Eisenmangel: Diese Anzeichen sollten euch aufhorchen lassen

Blass, müde, unkonzentriert: Viele Frauen leiden unter typischen Anzeichen für Eisenmangel. Doch nur wenige Ärzte stellen auf Anhieb die richtige Diagnose.

Was ist das eigentlich?

Eine Eisenmangelanämie bewirkt durch den Mangel des Eisens Blutarmut. Etwa drei bis vier Gramm sind im menschlichen Körper enthalten und fördern den Eisenstoffwechsel. Zum einem ist das Spurenelement im Transporteiweiß Transferrin, zum anderen als Bestandteil des Blutfarbstoffs Hämoglobins enthalten. Doch ohne Eisen ist die Funktion des Blutfarbstoffes – nämlich Sauerstoff zu binden und an die Körperzellen zu geben – gehemmt. Symptome wie Konzentrationsschwäche sind infolge eines Eisenmangels nicht selten.

Um die Anämie ausgleichen zu können, muss der Betroffene eisenhaltige Lebensmittel oder andere Eisenquellen in Form von Eisenpräparaten oder Eiseninfusionen zu sich nehmen. Frauen brauchen täglich rund 15 Milligramm Eisen, Schwangere etwa doppelt so viel. Wird dieser Wert nicht erreicht, kommt es zu Eisenmangel.

Wer bekommt Eisenmangel?

Weltweit leidet jeder Vierte unter Eisenmangel, vor allem in Entwicklungsländern ist die Mangelerscheinung verbreitet. Risikogruppen sind Frauen im gebärfähigen Alter, in Europa ist jede Zehnte betroffen. Schuld ist vor allem die Menstruation der Frau: Menstruationsblutungen führen zu Eisenmangel. Auch Erkrankungen wie Myome oder Endometriose können Blutungen und damit Eisenmangel auslösen, ebenso wie Magengeschwüre, Hämorrhoiden oder Tumore im Magen-Darm-Trakt. Auch kann Blutspenden für den Eisenmangel verantwortlich sein.

Schwangere und stillende Frauen haben einen besonders hohen Eisenbedarf und leiden daher oft an Eisenmangel. Ebenso Vegetarier und Veganer: Fleisch ist ein wichtiger Eisenlieferant. Gefährdet sind auch alle, deren Körper Eisen aus der Nahrung nicht gut aufnehmen kann - weil sie etwa an Durchfall leiden oder eine Magenoperation hatten.

Welche Symptome sind typisch? Ein Erfahrungsbericht.

Die Müdigkeit kam schleichend, von Tag zu Tag wurde Isabell Arend (Name geändert) schlapper. Mit Mühe erledigte sie ihre Arbeit im Büro, abends zu Hause fühlte sie sich völlig erschöpft. "Alles strengte mich an", sagt die 48-Jährige, die ihre beiden Kinder allein erzieht. Sie vermutete eine Unterfunktion der Schilddrüse und ging zum Hausarzt. Da ihre Werte tatsächlich leicht vom Normbereich abwichen, bekam sie Schilddrüsenhormone verschrieben. Sie war etwas weniger müde, eine deutliche Besserung aber spürte sie nicht.

Als Isabell Arend eine Diät begann, wurde alles noch schlimmer. Ihre Haut war trocken wie lange nicht; wenn sie sich kämmte, war danach der weiße Badezimmerboden übersät von ihrem braunen Haar - und wie zuvor fühlte sie sich ständig überanstrengt. Sie sagte Verabredungen ab, verbrachte das halbe Wochenende im Bett oder auf dem Sofa und merkte: Es machte überhaupt keinen Unterschied. "Ich war so kraftlos, dass ich mein Leben kaum bewältigen konnte." Da sie ein angeborenes Problem mit der Schilddrüse hat, erhöhte ihr Arzt beim zweiten Besuch die Dosis der Hormone, ohne sie noch einmal zu untersuchen. Es half nichts.

Oft betroffen: Heranwachsende, Schwangere und Frauen mit starken Monatsblutungen

Isabell Arend wurde immer deprimierter, sie befürchtete, in einen Burn-out hineinzurutschen. Nach über einem Jahr der Schwäche brachte schließlich ein Zeitungsartikel die Lösung. Isabell Arend las darin über Eisenmangel. "Ich erkannte alle Symptome wieder", sagt sie. Erneut ging sie zu ihrem Arzt. Tatsächlich waren ihre Werte völlig im Keller. Sie bekam Eisentabletten, bereits nach kurzer Zeit begannen sich Haut und Haare zu regenerieren, und Isabell Arend merkte plötzlich, dass Schlaf ihr wieder Erholung brachte.

Eisenmangel ist der weltweit häufigste Nährstoffmangel. Neben Heranwachsenden und Schwangeren betrifft er vor allem Frauen mit ausgeprägten Monatsblutungen. Ein Problem, das häufig zu Beginn der Wechseljahre auftritt, dann ist die Menstruation oft besonders stark - wie es auch bei Isabell Arend der Fall war. "Verantwortlich dafür sind in dieser Zeit meist die hormonellen Veränderungen oder Myome in der Gebärmutter", sagt die Hamburger Gynäkologin Dr. Katrin Schaudig.

In den Industrienationen sollen bis zu 20 Prozent der Frauen im gebärfähigen Alter nicht genug Eisen im Körper haben. Das ist fatal. Denn Eisen ist für uns lebenswichtig, der Körper braucht den Nährstoff, um den roten Blutfarbstoff Hämoglobin zu bilden, Sauerstoff zu transportieren, Energie zu gewinnen und Infektionen abzuwehren. Deswegen verfügt er über ein ausgetüfteltes Versorgungssystem: Ist der Eisenspiegel niedrig, wird mehr Eisen im Darm (Dünndarm) aufgenommen. Außerdem gibt es eine Reserve für Notzeiten; dafür speichert der Organismus Eisen, das sogenannte Ferritin.

Eisenmangel macht sich daher erst verzögert bemerkbar, über die Zeit kann er aber zu einer Anämie, einer Blutarmut, führen. Gerade am Anfang werden die diffusen Beschwerden wie Müdigkeit, spröde Nägel, trockene Haut und die Anfälligkeit für Infekte jedoch leicht übersehen. "Wenn sich der Eisenverlust sehr langsam entwickelt, gewöhnt man sich oft an diesen Zustand", sagt die Professorin Elisabeth Märker-Hermann, stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin. Sie hält es deswegen gerade bei Frauen um die Menopause herum für sinnvoll, einmal im Jahr die Eisenwerte zu kontrollieren.

Mit einer Blutuntersuchung kann leicht bestimmt werden, ob Eisen fehlt. Als Standard wird der Hämoglobin-Wert (Hb) erhoben. Aber auch andere Blutwerte (MCH, MCV und MCHC) weisen auf eine mangelhafte Versorgung mit dem Nährstoff hin. Viele Ärzte halten diese Parameter allerdings für nicht aussagekräftig genug. "Bei Patientinnen mit starken Monatsblutungen und Haarausfall messe ich immer auch das Speichereisen, den Ferritin-Wert", sagt Gynäkologin Schaudig. Er kann einen Mangel signalisieren, selbst wenn der Hb-Wert noch im Normbereich liegt.

Ausgeschlossen werden sollte bei einer Blutuntersuchung auch eine Unterfunktion der Schilddrüse, die ganz ähnliche Symptome wie Eisenmangel verursachen kann. Neben einer starken Menstruation gibt es aber noch andere Gründe, warum der Eisenspiegel zu niedrig ist. "Frauen, die viel Sport treiben, haben ein größeres Risiko für Eisenmangel, da sie generell mehr Nährstoffe brauchen", sagt Anke Richter, Hausärztin und Internistin in Bad Oeynhausen. "Außerdem können bei Läuferinnen durch die mechanische Belastung Mikroblutungen im Darm entstehen, was ebenfalls den Bedarf an Eisen erhöht."

Eine wichtige Rolle spielt die Ernährung, über die der Körper normalerweise mit diesem Nährstoff versorgt wird. Ein bis drei Milligramm Eisen verlieren Frauen am Tag durch Ausscheidungen und die ständige Erneuerung der Darmschleimhaut - diese Menge muss ersetzt werden. Allerdings nimmt der Körper nur zehn bis 15 Prozent des Spurenelements aus der Nahrung auf. Dabei kann es aus tierischen Lebensmitteln besser verwertet werden als aus Obst und Gemüse.

Pflanzliches Eisen muss erst chemisch umgewandelt werden, bevor es über einen anderen Mechanismus als tierisches ins Blut gelangt. Studien zeigen jedoch, dass Vegetarier bei einer ausgewogenen Ernährung nicht häufiger von Eisenmangel betroffen sind als der Durchschnitt der Bevölkerung. Kommen zum Fleischverzicht aber noch andere Risikofaktoren wie einseitige Diäten, viel Sport oder starke Blutungen hinzu, erhöht sich die Gefahr deutlich.

Daneben können niedrige Eisenwerte auch auf Krankheiten hinweisen. Eine Ursache kann zum Beispiel ein langsamer, versteckter Blutverlust über Stuhl oder Urin sein, der von Darm- oder Blasenerkrankungen herrührt. Bei Zöliakie, einer Unverträglichkeit von Gluten, werden Nährstoffe vom Darm nur schlecht aufgenommen. Und Entzündungen im Körper führen zu einem erniedrigten Hb-, aber einem hohen Ferritin-Wert: Die Aufnahme (Resorption) von Eisen im Darm ist dann erschwert, die Eisenspeicher können nicht verwertet werden - eine sinnvolle Schutzreaktion des Körpers, da Eisen Entzündungen fördert und auch Bakterien diesen Nährstoff brauchen.

Vorsorglich sollten Eisenpräparate nicht geschluckt werden

Stellt der Arzt einen Eisenmangel fest, muss er deshalb zuerst die Ursache dafür finden und möglichst beheben. Eisenpräparate sollen den Speicher wieder auffüllen; allerdings verursachen sie häufig Magenschmerzen, Verstopfung und manchmal sogar Durchfall. Es gibt Dragees, die sich im Magen auflösen, aber auch magensaftresistente Kapseln, die erst im Zwölffingerdarm ihre Wirkung entfalten. Andere Produkte enthalten Rizinusöl, das die Verdauung fördern soll.

Sie alle müssen meist über drei bis sechs Monate genommen werden, am besten eine halbe Stunde vor dem Essen und - das ist wichtig - "mit zeitlichem Abstand zu Schilddrüsenhormonen", sagt die Gynäkologin Schaudig, "denn die Präparate behindern sich in ihrer Wirkung gegenseitig". Frauen, die diese Mittel absolut nicht vertragen, erhalten Eiseninfusionen; sie reizen allerdings die Venen.

Vorsorglich, ohne erkennbaren Mangel, sollten Eisenpräparate aber nicht geschluckt werden. Denn abgesehen von Blutungen hat der Körper kaum Möglichkeiten, den Nährstoff wieder abzubauen, und speichert ihn dann unter anderem in der Leber. Ein Zuviel davon kann die Gefäße schädigen und das Risiko für Herz- und Krebserkrankungen, Diabetes und Knochenschwund erhöhen.

Verbraucherschützer warnen aber auch vor Zusätzen von Eisen in Lebensmitteln wie in Frühstückszerealien und Säften, die sich bei Menschen, die gut mit dem Nährstoff versorgt sind, negativ auswirken können. Multivitaminpräparate enthalten oft ebenfalls Eisen. Eine amerikanische Untersuchung unter 1000 älteren Menschen ergab bei nur drei Prozent der Teilnehmer zu wenig Eisen im Blut, bei 13 Prozent hingegen zu viel. Eine Auswertung der "Iowa Women's Health Study" zeigte sogar, dass die häufige vorsorgliche Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln mit Eisen bei Frauen nach der Menopause die Lebenserwartung reduziert. "Frauen sollten nur Eisentabletten einnehmen, wenn tatsächlich ein Mangel nachgewiesen wurde", sagt die Hausärztin Anke Richter. Dann jedoch können sie damit ihr Wohlbefinden deutlich verbessern.

Wie stellt der Arzt fest, ob ich betroffen bin?

Wie bereits gelesen, lässt sich Eisenmangel mit einer Blutuntersuchung leicht feststellen. Schwieriger ist es, die Ursache zu klären. Schuld kann Mangelernährung sein, aber auch Blutverlust und ein damit einhergehender Eisenverlust kommen infrage. Daher untersucht der Arzt den Stuhl und macht eine Magen-Darm-Spiegelung. Manche Menschen können Eisen nicht richtig im Körper aufnehmen. Dies lässt sich mit einem so genannten Eisenresorptionstest feststellen. Dabei misst der Arzt den Eisengehalt im Blut, verabreicht Eisen und wiederholt die Messung dann.

Wie kann man Eisenmangel behandeln?

Eisentabletten und eine eisenreiche Ernährung helfen, die leeren Eisenspeicher wieder zu füllen. Das dauert mehrere Monate, da der Körper Eisen nur in begrenzten Mengen aufnehmen kann. Eisenpräparate sollte man nicht ohne ärztliche Aufsicht nehmen, da sie leicht überdosiert werden können. Wurde der Eisenmangel durch eine Erkrankung wie Endometriose, Magengeschwüre oder Hämorrhoiden ausgelöst, ist es wichtig, bei der Therapie an den Ursachen ansetzen.

Wie kann ich mich schützen?

Bei Eisenmangel hilft: vorbeugen, mit etwa 15 Milligramm Eisen täglich. Auf diese Menge kommt ihr zum Beispiel mit 200 Gramm Rindfleisch, zwei Scheiben Vollkornbrot, 100 Gramm rohen Karotten, 200 Gramm gekochtem Spinat, 50 Gramm getrockneten Aprikosen und 200 Gramm Tomaten. Eisen aus pflanzlichen Lebensmitteln wird vom Körper allerdings schlechter verwertet als aus Fleisch. Kaffee und Tee hemmen die Eisenaufnahme (Eisenresorption) zusätzlich, Obst- oder Gemüsesaft fördern sie. Gut sind auch die eisenhaltigen Säfte (z. B. Floradix Kräuterblut von Duopharm, Multi Sanosvit von Altana). Und was ist mit Eisen-Pillen aus der Apotheke? Völlig okay, wenn ihr sie vertragt! Falls eure Eisenwerte in Ordnung sind: Auch Zink- und Biotin-Kapseln oder Arminosäuren können Haare und Nägel stärken (z. B. Zinkorotat, Pantovigar oder Bio-H-Tin).

Haarausfall: Wann wird’s kritisch?

Aktiv werden sollte man spätestens, wenn der Ferritin-Wert unter 15 Mikrogramm pro Liter Blut liegt. Doch auch Werte zwischen 15 und 40 Mikrogramm pro Liter deuten darauf hin, dass der Körper nicht ausreichend versorgt ist. Besonders oft hatten Frauen vor der Menopause Eisenmangel (25 Prozent). Bei Frauen in der Menopause waren es dagegen nur fünf Prozent, die Eisenmangel hatten. Klar, die Monatsblutung sorgt dafür, dass der Körper reichlich Eisen verliert. Und dieses Minus macht sich bald auch an Haaren und Nägeln bemerkbar. Sie werden dünner, brüchiger und fallen aus beziehungsweise reißen ein. Einen Eisenmangel können nur Ärzte feststellen. Ob es sich tatsächlich um diffusen und nicht um hormonell bedingten Haarausfall handelt (gegen Letzteren wirken allein Medikamente), weiß der Hautarzt.

Lese-Tipp: Für ähnlich unangenehme Beschwerden sorgt ein Zinkmangel.

Text: Natalie RösnerBRIGITTE woman 05/2014
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