Niedriger Blutdruck

Er gilt oft nicht als Krankheit. Doch auch er kann das Leben der Betroffenen erheblich beeinträchtigen. Ein Interview mit dem Hypertonie-Experten Professor Martin Middeke.

BRIGITTE-woman.de: Mit niedrigem Blutdruck kann man 100 Jahre alt werden, sagt mein Arzt. Doch warum sollte ich das wollen, wenn ich immer müde bin. . .

Martin Middeke: Grundsätzlich kann ein niedriger Blutdruck (Hypotonie) unter 100 zu 80 mm Hg (Millimeter Quecksilbersäule) vor Erkrankungen schützen, die durch zu hohen Blutdruck gefördert werden. Doch für den einzelnen sind solche Werte nicht immer angenehm. Viele brauchen morgens eine Anlaufzeit, bis sie richtig wach sind. Sie werden tagsüber leicht müde, ihnen wird oft schwindelig, gelegentlich treten sogar Ohnmachten auf, und sie haben ein Gefühl, als wäre ihr Kopf voll Watte. Menschen mit niedrigem Blutdruck können sich auch – wie Untersuchungen gezeigt haben – schlechter konzentrieren und reagieren langsamer.

BRIGITTE-woman.de: Wodurch kommt das?

Prof. Martin Midekke

Martin Middeke: Die optimale Hirndurchblutung spielt sich in bestimmten Grenzen ab. Bei sehr niedrigem Blutdruck ist die Hirnleistung beeinträchtigt. Bei welchem Blutdruck es zu Beschwerden kommt und wie stark sie sind, ist aber individuell sehr verschieden.

BRIGITTE-woman.de: Wann sollte man zum Arzt gehen?

Martin Middeke: Wenn ständig Beschwerden wie Müdigkeit, Konzentrationsschwäche, Schwindel und Neigung zu Ohnmacht auftreten. Dann könnten andere gesundheitliche Probleme dahinterstecken.

BRIGITTE-woman.de: Welche?

Martin Middeke: Niedriger Blutdruck kann zum Beispiel Folge einer Unterfunktion der Schilddrüse, der Nebenniere oder einer anderen hormonellen Störung sein. Auch Herzerkrankungen, ausgeprägte Krampfadern und Medikamente wie Psychopharmaka oder Wassertabletten (Diuretika) können zu Hypotonie führen. Selten ist Flüssigkeits- oder Salzmangel schuld

BRIGITTE-woman.de: Wie lässt sich der Blutdruck heben?

Martin Middeke: Zu Medikamenten sollte man nur bei ausgeprägten Beschwerden und organischen Erkrankungen greifen. Oft genügt schon mehr Bewegung. Ideal sind auch hier Ausdauersportarten. Ebenso wichtig: reichlich Salz im Essen und viel trinken, zwei bis drei Liter am Tag. Am besten schon morgens vor dem Aufstehen ein großes Glas Wasser, das man abends bereitgestellt hat. Danach langsam aufstehen, sonst sackt das Blut zu stark in die Beine.

BRIGITTE-woman.de: Was ist mit dem berühmten Gläschen Sekt?

Martin Middeke: Sekt hebt zwar die Stimmung, ist aber sicher nicht zur Behandlung von niedrigem Blutdruck geeignet. Alkoholgenuss am Morgen ist abzulehnen.

Interview: Christine Böhringer Foto: privat
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