Eierstockkrebs: Das sollten Sie wissen

Von allen Frauen, die an Eierstockkrebs erkrankt sind, wird nur jede zweite bis dritte richtig behandelt. Sechs Fragen und Antworten zu Vorsorge und Therapie.

Wie hoch ist mein Risiko, an Eierstockkrebs zu erkranken?

Rund 8.000 Frauen erkranken in Deutschland jedes Jahr an einem so genannten Ovarialkarzinom (zum Vergleich: bei Brustkrebs sind es 72.000). Damit ist Eierstockkrebs die dritthäufigste bösartige Erkrankung der Geschlechtsorgane und die fünfthäufigste Krebserkrankung bei Frauen. Die meisten Krankheiten treten in der zweiten Lebenshälfte, nach den Wechseljahren auf. Kinderlose Frauen haben ein etwas höheres Risiko, Eierstockkrebs zu bekommen.

Einer US-Studie zufolge haben Frauen, die als Jugendliche übergewichtig waren, ein höheres Risiko, an Eierstockkrebs zu erkranken. Mehrere Geburten, aber auch die mehrjährige Einnahme der Anti-Babypille senken das Risiko. Etwa zehn Prozent der Erkrankungen sind genetisch bedingt - oft sind es dieselben Genmutationen, die auch für Brustkrebs verantwortlich sein können.

Sind Untersuchungen zur Früherkennung von Eierstockkrebs sinnvoll?

Eierstockkrebs macht sich oft erst spät bemerkbar. In der Bauchhöhle kann der Krebs eine ganze Weile wachsen, bis er auf andere Organe wie Darm oder Blase drückt. Eine Früherkennung ist per Ultraschall durch die Scheide (vaginale Sonographie) allerdings ziemlich zuverlässig möglich. Diese Untersuchung wird leider von den Krankenkassen nur dann bezahlt, wenn eine Frau bereits über Beschwerden klagt.

Eine britische Studie hat gezeigt: Durch regelmäßige Reihenuntersuchungen mit Ultraschall können 75 Prozent der Fälle frühzeitig erkannt werden; wird dazu noch ein Bluttest auf Tumormarker gemacht, sind es sogar 90 Prozent. Es ist also durchaus eine Überlegung, regelmäßig zumindest einen vaginalen Ultraschall auf eigene Kosten von der Frauenärztin oder dem Frauenarzt machen zu lassen (ab ca. 30 Euro). Die Bestimmung von Tumormarkern gilt zumindest bei jungen Frauen nicht als zuverlässige Diagnosemethode.

Wie groß sind die Chancen auf Heilung?

Das hängt zum einen davon ab, wie weit der Eierstockkrebs vorangeschritten ist, zum anderen - leider - von der Qualität der Behandlung. Im ersten Stadium der Erkrankung liegt die Fünfjahres-Überlebensrate bei 80 bis 90 Prozent; mit zunehmender Ausbreitung der Krebszellen sinkt sie auf 30 bis 40 Prozent.

Eine Studie der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie zeigt aber auch: Wer optimal operiert wird und dann noch die richtige Chemotherapie erhält, hat eine 60-prozentige Chance, nach vier Jahren noch zu leben. Wenn beides schlecht läuft, sinkt die Chance auf 25 Prozent.

Wichtig ist, dass der Tumor vollständig entfernt wird. Das ist, laut Studie, in 75 Prozent der Fälle möglich. Faktisch aber hinterlassen Operateure in Deutschland bei 40 Prozent der OPs größere Tumorreste im Bauch. Und auch die anschließende Chemotherapie entspricht nur in zwei Dritteln der Fälle allen fachlichen Standards.

Wie findet man eine gute Klinik?

Die Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie gibt auf ihrer Website viele gut verständliche Informationen und Adressen von allen Kliniken, die an einem Qualitätssicherungsprogramm und an klinischen Studien teilnehmen. Außerdem listet sie Links zu wichtigen anderen Organisationen wie der Frauenselbsthilfe nach Krebs oder dem KID (Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums).

Wie sieht eine gute Behandlung gegen Eierstockkrebs aus?

Eine leitliniengerechte Behandlung bedeutet: Die OP muss bestimmte Kriterien erfüllen, sodass der Tumor im Eierstock und eventuell befallene Lymphknoten restlos entfernt werden. Sehr wichtig ist es, dass durch Biopsien und Zellproben festgestellt wird, wie bösartig der Tumor ist. Das wird in immerhin 25 Prozent der Fälle versäumt. Doch erst nach diesen Untersuchungsergebnissen können Ärzte entscheiden, wie die Operation ausgeführt wird und welche weitere Behandlung darauf folgen soll. Nach der OP, die bei einem sorgfältigen Operateur oft viele Stunden dauert, erhalten die meisten Frauen eine Chemotherapie.

Gibt es Studien zur Erprobung neuer Therapien?

Zurzeit werden in Studien neue, Erfolg versprechende Substanzen getestet, die ganz anders wirken als die bisher verwendeten Zytostatika. Mittel, die die Blutversorgung des Tumors stören oder die dem körpereigenen Immunsystem helfen sollen, die Tumorzellen besser zu erkennen und zu bekämpfen. Betroffene Frauen, die erwägen, an einer solchen Studie teilzunehmen, sollten dies mit ihrem Arzt oder ihrer Ärztin besprechen. Kontaktadressen der Studiensekretariate gibt es hier.

Text: Dr. Sabine Thor-Wiedemann, Irene Stratenwerth

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