Myome in der Gebärmutter - was tun?

Auch wenn sie harmlos sind: Myome in der Gebärmutter können heftige Beschwerden bereiten. Was dagegen hilft, erfahren Sie hier.

Manche sind klein wie eine Erbse, andere so riesig, dass der Bauch sich vorwölbt wie im sechsten Schwangerschaftsmonat. Einige wachsen in wenigen Monaten auf ihr Doppeltes an und verharren dann plötzlich in ihrer Größe. Viele verhalten sich still und werden nur zufällig entdeckt, andere machen sich schmerzhaft bemerkbar. Sie sitzen in der Höhle der Gebärmutter, in ihrer Wand oder wuchern in den Bauchraum. Selten wächst nur eines allein. Myome sind sehr unterschiedlich. Doch so verschieden sie sind, etwas haben alle gemeinsam: Sie sind gutartig. Und sie sind weit verbreitet.

Etwa 70 Prozent aller Frauen entwickeln diese Auswüchse der Gebärmutter aus Muskelfasern und Bindegewebe, besonders häufig im Alter zwischen 35 und 45. Myome wachsen unter Hormoneinfluss, nach der Menopause bilden sie sich wieder zurück. Warum einige Frauen sie bekommen und andere nicht, ist bisher nicht restlos geklärt. Doch scheinen diejenigen, die früh ihre erste Periode hatten, übergewichtig sind oder einen Vitamin-D-Mangel haben, besonders oft betroffen. Hatte bereits die Mutter Myome, ist das Risiko, selbst welche zu bekommen, dreimal so hoch wie ohne erbliche Vorbelastung.

Myome, die keine Beschwerden bereiten, müssen nicht behandelt werden. Zur Kontrolle genügen Routineuntersuchungen beim Frauenarzt. Das ist bei den meisten dieser gutartigen Wucherungen der Fall. Wenn ein Myom sehr schnell wächst, raten viele Ärzte trotzdem zu einer Behandlung. Dahinter steht die Sorge, dass es sich eventuell um bösartiges Gewebe handeln könnte. Von 1000 diagnostizierten Myomen erweisen sich jedoch nur zwei bis drei als ein Krebsgeschwür, ein Sarkom. Die amerikanische gynäkologische Fachgesellschaft ACOG betrachtet deshalb schnelles Wachstum allein nicht als Grund für eine Behandlung.

Neues Medikament ist besser verträglich

Ärzte und Patientinnen müssen zudem gut abwägen: Manche Therapien können nicht mehr angewandt werden, wenn die Myome zu groß werden. Bei Beschwerden sollten Frauen sich in jedem Fall gründlich beraten lassen. Rund ein Viertel der Betroffenen leidet unter Symptomen wie zum Beispiel unter ständigen Zwischenblutungen, zu langen oder sehr starken Menstruationen. Große Wucherungen, die in den Bauchraum wachsen, können häufiges Wasserlassen, Blähungen oder Druckgefühle verursachen. Lange galt die Entfernung der Gebärmutter, eine Hysterektomie, als Standardmethode zur Behandlung von Myomen, sogar bei solchen, die keinerlei Beschwerden bereiteten. Das ist inzwischen nicht mehr so.

Heute können Frauen diesen radikalen Eingriff oft vermeiden. Angebracht sein kann er bei Verdacht auf Krebs oder wenn sich starke Blutungen nicht durch andere Therapien stoppen lassen. Mittlerweile setzen sich jedoch immer mehr Methoden durch, bei denen die Gebärmutter erhalten wird. Welche davon für eine Frau die beste ist, hängt von der Größe und Lage der Myome ab, der Familienplanung der Patientin, ihrem Alter und ihren persönlichen Wünschen. "Häufig gibt es nicht die eine passende Methode, sondern zwei bis drei Optionen", sagt Dr. Andreas Umlandt, Gynäkologe in Bremen. Manche Kliniken und niedergelassene Frauenärzte bieten deshalb zur Beratung spezielle Myom-Sprechstunden an.

Neue, besser verträgliche Behandlung

Die Geschwulste medikamentös zu behandeln war bislang schwierig. Es gab nur ein einziges Mittel, das dafür zugelassen war. Es beruht auf künstlich hergestellten Hormonen (so genannten GnRH-Analoga) und lässt die Myome schrumpfen, allerdings nur für die Dauer der Behandlung. Die Frauen werden hormonell in die Wechseljahre versetzt, die Blutung bleibt aus, und es kann zu heftigen Nebenwirkungen kommen. Jetzt gibt es ein neues Medikament, das besser verträglich ist. Der Arzt kann es als tägliche Tablette für drei Monate vor einer Myom-Operation verschreiben. Der darin enthaltene Wirkstoff (Ulipristalacetat) beeinflusst die Wucherung, bremst ihr Wachstum und lässt die Zellen absterben.

Die Erfahrungen mit dieser Pille sind bislang vielversprechend, eine Zulassung für eine mehrmalige Behandlung wird erwartet. "Bei 90 Prozent der Patientinnen kommen Blutungen innerhalb von ein paar Tagen zum Stillstand", sagt Professor Christian Thaler, Leiter des Kinderwunschzentrums der Frauenklinik der Universität München, der eine Langzeitbeobachtungsstudie mit diesem Präparat leitet. "Die Myome werden während der Therapie deutlich kleiner und bleiben es auch noch Monate danach." Etwa die Hälfte der Patientinnen fühlt sich durch die Einnahme des Medikaments so gut, dass sie einen geplanten Eingriff absagt oder verschiebt. Vermeiden lässt sich eine Operation durch zwei Methoden aus der Radiologie: den fokussierten Ultraschall und die Embolisation.

Nebenwirkungen lassen sich gezielt lindern

Beim ersten Verfahren (medizinisch: MRgFUS) werden die Geschwulste punktgenau auf 60 bis 80 Grad erhitzt, das Myomgewebe wird "gekocht" und in den nächsten Wochen zum Teil vom Körper abgebaut. "Etwa 20 Prozent aller Patientinnen kommen für diese Behandlung infrage", sagt Professor Gerlinde Debus, Chefärztin am Klinikum Dachau. Die Kosten werden von einer Reihe gesetzlicher Krankenkassen übernommen. Bei der Embolisation spülen die Ärzte unter Röntgenkontrolle durch einen dünnen Schlauch an der Leiste Kunststoffpartikel in die Blutgefäße, die zur Geschwulst führen. Das Myom wird nicht mehr mit Nährstoffen versorgt, es wird weicher und beginnt nach drei bis vier Monaten zu schrumpfen. "Wie stark es schrumpft, hat nicht unbedingt Einfluss auf das Schwinden der Symptome. Manchmal ist ein Myom kaum kleiner geworden, der Patientin geht es aber trotzdem viel besser", sagt Dr. Thomas Kröncke, Radiologe an der Charité in Berlin.

Nach drei bis sechs Monaten fühlen sich 90 Prozent der Patientinnen besser, nach fünf Jahren haben rund 83 Prozent deutlich weniger oder keine Beschwerden mehr. Nebenwirkungen lassen sich gezielt lindern. Frauen mit Kinderwunsch wird die Therapie wegen der Strahlenbelastung nicht empfohlen. Die Alternative für Frauen, die noch schwanger werden wollen, ist die operative Entfernung der Myome. Bei dieser Myomektomie werden die Geschwulste minimalinvasiv über kleine Schnitte in der Bauchdecke und über den Nabel aus der Gebärmutter herausgeschält, zerkleinert und entfernt. Die Patientinnen haben danach weniger Schmerzen und erholen sich schneller als nach einem Bauchschnitt.

"Wir denken ganz neu"

Bei Kinderwunsch, bei vielen und großen Geschwulsten bevorzugen manche Operateure jedoch eine offene Operation. Myome, die in die Gebärmutter hineinwachsen und starke Blutungen verursachen, lassen sich durch die Scheide mit einer elektrischen Schlinge abtragen, ohne dass eine äußerliche Narbe entsteht. Leider sind viele Frauen ihre Geschwulste nach einer OP nicht für immer los: Fünf Jahre nach der Myomektomie hatte einer Studie zufolge knapp über die Hälfte der Betroffenen wieder Myome. Allerdings war in weniger als sieben Prozent der Fälle ein weiterer Eingriff nötig. In großen Zentren kombinieren die Ärzte auch verschiedene Methoden: Ein Myom wird zum Beispiel mit fokussiertem Ultraschall verkleinert, ein anderes herausoperiert. "Wir denken ganz neu", sagt Gerlinde Debus. "Wir können und wollen den Wünschen der Patientinnen, ihre Gebärmutter zu erhalten, entsprechen." Manchmal heißt das, mehrere Myome einzeln zu entfernen.

Allerdings steigt mit der Menge der entfernten Geschwulste das Risiko für Nachblutungen. Einige Ärzte gehen inzwischen ganz neue Wege in der Therapie. Ein Beispiel ist die Behandlung mit Ayurveda. "Myome sind dafür sehr gut geeignet", sagt Ludwig Kronpaß, Chefarzt der Ayur-San-Klinik in Rotthalmünster. "Die Erkrankung erfordert kein schnelles Eingreifen. Da passt eine langsam wirkende Medizin, die kaum Nebenwirkungen hat." Nach der Lehre des Ayurveda entstehen Myome durch einen Stau im Körper. Sie können zum Beispiel ein Reservoir toxischer Substanzen sein oder ein Ausdruck von unerfüllten Wünschen oder Stress.

Eine Ausleitungstherapie kann helfen, behandelt werden die Ursachen, nicht nur die Symptome. So werden Frauen während ambulanter Kuren dabei begleitet, Konflikte aufzudecken und Lösungen zu suchen, ein gutes Verhältnis zwischen Anstrengung und Entspannung zu finden. Empfohlen wird eine vorwiegend vegetarische Ernährung und Verzicht auf Zucker, Weißmehl und Milchprodukte. Auch Kräuterpräparate, Yoga, Meditation und Reinigungsverfahren wie zum Beispiel Ölpackungen auf dem Unterbauch oder Einläufe gehören zur Therapie. Bei zwei Drittel der Patientinnen, die meist mit mittelstarken Beschwerden kommen, bessern sich nach Erfahrung von Ludwig Kronpaß die Symptome. Sie nutzen die Therapie begleitend zur Schulmedizin oder um eine Operation zu vermeiden. Manchmal wollen sie ihre Beschwerden auch nur so lange lindern, bis die Wechseljahre die Myome von allein schrumpfen lassen.

Text: Natalie Rösner BRIGITTE WOMAN 08/2013
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