Wohnformen im Alter: Welche gibt es?

Umfragen zeigen immer wieder: Die meisten Deutschen möchten im Alter in ihrer Wohnung oder ihrem Haus bleiben – wenn es sein muss, mit Unterstützung durch Angehörige oder ambulante Pflegedienste. In einem Pflegeheim oder einer Seniorenresidenz zu leben, ist für viele Menschen hingegen keine schöne Vorstellung. Doch es gibt auch andere, weniger bekannte Wohnformen im Alter, die sowohl ein hohes Maß an Eigenständigkeit als auch die notwendige Betreuung bieten. Mehr zu möglichen Wohnformen im Alter.

Im Alter zuhause wohnen bleiben – das möchten die meisten Menschen. Dahinter steckt einerseits der Wunsch, gesund zu bleiben und sich bis zuletzt weitestgehend selbst versorgen zu können. Andererseits spielt das Bedürfnis nach Autonomie und Privatsphäre eine Rolle: Wer möchte sich schon plötzlich von Verwandten oder Pflegekräften sagen lassen, wie er seinen Tag zu strukturieren hat, und nicht mehr selbst darüber entscheiden können, wer wann hereinkommen darf? Nicht zuletzt spendet die gewohnte Umgebung, selbst wenn Altersbeschwerden oder Krankheiten das Leben mühseliger machen, einen gewissen Trost.

Für manche Senioren geht dieser Traum in Erfüllung: Sie bleiben fit, erledigen auch im Alter den Haushalt, die Körperpflege und alles Weitere selbstständig. Weitaus häufiger kommt es jedoch vor, dass körperliche oder psychische Einschränkungen irgendwann zur Pflegebedürftigkeit führen. Sich dies einzugestehen, ist für die meisten Menschen schwer. Das kann fatale Folgen haben: Es kann zu lebensgefährlichen Stürzen, medizinischen Notfällen oder schleichender Verwahrlosung kommen, wenn Senioren beharrlich Hilfe ablehnen. Dabei ist der Umzug in ein Pflegeheim gar nicht immer notwendig: Es gibt altersgerechte Alternativen.

Wohnform 1: Pflege zuhause

Ende 2017 betrug die Gesamtzahl der Pflegebedürftigen in Deutschland rund 3,41 Millionen. Über die Hälfte (rund 51,7 Prozent) wurde zuhause durch Angehörige gepflegt, knapp ein Viertel (rund 24,3 Prozent) mit Unterstützung eines Pflegedienstes. Bei einer Umfrage von TNS Emnid (heute Kantar Emnid) im Jahr 2011 wurde das Leben zuhause mit Unterstützung am zweithäufigsten als angestrebte Wohnform im Alter von 70 Jahren angegeben nach der komplett eigenständigen Versorgung.

Der Vorteil dieser Wohnform: Bei Pflegebedürftigkeit bleibt die Autonomie so weit wie möglich erhalten (je nach Pflegegrad sind die Ausmaße unterschiedlich); gleichzeitig mangelt es nicht an medizinischer und pflegerischer Versorgung. Auch sind die Pflegenden wichtige Bezugspersonen: Gerade, wer von Angehörigen betreut wird, profitiert von dem sozialen Kontakt. Zu bedenken ist, dass ggf. Umbauten der Wohnung notwendig sind, um Barrierefreiheit zu gewährleisten.

Wohnform 2: Tagespflege

Eine Alternative zur Pflege zuhause kann eine Tagespflege sein. Häufig bieten entsprechende Einrichtungen einen Fahrdienst an, der die temporären Bewohner morgens abholt und abends wieder nach Hause bringt. Diese Lösung erhält zumindest teilweise das Leben in der vertrauten Umgebung.

Wohnform 3: (Senioren-)WG

Eine vergleichsweise selten gewählte Wohnform im Alter ist die Wohngemeinschaft. Immerhin 3,2 Prozent der 70- bis 74-Jährigen lebten 2019 laut IfD Allensbach in einer WG, etwas weniger als 2 Prozent sind es bei den ab 75-Jährigen. Die Vorteile liegen auf der Hand: Die Miete und viele weitere Kosten teilt man sich, ebenso wie die Haushaltsführung. Noch dazu hat man Menschen um sich, und dementsprechend bei Bedarf auch Unterstützung. 

Das Zusammenleben in einer WG bringt häufig aber auch Meinungsverschiedenheiten und Konflikte mit sich. Dazu kommen altersbedingte Herausforderungen: So ist zum Beispiel nicht jede Wohnung für Senioren geeignet, auf Barrierefreiheit sollte unbedingt geachtet werden. Und sollte ein Mitbewohner irgendwann stärker pflegebedürftig werden oder versterben, wirkt sich dies auf den Rest der Gemeinschaft aus. Mit wem man unter welchen Bedingungen im Alter zusammenzieht, sollte man deshalb sorgfältig abwägen.

Wohnform 4: Mehrgenerationenwohnen

Eine Sonderform der Wohngemeinschaft ist das Mehrgenerationenwohnen. Das Konzept, dass Menschen von jung bis alt unter einem Dach leben, ist nicht neu: Früher war es der Normalfall, dass Großeltern, Eltern und Kinder zusammen wohnten, die Eltern die Großeltern pflegten und diese dafür bei der Kinderbetreuung halfen. Heute ist das allerdings selten geworden: Manche haben Verwandtschaft, die weit weg lebt, andere haben gar keine, und wieder andere können sich aufgrund des Konfliktpotenzials nicht vorstellen, mit ihren Angehörigen zusammenzuleben.

Das Althergebrachte wurde mit dem Mehrgenerationenhaus neu erfunden: In ihm leben einzelne Parteien üblicherweise in voneinander getrennten Wohnungen, teilen sich aber Gemeinschafts- und Haushaltsräume sowie ggf. einen Garten. Dabei ist wichtig, dass die Einrichtungen altersgerecht sind und keinen Bewohner von der Nutzung ausschließen. Singles und Paare jeden Alters sowie auch ganze Familien unterstützen sich im Mehrgenerationenhaus entsprechend ihrer Möglichkeiten gegenseitig. Diese Wohnform im Alter ist noch nicht so weit verbreitet, wird aber zusehends beliebter.

Betreutes Wohnen

Eine beliebte Wohnform im Alter ist das betreute Wohnen in speziell dafür konzipierten Anlagen. Sie sind auf Pflegebedürftigkeit eingestellt, verfügen also über altersgerechte, barrierefreie Wohnungen und Angebote zur Unterstützung von Senioren. Je nach Ausstattung der Wohnanlage ist eine gewisse Selbstständigkeit Voraussetzung für den Einzug, es gibt aber auch Einrichtungen, die auch für Menschen mit höheren Pflegegraden infrage kommen. Mitunter ist der Wohnanlage sogar ein Pflegeheim angegliedert.

Dass Pflegepersonal und Hilfsangebote in unmittelbarer Nähe und meist rund um die Uhr verfügbar sind, ist ein großer Vorteil des betreuten Wohnens. Darüber hinaus sind die Anlagen meist recht ansprechend gestaltet und die Wohnungen können dem eigenen Geschmack entsprechend eingerichtet werden.

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