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Grundpflege – Grundversorgung für Pflegebedürftige

Grundpflege: Seniorin mit Pflegerin
© Halfpoint / Shutterstock
Mehr als 3,4 Millionen Menschen in Deutschland sind pflegebedürftig. Sie werden zuhause, in Einrichtungen für betreutes Wohnen oder in Pflegeheimen versorgt. Dabei richten sich die Pflegemaßnahmen im Einzelfall nach der körperlichen, psychischen und geistigen Verfassung des Betroffenen. Die Basis der Pflege ist die sogenannte Grundpflege. Hier erfährst du, was genau hinter dem Begriff steckt.

Was ist die Grundpflege?

Unter dem Begriff "Grundpflege" versteht man grundlegende Maßnahmen der Pflege, die von Angehörigen, ehrenamtlichen Pflegepersonen oder professionellem Pflegepersonal regelmäßig durchgeführt werden – ob vorübergehend oder dauerhaft.

Die Grundpflege dient als Hilfestellung bei alltäglichen Verrichtungen in den Bereichen Körperpflege, Ernährung und Mobilität. Kann der Pflegebedürftige eine bestimmte Aufgabe noch relativ selbstständig erledigen, genügt es in der Regel, ihn dabei zu beaufsichtigen, zu unterstützen oder anzuleiten. Ist er stärker pflegebedürftig, müssen die Pflegenden bestimmte Aufgaben teilweise oder ganz übernehmen, ihn also beispielsweise waschen und füttern. Grundsätzlich sollte der Pflegebedürftige entsprechend seiner Fähigkeiten eingebunden werden, damit er so eigenständig wie möglich bleibt.

Grundpflege – ein veralteter Begriff?

Für gewöhnlich spricht man von Grundpflege in Abgrenzung zur sogenannten Behandlungspflege. Dabei handelt es sich um medizinische Pflegemaßnahmen, die auf ärztliche Anordnung durchgeführt werden (z. B. Blutdruckmessen, Medikamentengabe, Wundversorgung). Dieses zweigeteilte Konzept der Pflege gilt jedoch mittlerweile als veraltet: Neuere Ansätze streben an, die Pflege möglichst ganzheitlich zu gestalten, sodass sich Maßnahmen der Behandlungs- und der Grundpflege in der Praxis überschneiden.

Nach Inkrafttreten der drei Pflegestärkungsgesetze in den Jahren 2015, 2016 und 2017 werden anstelle des Begriffs "Grundpflege" nun häufig die Bezeichnungen "körperbezogene Pflegemaßnahmen" und "pflegerische Betreuungsmaßnahmen" verwendet. Der Begriff "Grundpflege" ist jedoch immer noch gebräuchlich.

Pflegerische Maßnahmen der Grundpflege

  1. Körperpflege
    • Waschen (Ganzkörperwäsche oder Waschen von Teilbereichen an einer Waschschüssel, am Waschbecken, in der Badewanne oder in der Dusche, bei Bedarf auf einem Stuhl/Hocker sitzend oder im Bett liegend)
    • Haarpflege
    • Rasur
    • Pflege von Zähnen und/oder Zahnersatz
    • Hilfe beim Wasserlassen und Stuhlgang (z. B. Intimhygiene, Reinigung und Versorgung von Katheter bzw. künstlichem Blasen- oder Darmausgang, Wechseln von Inkontinenzeinlagen, Windeln etc., Trainieren der Kontinenz, Säubern des Toilettenstuhls) 
  2. Ernährung
    • Achtung: Lebensmitteleinkäufe sowie die Planung und Zubereitung von Mahlzeiten gehören nicht zur Grundpflege!
    • Mundgerechtes Zerkleinern von Speisen
    • Getränke einfüllen
    • Speisen und Getränke anreichen
    • Spezielle Nahrung zubereiten
    • Nahrung per Ernährungssonde verabreichen
  3. Mobilität
    • Hilfestellung beim Aufstehen und Zubettgehen, beim Gehen, Stehen und Treppensteigen, beim Verlassen des Hauses usw.
  4. Prophylaxe
    • z. B. Vorbeugung von Wundliegen, Muskelverkürzung, Thrombose, Lungenentzündung, Hautdefekten, Entzündungen, Dehydrierung und Verdauungsproblemen
  5. Förderung der Eigenständigkeit des Pflegebedürftigen
    • In allen genannten Bereichen sowie in Bezug auf seine Kommunikationsfähigkeit

Große und kleine Grundpflege

Je mehr Hilfe der Pflegebedürftige benötigt, desto umfangreicher sind die Maßnahmen der Grundpflege. Eine umfassende Grundpflege wird mitunter als "große Grundpflege" bezeichnet; weniger aufwendige Maßnahmen entsprechend als "kleine Grundpflege". Doch was genau verbirgt sich hinter diesen Begriffen?

Tatsächlich gibt es keine allgemeingültige Definition. Die Bezeichnungen "große Grundpflege" und "kleine Grundpflege" nutzen einige ambulante Pflegedienste in ihren Leistungskatalogen für bestimmte Leistungspakete aus dem Bereich der Grundpflege. Wesentlich für die Unterscheidung ist z. B., wie viel Unterstützung der Pflegebedürftige bei der Körperpflege benötigt: So gehört das Waschen von Teilbereichen des Körpers in der Regel zur kleinen, die Ganzkörperwäsche zur großen Grundpflege.

Gut zu wissen: Ambulante Pflegedienste fassen zusammengehörige Pflegemaßnahmen zu sogenannten Leistungskomplexen zusammen. Die Einzelleistungen zu Paketen zu schnüren, vereinfacht die Abrechnung mit der Pflegekasse.

Je nach Bundesland gelten für ambulante Pflegedienste unterschiedliche Rahmenverträge und Vergütungsvereinbarungen, sodass die Bezeichnungen für die Leistungskomplexe variieren.

Wer trägt die Kosten der Grundpflege?

Hat der Pflegebedürftige einen anerkannten Pflegegrad, so können die Kosten für die Grundpflege über die Pflegeversicherung abgerechnet werden. Je höher der Pflegegrad, desto umfangreicher sind die Leistungen der Pflegekasse. Abgerechnet wird die Grundpflege z. B. über folgende Pflegeleistungen:

  • Pflegegeld: bei der häuslichen Pflege durch Angehörige oder andere Ehrenamtliche
  • Pflegesachleistungen: bei Versorgung durch einen ambulanten Pflegedienst
  • Vollstationäre Pflege: bei Betreuung im Pflegeheim

Wer nur Pflegegrad 1 hat, hat zwar keinen Anspruch auf Pflegegeld bzw. Pflegesachleistungen, kann die Grundpflege aber über die sogenannten Entlastungsleistungen abrechnen: Jeder anerkannt Pflegebedürftige hat Anspruch auf 125 Euro pro Monat für Betreuungsangebote, Pflegeleistungen und Haushaltshilfen, die ihn und seine Angehörigen entlasten.

Gut zu wissen: Wird die Grundpflege im Rahmen der häuslichen Krankenpflege oder bei einer stationären Krankenhausbehandlung durchgeführt, werden die Leistungen über die Krankenversicherung abgerechnet.

Grundsätzlich ist zu beachten, dass sich Pflegekosten nur selten allein mit den Leistungen der Pflegeversicherung decken lassen: Pflegebedürftige müssen daher im Normalfall einen Eigenanteil zahlen. Dieser lässt sich mithilfe einer privaten Pflegezusatzversicherung verringern oder decken. Vor dem Abschluss einer solchen Versicherung empfiehlt es sich jedoch, mit einer Bedarfsanalyse festzustellen, ob die Absicherung für den Pflegefall die private Vorsorge sinnvoll ergänzen kann.

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