Brustkrebs-Tagebuch: Nichts bleibt, wie es war

Vor zwei Jahren bekam BRIGITTE WOMAN-Autorin Vera Sandberg die Diagnose Brustkrebs - und erlebte, wie sich die Krankheit vor ihr gewohntes Leben schob. Lesen Sie ihr Brustkrebs-Tagebuch.

10. Juli: "Das müssen wir abklären"

Beim Duschen habe ich eine Verhärtung in der rechten Brust entdeckt. Ich habe abgewartet. Ich weiß, Frauen in meiner Familie neigen zu Zysten. Dann bin ich zu meiner Frauenärztin gegangen. "Sie haben Zysten, das wissen wir ja", sagt sie beim Ultraschall, schickt mich zur Mammografie.

Die Radiologin will nach der Mammografie noch mal Ultraschall machen. Ich sage: "Das hat meine Ärztin schon gemacht." - "Ich gucke lieber selbst noch mal", sagt sie. Ist die pingelig, denke ich und lege mich unwillig auf die Liege. "Sehen Sie", sagt sie, "das da, das gefällt mir gar nicht. Das müssen wir abklären."

12. Juli: Bei der "Stanze"

Ich muss in ein nagelneues Klinikum zur "Stanze", so der brachiale Begriff dafür, dass kleine Fetzen aus der Brust gerissen werden. Chaos in der Anmeldung. Die Computer laufen nicht. Telefone bimmeln, ohne dass jemand abnimmt. Zwei Stunden, die ich mir mit einem Buch vertreibe. Angst habe ich nicht, bin eher unmutig über die Warterei.

Die bildhübsche Ärztin will wieder Ultraschall machen. In 60 Prozent der Fälle, sagt sie, sieht sie schon, dass Stanzen überflüssig ist. Bei mir aber nicht. Peng, viermal knallt die Kanüle ins Fleisch, es tut nicht weh. Das Ergebnis soll ich Montag bekommen. Aber da bin ich auf einer Dienstreise. "Gut", sagt die schöne Ärztin, "dann rufe ich Sie morgen an."

13. Juli: Krebs! Krebs? Ich???

Achtzehn Minuten nach elf, das Handy summt, die Stimme sagt: "Frau Sandberg?" Da weiß ich es schon. Ich höre: "Es ist Krebs." Ich halte die Luft an, sitze auf meinem Arbeitsstuhl, das Handy am Ohr. Krebs! Krebs? Ich??? Aus dem Handy ruft es: "Hallo? Soll ich Ihnen ein Bett reservieren? In unserem Brustzentrum sind Sie in guten Händen." Ich muss nachdenken.

Meine Frauenärztin meldet sich auf dem Festnetz: "Wollen Sie herkommen, damit wir alles besprechen können?" Ich will hier sitzen. Sie sagt: "Wenn Sie nicht gleich ins Krankenhaus wollen, leiten wir von hier aus die Diagnostik ein." Was für eine Diagnostik? "Wir müssen Leber und Knochen untersuchen, sehen, ob es schon gestreut hat."

Meine Freundin Ilka ruft an, ob ich Entwarnung bekommen habe. Ich schreie, schreie das erste Mal: "Ich habe Krebs!" Sie schreit zurück: "Nein! Nein! Nein!" Dann: "Okay, ich hole jetzt deine Befunde ab und faxe sie Bodo." Ach ja, der kleine Bruder, der uns früher beim Spielen gestört hat, ist jetzt Chefarzt einer gynäkologischen Klinik. Ilka sagt: "Keine Angst, daran stirbst du nicht." Seltsam, ans Sterben denke ich nicht. Ich denke an Schmerzen, an Verfall, an Verlust. Ich denke, dass meine neue Liebe zu Ende ist.

Ich schreibe eine E-Mail an meinen Freund: "Hab Krebs." Wir kennen uns vier Monate. Er ruft sofort an: "Willst du mich sehen?" Zwei Stunden später ist er da. Ich zittere, jammere, wüte. Er flüstert: "Ich lieb dich auch mit einer Titte." Wir lachen wie die Irren. Beim Zähneputzen sehe ich mir meinen Oberkörper an: Die Brüste sind eigentlich ganz hübsch.

14. Juli: "Es ist noch klein"

Bodo empfängt uns. Er ist ein echter Chefarzt: stattlich, grau meliert, beruhigend. Erklärt, dass Tumor nicht gleich Tumor ist. Manchmal ist es sinnvoll, vor der OP eine Chemotherapie zu machen, dann schrumpft der Knoten, und die Brust kann besser erhalten werden. Meine genauen Daten sind noch nicht da.

Für den Fall, dass es ziemlich schlimm kommt, zeigt Bodo Bilder von reparierten Brüsten. Keine Beauty-Teile wie nach Schönheitsoperationen, normale Frauenkörper. Bodo sagt aber auch: "Es ist noch klein. Und es ist früh erkannt."

Zum ersten Mal höre ich etwas Erfreuliches über meinen Krebs. Ich sage: "Wir haben gestern fast die ganzen Wein-Vorräte ausgetrunken, ist das schlimm?" Bodo grinst: "Nö, aber denk auch an nachher. Da brauchst du auch noch eine gute Flasche Wein." Wir lachen zu dritt.

15. Juli: Mein schönes Leben ist vorbei

Wenn ich allein bin, nehmen mich unbekannte Gedanken in die Zange. Plötzlich ist mir der Zusammenhang von Körper und Psyche unheimlich. Wofür bekomme ich die Quittung mit meinem Krebs? Als Erstes verwerfe ich die Frage: Warum ICH? Sinnlos. Ich wünsche den Krebs keiner anderen. Ich habe ihn. Es ist meiner. Mein Körper hat ihn hervorgebracht. Geheimnisvoll, unerklärlich.

Du musst es annehmen, sagt Bodo. Ach, diese wohlgefälligen Worte. Ich brauche Demut und spüre, wie meine stolze Seele sich aufbäumt. Unglück schiebt sich vor mein bisheriges Leben, wie der Mond bei einer Sonnenfinsternis die Sonne verdeckt. Die Selbstverständlichkeit meines Daseins ist tödlich getroffen. Krankheit und Alter glotzen mich an, ganz nahe herangezoomt. Mein schönes Leben ist vorbei. Brustkrebs gilt als chronische Krankheit, sie gilt nie als geheilt, das steht in der Broschüre, die Bodo mir gegeben hat.

16. Juli: Große Dankbarkeit

Die Leber untersuchen sie in dem Ärztehaus, wo ich zur Mammografie gewesen bin. Ich sehe die Ärztin, die den Knoten identifiziert hat, begrüße sie: "Vielleicht haben Sie mich gerettet." Sie guckt irritiert. So oft wird sich wohl keine bedanken, dass sie Krebs entdeckt hat. Dankbarkeit fühlt sich gut an. Ich bin dankbar für das, was ich hatte, was ich bin.

Die Radiologin, die meine Leber untersucht, sieht auf den Bildschirm, während sie mit mir spricht: "Haben Sie sich vor eineinhalb Jahren mal sehr geärgert?" - "Ich war ziemlich traurig damals", sage ich. - "Sehen Sie", sagt sie, "und das darf Ihnen nie wieder passieren." Wie soll ich das denn machen, will ich fragen, da sagt sie schon: "Die Leber ist völlig in Ordnung. "Ich wische meinen Bauch mit Küchenpapier trocken. Große Dankbarkeit.

17. Juli: "Sehr hübsche Knochen"

Man hat mir radioaktives Zeug gespritzt, um die Knochen sichtbar zu machen. Nach zwei Stunden soll ich wiederkommen zum Durchleuchten. So lange sitze ich mit Tanja vor einem Café in der fast kühlen Sonne. Wir trinken Latte macchiato. Tanja meint: "Du weißt schon, was der Krebs dir sagen will." Ach ja?

"Sehr hübsche Knochen", sagt der junge Arzt am Bildschirm. Ich liege unter einem weißen Apparat, der ganz langsam über mich hinwegwandert, darf mich nicht bewegen. "Meinen Sie mich?" - "Ja, alles in Ordnung, nichts Auffälliges." Stiller Jubel.

18. Juli: Erst mal keine Glatze

Bodo ruft an: Die Biopsie hat ergeben, dass eine Chemotherapie vor der OP überflüssig ist. Also erst mal keine Glatze. Ich fahre zu Bodos Klinik am südöstlichen Ende der Stadt. Herrlicher Sommertag. Ich habe mich extra gut angezogen.

Termin mit der Chirurgin, die mich operieren wird in einem zertifizierten Brustzentrum, wo Bodo Brustfälle hinschickt. Eine junge Frau aus einem südlichen Land, ernst, fast abweisend. Sie tastet, fragt, was alle fragen: "Haben Sie es selbst entdeckt?" Sie sagt: "Wir werden brusterhaltend operieren." Sie macht eine Zeichnung, wie sie schneiden wird. Ein Vier- Zentimeter-Schnitt. Sie betrachtet meinen neuen BH.

19. Juli: Tief gekränkt, weil mein Körper versagt hat

Jetzt weiß ich, wie das heißt, was seit Tagen so weh tut: Kränkung. Ich bin tief gekränkt, weil mein Körper versagt hat. Weil ich nicht funktioniere, weil ich die gleiche Scheiße erlebe wie Hunderttausende andere.

Es ist völlig unlogisch, aber später sagt mir eine professionelle Trösterin der Gesellschaft für biologische Krebsabwehr am Telefon: "Das erleben alle, wenn sie die Diagnose bekommen. Von einem Moment zum anderen wechseln sie das Lager. Von den Gesunden zu den Kranken. Wir vergessen aber, dass Gesundheit relativ ist."

20. Juli: Ich will weg. Aber wohin?

Die Voruntersuchungen gehen weiter. Ich trete ein in die Medizin-Industrie. Ein 70er-Jahre- Hochhaus, mit Brustzentrum im neunten Stock. Die Zentralstelle im Parterre erfasst meine Daten, der Drucker spuckt dutzende Klebezettel aus: Name, Geburtsdatum, Krankenkasse. Ich hasse es. Antreten, einordnen, unterordnen - meine Albträume. "Gehen Sie in Zimmer 110... warten Sie... machen Sie den Oberkörper frei... "

Grundtiefe Einsamkeit. Stumme, ohnmächtige Wut. Ich will weg. Aber wohin? Das Übel nehme ich ja mit. Also fahre ich in den neunten Stock, im dritten kommt ein Mann im Rollstuhl dazu. Er schimpft über irgendetwas: "Seien Sie froh, dass Sie hier nicht Patientin sind." - "Bin ich aber", sage ich. Geschmeichelt. Dumme Eitelkeit.

Oben setze ich mich in einen apricotfarbenen Ledersessel. Fühle mich wie verreist. Die Zeit steht still. Niemand zu sehen. Nach einer Stunde kommt eine Schwester. Sie zeigt mir und einer Mitpatientin die Station. Zimmer wie im Mittelklassehotel. Da sind die Kaffeekannen und dort der Kühlschrank. Ich zische: "Was soll ich hier denn kühlen?" Schwester Karin: "Na, wenn Sie Lust auf Schluck Prosecco haben."

Wir prusten los. Alles klar, Sekt schlürfen auf der Krebsstation! Die Untersuchungen dauern den ganzen Tag. Zwischendurch stehe ich im Wind auf dem Dachgarten. Unten die glitzernde Spree. Wie ich Berlin liebe!

22. Juli: Wir lieben uns. Ein letztes Mal unzerschnippelt

Mein Freund bringt mich in die Klinik. Sonntagabend. Vorher haben wir den Tag zusammen. Wir lieben uns. Ein letztes Mal unzerschnippelt. Dann fahren wir. Er sagt: "Wie oft möchtest du Besuch?" Ich sage: "Nie. Komm bloß nicht." Er verkörpert die Welt, die ich gerade verlasse. Mich hat es soeben rausgeschleudert.

Ich habe zwei neue weiße Nachthemden in der Tasche. "Fürs Krankenhaus", hatte ich der Verkäuferin überflüssigerweise gesagt. -"Hoffentlich nichts Schlimmes", hatte sie höflich gesagt und meine EC-Karte durchgezogen. -"Krebs", habe ich gesagt. Und dem Unwort nachgelauscht.

Sonntagabend im Krankenhausbett. Draußen die glutrote Sonne, drinnen schneeweiße Bettwäsche. Die Frau im Nachbarbett wird morgen entlassen. Sie erzählt, dass man mit Brustkrebs schwerbeschädigt ist und einen Ausweis kriegt. Sie ist Krankenschwester. Hat einen pflegebedürftigen Mann, Eltern, die Hilfe brauchen, einen harten Job nach langer Arbeitslosigkeit. Sie hat es nicht leicht. Da kann man krank werden. Und was ist mit mir? Was hat mich krank gemacht? Ich nehme eine Schlaftablette. Nur weg.

23. Juli:"Patientin hat viele Fragen, ist sehr aufgeregt"

Aufwachen. Will nicht. Das letzte Mal war ich zum Kinderkriegen im Krankenhaus, vor 27 Jahren! Ich fahre mit dem Fahrstuhl zusammen mit einer Mitpatientin in den Keller. Da kriegen wir radioaktive Spritzen, die machen die Lymphknoten sichtbar, die dem Tumor am nächsten liegen. Während der OP werden sie untersucht. Sind sie krebsfrei, brauchen keine weiteren raus. Weniger Narben, weniger Schmerzen, weniger Gefahr. Wenn ich nur beten könnte.

Ich sitze auf dem Bettrand. Beruhigungstablette intus. Thrombose-Strümpfe an, geblümtes Engelshemd, Einmalslip. In meiner Akte, die am Fußende hängt, lese ich: "Patientin hat viele Fragen, ist sehr aufgeregt." So, es gibt also welche, die nicht aufgeregt sind. SMS von Tanja: "Ich denk an dich. Viel Glück."

Es geht los. Mein Bett rollt durch Flure, genau wie in jedem Arztfilm. Ich nutze meine Fähigkeit zu verschwinden. Keine Gedanken, keine Angst. Schwingtüren auf, zu. Viele Leute. Der ganze Apparat klappert und brabbelt. Sie hieven mich mit "Eins-zwei-drei" auf den OP-Tisch. Dann guckt die Ärztin durch den Nebelkranz: "Hallo? Können Sie mich verstehen? Die OP ist gut verlaufen, es sind keine Lymphknoten befallen. Die Brust ist erhalten."

Zu müde zum Heulen oder Lachen. Übelkeit, Durst. Ich muss anrufen, muss mein Glück teilen. Kann nicht. Muss kotzen. Die Schwester ist da, hält die Schale. Glückstrunkene Dankbarkeit. Schlaf. Ilka am Bett, bildschön in Rot, mit Sonnenblumen. Schlaf. Schmerzen. Die Nachtschwester will die OP-Wunde sehen, ich stöhne, will sie abwehren. "Was, so schlimm?" Sie rennt, sie telefoniert. Ein Gerinnsel vermutlich, die Schwester hängt mich an einen Schmerztropf, der hilft aber kein bisschen.

24. Juli: Es muss noch mal operiert werden

Ganz früh ins Behandlungszimmer. Die Ärztin trägt den weißen Kittel offen über Pulli und Hose, ich liege im knitterigen OP-Hemd vor ihr, sie lobt meine Tapferkeit. Ich fühle mich klein, degradiert. Es muss noch mal operiert werden, das Gerinnsel wird entfernt. Die Nähte schmerzen, mir dröhnt der Kopf. Die Hand mit der Dauerkanüle drückt, der Rücken tut weh vom Geradeliegen. Aber sonst ist alles bestens, endlich geht es bergauf.

25. Juli: ANGST!

Ich warte, dass jemand die Braunüle aus meiner Hand zieht, damit ich mich waschen kann. Dann will ich mich anziehen und frühstücken gehen. Das geht nur, wenn mir jemand hilft, die Flaschen mit der Wundflüssigkeit an meiner Kleidung zu befestigen. Wie uncool, wie unerotisch Kranksein ist.

Die Achselhöhle schmerzt, Schreiben strengt an, Kopfschmerzen, Verstopfung. Und ANGST! Rund um den Knoten wurde wie ein Sicherheitsstreifen gesundes Gewebe entnommen, das wird jetzt in der Pathologie untersucht. Finden sie auch nur eine einzige kranke Zelle: Nach-OP. Und dann vielleicht: Brust ab. Das Ergebnis soll in einer Woche da sein.

26. Juli: Ein sehr schönes, merkwürdiges Gefühl

Katrin und Helga waren da. Sonja ist gekommen. Und Ilka. Und Tanja. Viele Blumen auf dem Tisch. Eine Kollegin aus Hamburg rief an, fand genau die richtigen Worte, die Liebe. Mein Freund am Telefon: "Hast du alles? Soll ich doch mal kommen?"

Abends allein im Zimmer, ein sehr schönes, merkwürdiges Gefühl: Geborgenheit? Aufgefangen sein? Geschätzt, geliebt sein? Ich klicke den iPod an mein neues Batist-Nachthemd, höre Stones, R.E.M., Annett Louisan. Lese meinen dicken Schmöker, Liebeskitsch, ferne Welten. Auf Prosecco habe ich keine Lust, werde ihn den Schwestern schenken. Die wirklich klasse sind.

27. Juli: Ist das wirklich mein Leben?

Das erste Mal geduscht. Richtige Sachen angezogen. Meine Kinder kommen. Wir fahren runter, sitzen am Spree-Ufer. Ich fotografiere sie mit dem Handy. Sie fotografieren mich. Ein paar Akrobaten turnen und jonglieren auf der Wiese. Ein Mann schiebt ein Fahrrad mit drei Papageien auf dem Lenker vorbei. Wo bin ich? Ist das wirklich mein Leben? Es fühlt sich so gut an!

28. Juli: Den Augenblick festhalten

Entlassung! Mein Freund steigt aus dem Fahrstuhl. Ich bin geföhnt, geschminkt. Er strahlt: "Ey, warst du auf einer Wellness- Farm?" Wir fahren nach Hause. Er kocht mein Wunschessen, Kartoffelsuppe. Dann Mittagsschlaf, wir lieben uns. Ganz vorsichtig. Eine Rückrufaktion ins Leben. Ich trage einen Sport-BH, den soll ich die nächsten Tage nicht ablegen, will ich auch gar nicht, bloß nicht dran rühren.

Abends sitzen wir am Feuer auf der Terrasse. Eine Flasche Wein auf dem Tisch. "Auf Bodo!", sage ich. Muss kichern. "Auf dich!", sagt er. Den Augenblick festhalten. Mein angefressenes, mein einzigartiges Leben.

29. Juli: Jetzt weiß ich, was ich ändern muss

Ich bekomme Blumen und Päckchen mit Büchern, Filmen, Kosmetik. "Wir denken ganz doll an dich", steht auf einer Karte. Und: "Verwöhn dich." Natürlich denke ich über meine Selbstheilungskräfte nach. Ich werde mich weiter gesund ernähren. Werde weiter Sport machen.

Ich habe schon immer auf mich geachtet. Aber ich habe Angst. Immer wieder bin ich wütend und traurig. Füttert das vielleicht die Krankheit? Ich rufe Eva an, eine besonders kluge und liebe Hamburger Psychologin. Sie sagt: "Dann sei wütend. Dann ist das deine Art, damit umzugehen. Dein Leben ist zusammengebrochen. Jetzt musst du sehen, was noch taugt."

Danke, Eva! Jetzt weiß ich, was ich ändern muss: NICHTS. Ich stehe zu mir. Und das ist ziemlich radikal.

30. Juli: Bestrahlung muss sein

Wir ruhen uns aus, mein Freund hat die Grippe bekommen, es war wohl doch alles zu viel für ihn. Das Telefon klingelt. Bodos Frau, Antje, ist dran, sie ist Brustkrebsspezialistin. Mein Herz macht einen Hüpfer. Das Urteil aus der Pathologie: "Es ist die beste Nachricht, die ich dir bringen kann. Der Knoten ist komplett raus, er war kleiner als angenommen, er war wenig aggressiv, es ist keine Chemo nötig. Aber Bestrahlung muss sein, die erhöht die Sicherheit, dass es zu keinem Rückfall kommt."

Ich müsste tanzen, hopsen, jubeln, aber ich bin still. Was war das? Einmal Hölle und zurück? Nein, zurück nicht wirklich.

Diagnose Krebs: Infos und Adressen

Krebsinformationsdienst www.krebsinformation.de, Infotelefon 0800/420 30 40, täglich 8 bis 20 Uhr, Anrufe aus dem deutschen Festnetz kostenlos; Anfragen per E-Mail an krebsinformationsdienst@dkfz.de oder über das Kontaktformular auf der Website. Informationen über alle Krebsarten, medizinische Beratung, Kontakt zu Selbsthilfegruppen.

Deutsche Krebsgesellschaft www.krebsgesellschaft.de, Tel. 036 43/86 42 15, Mo.-Fr. 8-18 Uhr; Informationen vor allem über Brust- und Darmkrebs, aber auch über alle anderen Krebsarten, Adressen von Beratungsstellen in Wohnortnähe und von zertifizierten Zentren.

Gesellschaft für Biologische Krebsabwehr www.biokrebs-heidelberg.de, Infotelefon 062 21/13 80 20, Mo., Di., Do. 9-16 Uhr, Mi. 9-19 Uhr, Fr. 9-15 Uhr; Informationen über begleitende naturheilkundliche Therapien bei Krebs, medizinische Beratung.

Text: Vera Sandberg Foto: Ute Mahler
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