Behandlungsmethoden für Krampfadern im Check

Krampfadern und Besenreiser entfernen oder nicht? Diese Frage wird heute teilweise neu beantwortet. Auch die Behandlungsmethoden haben sich verbessert. Ein Update.

WIR MÜSSEN HIER NICHT LANGE DRUM HERUM REDEN: Schön sehen sie nicht aus, die bläulich schimmernden Besenreiser und Krampfadern an Ober- und Unterschenkeln. Also wegmachen lassen? Zumal der Spezialist in der schicken Venenpraxis das vor allem bei Krampfadern dringend empfiehlt – sonst würden sie auf Dauer immer schlimmer, und möglicherweise könnte sogar eine gefährliche Thrombose entstehen, also ein Gerinnsel in der Vene. Aber ist das wirklich so? Oder rät er es vielleicht nur deshalb dazu, um den Eingriff gewinnbringend abrechnen zu können?

Behandlung nur bei Beschwerden 

Dass man möglichst früh operieren sollte, ist tatsächlich alles andere als medizinisch gesichert. Dr. Erika Mendoza, Generalsekretärin der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie (Venenheilkunde), rät zur Vorsicht. "Es ist nicht ausreichend durch Studien belegt, dass bei Krampfadern eine Thrombose droht – allenfalls bei sehr ausgeprägten gibt es Hinweise darauf", so die Allgemeinmedizinerin und Gefäßspezialistin. "Und wir wissen auch nicht, bei wie vielen Patienten Krampfadern oder Besenreiser tatsächlich im Laufe der Jahre immer schlimmer werden."

Bewiesen sei dagegen, dass sich nach einer Krampfaderoperation die Hälfte der Patientinnen innerhalb von zehn Jahren erneut einem Eingriff unterziehen muss. Deshalb gilt Mendoza zufolge diese Faustregel: Behandeln soll man nur, wenn Krampfadern Beschwerden verursachen, etwa Schwellungen, Verfärbungen oder Schmerzen in den Beinen. Oder wenn sie die oder den Betroffenen kosmetisch sehr stark stören. Letzteres ist natürlich kein Argument für die Krankenkassen, sie übernehmen die Kosten der Behandlung nur, wenn sie medizinisch angezeigt ist.

Das heißt auch, dass die Verödung von Besenreisern, also kleinen oberflächlichen Venenerweiterungen, grundsätzlich aus eigener Tasche bezahlt werden muss. "Jede zweite Frau hat mit 50 Besenreiser", so Erika Mendoza. "Sie zu veröden ist eine Entscheidung wie Haarefärben. Denn Besenreiser kommen immer wieder, wenn man eine Veranlagung dazu hat."

Beseitigung von Besenreisern mit speziellen Lasern

Beim Veröden wird Flüssigkeit oder Schaum in die winzigen erweiterten Venen gespritzt, die eine Entzündung hervorrufen. Durch diese verkleben die Venenwände. Nicht selten verfärbt sich allerdings die Haut in den behandelten Arealen langfristig bräunlich, das ist dann kosmetisch manchmal genauso störend. Häufig sind mehrere Behandlungen nötig, pro Sitzung kostet das rund 60 bis 100 Euro, in "Designer-Praxen" in der Großstadt auch mal 250 Euro.

Eine neuere Methode ist die Beseitigung von Besenreisern mit speziellen Lasern. Das kann ziemlich schmerzhaft sein. Braune Flecken sind nach einer Laserbehandlung seltener als beim Veröden, doch kann auch hier ein sogenanntes "Matting" auftreten. Dabei bilden sich rund um die gelaserten Stellen zahlreiche neue kleine Äderchen, die dann wie ein blauer Fleck aussehen. Wenn man Pech hat, kommt man also ästhetisch gesehen vom Regen in die Traufe.

Dasselbe kann beim Veröden oder Lasern von oberflächlich erweiterten "Seitenastvenen" passieren, die wie ein bläuliches Netz durch die Haut schimmern. Auch deren Therapie ist unter medizinischen Aspekten unnötig und wird deshalb von den Kassen nicht bezahlt.

Wann ist eine Behandlung überhaupt medizinisch notwendig?

Immer dann, wenn es zu einer sogenannten chronischen venösen Insuffizienz kommt, wenn also der Rückfluss des Blutes in Richtung Herz beeinträchtigt ist. Dieses Problem tritt in den beiden oberflächlichen großen Venen im Bein (den sogenannten Stammvenen) auf, die an der Leiste und Kniekehle in das System großer Venen münden, das den ganzen Körper durchzieht. In den Stammvenen gibt es Klappen, die dafür sorgen, dass das Blut im Stehen nicht in Richtung Füße zurückfließt und entgegen der Schwerkraft abtransportiert werden kann.

Diese Klappen schließen manchmal nicht mehr richtig. Dann versackt das Blut in den Beinen, und die Venen erweitern sich sichtbar. Mal abgesehen davon, dass hier tatsächlich eine gefährliche Thrombose entstehen könnte, machen solche Krampfadern über kurz oder lang immer Beschwerden: Flüssigkeit tritt in das umgebende Bindegewebe aus, die Beine schwellen an. Sie fühlen sich schwer an, die Haut juckt und spannt.

Auf Dauer kann der zu große Druck im Bein dazu führen, dass die Haut an den Unterschenkeln nicht mehr richtig ernährt wird und sich offene Stellen bilden, die nur schwer heilen. Wie stark der Blutfluss in verschiedenen Abschnitten des Venensystems beeinträchtigt ist, lässt sich mit einer speziellen Ultraschalluntersuchung sehr genau feststellen: Die sogenannte Farbduplexsonografie zeigt unter anderem, ob die Venenklappen noch schließen und das Blut überhaupt in die richtige Richtung fließt, also zum Herzen hin. Diese Untersuchung ist Voraussetzung für eine sinnvolle Therapieplanung – also die Entscheidung, welche Venen teilweise oder ganz entfernt oder verschlossen werden sollen.

Welche Methode ist die beste?

Beim "Venenstripping" (kein Scherz, heißt wirklich so) werden die betroffenen Venen ganz oder teilweise aus dem Bein gezogen. Venenspezialistin Erika Mendoza hält dieses Verfahren allerdings für problematisch. Unter anderem werden beim Herausziehen der Gefäße Nerven und Lymphgefäße mit abgerissen, sodass hartnäckige Lymphödeme und Gefühlsstörungen oder Taubheit in den Füßen auftreten können.

Dass die Methode in Deutschland nach wie vor sehr üblich ist, führt Erika Mendoza überwiegend auf finanzielle Überlegungen zurück. Erstens bezahlen die Kassen gut für den Eingriff, zweitens lässt sich beim Stripping im Gegensatz zu anderen Verfahren, bei denen man am selben Tag nach Hause gehen kann, unter bestimmten Bedingungen auch ein stationärer Aufenthalt abrechnen.

Weniger lukrativ, aber schonender sind Verfahren, bei denen die Venen nicht entfernt, sondern von innen verschlossen werden (sogenannte endoluminale Verfahren). Hier wird ein Katheter in die Vene eingeführt, und die Gefäßwände werden zum Beispiel mithilfe von Radiowellen (Radiofrequenzablation), Laser oder heißem Dampf verklebt. Damit die dabei entstehende Hitze nicht schmerzt und die umgebenden Nerven und Gefäße schädigt, wird vor solchen Eingriffen eine kühlende, örtlich betäubende Flüssigkeit um die Vene herum gespritzt.

Kompressionsstrümpfe für ein gutes Langzeitergebnis 

Normalerweise kann man bei allen Therapiemethoden ein paar Tage nach dem Eingriff wieder arbeiten, muss aber wochen- bis monatelang sehr konsequent Kompressionsstrümpfe tragen, um ein gutes Langzeitergebnis zu erzielen. Darum ist es sinnvoll, die Behandlung für den Winter zu planen, wenn die Strümpfe nicht ganz so lästig sind.

Die Zukunft wird aber hoffentlich wesentlich schonenderen Methoden gehören, zum Beispiel der sogenannten CHIVA, einer ambulanten gefäßerhaltenden und blutflusskorrigierenden Behandlung von Krampfadern. Hier werden Venen an bestimmten Stellen durchtrennt, um zu verhindern, dass das Blut in den Gefäßen Richtung Boden fließen kann. Bestehende Krampfadern können sich so sogar wieder zurückbilden (immer vorausgesetzt, man schlampt nicht mit den Kompressionsstrümpfen).

Ein weiterer Vorteil ist, dass die Stammvene im Bein erhalten bleibt – sie könnte später im Leben noch dringend gebraucht werden, denn genau diese Vene kann man für einen Bypass am Herzen verwenden. Dadurch, dass kaum Venen und Lymphgewebe zerstört werden, treten auch seltener Komplikationen wie Schwellungen, Taubheitsgefühle oder neue Krampfadern auf. 

Wie sollte man also vorgehen, wenn ein Eingriff im Raum steht?

Es ist auf jeden Fall sinnvoll, sich sehr genau zu informieren: Ist er überhaupt notwendig und warum? Sehr zu empfehlen ist dazu die Webseite phlebology.de der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie. Womöglich haben die Schmerzen in den Beinen ja auch gar nichts mit den Venen zu tun, sondern gehen vielleicht von der Wirbelsäule oder von geschädigten Nerven aus, beispielsweise als Folge eines Diabetes.

Außerdem sollte man sich immer fragen: Warum empfiehlt mir die Ärztin oder der Arzt ausgerechnet diese eine Methode? Und das ist die zweite Faustregel, die man beherzigen sollte: Im Zweifel lieber noch eine zweite Meinung einholen.

ZUM WEITERLESEN

Erika Mendoza: "Ratgeber Krampfadern, Beinschwellung und Thrombose", 250 S., 19,99 Euro, Springer

Florian J. Netzer: "Das Venenbuch: Wirksame Hilfe bei Besenreisern, Krampfadern, Thrombose und offenem Bein. Alle wichtigen Fragen vom Experten beantwortet", 152 S., 16,99 Euro, humboldt

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BRIGITTE WOMAN 08/2019

Wer hier schreibt:

Sabine Thor-Wiedemann
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