen. Daher sollten Sie möglichst frühzeitig behandelt werden, wenn sie schlecht hören. Das ursprüngliche Hörvermögen lässt sich zwar nicht wiederherstellen, allerdings gibt es verschiedene Möglichkeiten, den Hörverlust auszugleichen und das Sprachverständnis zu verbessern. Neben dem Einsatz eines Hörgerätes können Betroffene ein Hör- oder auch ein Lippenablesetrainung absolvieren. Für das Telefon gibt es Lautsprecherverstärker, zudem können zu Hause optische Signalhilfsmittel eingesetzt werden. Um den psychischen Gefahren vorzubeugen, kann auch eine Psychotherapie sinnvoll sein.

Text: Nicole Wehr
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