Pflegefall: Wer zahlt die Pflegekosten?

Die Angst davor, zum Pflegefall zu werden, ist bei vielen Deutschen groß. Dabei spielen auch finanzielle Sorgen eine Rolle, schließlich sind Pflegekosten eine schwer kalkulierbare und oft erhebliche finanzielle Belastung. Auch wenn Angehörige plötzlich zum Pflegefall werden, stellt sich die Frage: Wer zahlt? Hier erfährst du alles über die Kostenträger im Pflegefall.

Pflegefall – wer zahlt?

Die Angst davor, zum Pflegefall zu werden, ist bei vielen Deutschen groß. Dabei spielen auch finanzielle Sorgen eine Rolle, schließlich sind Pflegekosten eine schwer kalkulierbare und oft erhebliche finanzielle Belastung. Auch wenn Angehörige plötzlich zum Pflegefall werden, stellt sich die Frage: Wer zahlt? Hier erfährst du alles über die Kostenträger im Pflegefall.

Von aktuell etwa 3,4 Millionen auf deutlich über 5 Millionen – so stark könnte die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland bis 2030 ansteigen (Statistisches Bundesamt). Das stellt nicht nur das Gesundheitssystem vor große Herausforderungen, sondern auch jeden einzelnen Betroffenen und seine Angehörigen. Denn die Frage, die sich viele erstmals stellen, wenn ein Elternteil plötzlich zum Pflegefall wird, lautet: Wer zahlt eigentlich die Pflegekosten? Müssen Kinder in so einem Fall für ihre Eltern aufkommen? Und wie sichert man sich selbst gegen das Risiko ab, pflegebedürftig zu werden?

Die möglichen Kostenträger sind die Sozialversicherung, private Pflegezusatzversicherungen, unterhaltspflichtige Kinder und das Sozialamt. Wer im Pflegefall zahlt, hängt von den Bedingungen im Einzelfall ab.

Kranken- oder Pflegeversicherung – wer zahlt im Pflegefall?

Gegen einige Risiken ist man in Deutschland über die Sozialversicherung (zumindest teilweise) abgesichert. Dazu gehört auch das Risiko, zum Pflegefall zu werden: Seit 1995 gibt es die soziale Pflegeversicherung. Es besteht Versicherungspflicht, das heißt: Wer gesetzlich krankenversichert ist, ist automatisch auch in der gesetzlichen Pflegeversicherung versichert, wer eine private Krankenversicherung hat, benötigt eine private Pflegeversicherung.

Bei der Frage, wer im Pflegefall zahlt, ist also grundsätzlich die Pflegekasse zu nennen. Im Normalfall gehört die Pflegeversicherung zum selben Träger wie die Krankenversicherung – auch deshalb ist vielen Menschen der Unterschied zwischen beiden Einrichtungen nicht geläufig.

Wichtig: Die soziale Pflegeversicherung ist nur eine Art „Teilkasko“ – das heißt, mit den gesetzlich festgelegten Leistungen lassen sich die Pflegekosten nicht vollständig decken. Pflegebedürftige bzw. ihre Angehörigen haben also einen Eigenanteil zu tragen.

Pflegefall: Was zahlt die Pflegeversicherung?

Die Voraussetzung für Leistungen der Pflegekasse ist ein anerkannter Pflegegrad (1 bis 5). Ob ein Pflegegrad vorliegt, prüft der medizinische Dienst. Auf viele Pflegeleistungen besteht allerdings erst ab Pflegegrad 2 Anspruch. Grundsätzlich gilt: Je höher der Pflegegrad, desto mehr zahlt die Kasse im Pflegefall. Auch ist die Versorgungsform entscheidend: So gibt es bestimmte Leistungen und Zuschläge nur für die häusliche Pflege.

Das sind die wichtigsten Pflegeleistungen im Überblick:

Häusliche Pflege

  • Pflegegeld: für die Pflege durch Angehörige oder andere Ehrenamtliche
  • Pflegesachleistungen: für die Pflege durch einen ambulanten Pflegedienst
  • Kombinationsleistungen: für die kombinierte Pflege durch Pflegedienst und Ehrenamtliche
  • Leistungen für die überbrückende Pflege in stationären Einrichtungen (auch: teilstationäre Pflege): Tages- und Nachtpflege, Verhinderungspflege und Kurzzeitpflege
  • Betreuungs- und Entlastungsleistungen: Pauschale zur Entlastung ehrenamtlicher Pflegepersonen
  • Zuschüsse, z. B zu:
    • Pflegehilfsmitteln, die für den Verbrauch bestimmt sind, z. B. Handschuhe oder Desinfektionsmittel
    • Hausnotruf-Systemen
    • Wohnraumanpassungen, z. B. barrierefreies Bad
    • Pflege in ambulant betreuten Wohngruppen
  • Kostenlose Pflegekurse für Angehörige

Vollstationäre Pflege

  • Zuschuss zu den Pflegekosten, Höhe abhängig vom Pflegegrad

Achtung: Die Pflegekasse zahlt grundsätzlich keine sogenannten Hotelkosten (Kosten für Unterkunft und Verpflegung). Auch sogenannte Investitionskosten – beispielsweise für die Renovierung der Gemeinschaftsräume des Pflegeheims – sind, umgerechnet in monatliche Beträge, von den Bewohnern zu tragen.

Pflegefall: Was zahlt die Krankenversicherung?

Auch wenn grundsätzlich die Pflegekasse zuständig ist, sind bestimmte Leistungen der Krankenkasse bei Pflegebedürftigkeit ebenfalls von Bedeutung, z. B.:

  • Erstattung von Hilfsmitteln: z. B. Rollstuhl oder Gehhilfe
  • Kosten für medizinisch notwendige Behandlungen, die im Zusammenhang mit Pflegebedürftigkeit entstehen können
  • Häusliche Krankenpflege

Pflegezusatzversicherung

Weil vielen bewusst ist, dass ihre Altersvorsorge eine „Pflegelücke“ aufweist, entscheiden sich immer mehr Menschen für den Abschluss einer privaten Pflegezusatzversicherung. Üblich sind diese drei Formen:

  1. Pflegetagegeldversicherung: Bei nachgewiesener Pflegebedürftigkeit wird ein fester Betrag pro Tag ausgezahlt. Pflegetagegeldversicherungen können seit 2013 staatlich bezuschusst werden („Pflege-Bahr“). Da das Modell der Riester-Rente ähnelt, wird es mitunter auch als Pflege-Riester bezeichnet.
  2. Pflegerentenversicherung: Bei Pflegebedürftigkeit wird eine lebenslange Pflegerente ausgezahlt.
  3. Pflegekostenversicherung: Nachgewiesene Pflegekosten werden bis zu einer Höchstsumme pro Jahr übernommen oder die Leistungen der GKV werden um einen bestimmten Prozentsatz aufgestockt.

Ob eine private Pflegezusatzversicherung im Ernstfall ausreicht, um die Pflegelücke zu schließen, hängt von der Höhe der eigenen Beiträge, den Konditionen des Versicherers, vor allem aber von den entstehenden Pflegekosten ab – und diese lassen sich nie genau vorhersagen. Grundsätzlich kann diese zusätzliche Absicherung jedoch sinnvoll sein. Es gilt: Gründlich vergleichen und beraten lassen. Eine Bedarfsanalyse gibt einen ersten Überblick, ob eine Pflegezusatzversicherung die private Vorsorge ergänzen sollte und welche weiteren Maßnahmen sinnvoll sind.

Eltern werden zum Pflegefall: Wer zahlt?

Viele fragen sich erstmals, wenn Mutter oder Vater zum Pflegefall werden: Wer zahlt die Pflegekosten? Zunächst sind es die bereits erwähnten Kostenträger: die soziale Pflegeversicherung und – so vorhanden – die private Pflegezusatzversicherung. Die verbleibenden Kosten müssen Pflegebedürftige selbst zahlen.

Wenn die Rente oder sonstiges Einkommen sowie das Vermögen dafür aber nicht ausreichen, müssen Kinder für ihre pflegebedürftigen Eltern einspringen – allerdings erst ab einem Jahreseinkommen von mindestens 100.000 Euro brutto (Einnahmen z. B. aus der Vermietung zählen mit, vorhandenes Vermögen hingegen nicht).

Diese am 1. Januar 2020 in Kraft getretene Einkommensgrenze beim Elternunterhalt entlastet diejenigen, die bisher viel in die Pflege ihrer Eltern investieren mussten und nimmt Kindern, denen die Pflegebedürftigkeit der Eltern noch bevorsteht, die Angst vor unkalkulierbaren Kosten und finanzieller Not.

Geld reicht nicht im Pflegefall: Wann zahlt das Sozialamt?

Die Leistungen der Pflegeversicherung, das Einkommen, das Vermögen: Wer zahlt im Pflegefall, wenn all das nicht ausreicht?

In so einem Fall können Pflegebedürftige Leistungen beim Sozialamt beantragen – die sogenannte Hilfe zur Pflege.

Diese Punkte müssen für den Anspruch auf Hilfe zur Pflege erfüllt sein:

  • Die Pflege ist so kostenintensiv, dass die Leistungen der sozialen Pflegeversicherung (sowie ggf. einer privaten Pflegezusatzversicherung), das eigene Einkommen und Vermögen sowie ggf. der von Kindern zu zahlende Elternunterhalt die Pflegekosten nicht decken können.
  • Die Kosten für Unterkunft und Verpflegung im Pflegeheim können nicht selbst getragen werden.
  • Der Pflegebedarf besteht für weniger als sechs Monate.
  • Der Pflegebedürftige ist nicht pflegeversichert. In diesen Fällen prüft das Gesundheitsamt anstelle des medizinischen Dienstes den Bedarf.

Der medizinische Dienst der Krankenkasse begutachtet den individuellen Bedarf des Antragstellers, denn im Unterschied zu den Leistungen der Pflegekasse wird Hilfe zur Pflege nicht pauschal gewährt.

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