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Krankenkasse wechseln: Was müssen gesetzlich Versicherte beachten?

Krankenkassenwechsel: Laptopbildschirm Health Insurance
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Bessere Leistungen, günstigere Preise: Es kann sich lohnen, die Krankenkasse zu wechseln. Das ist auch nicht weiter kompliziert. Allerdings solltest du vorab das Preis-Leistungs-Verhältnis verschiedener Anbieter vergleichen und die Fristen kennen, die du beachten musst, wenn du die Krankenkasse wechseln möchtest.

Rund 73 Millionen Menschen in Deutschland waren 2019 in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) versichert. Viele von ihnen sind pflichtversichert, nämlich alle Arbeitnehmer, deren regelmäßiges beitragspflichtiges Einkommen mehr als 450 Euro und höchstens 5.062,49 Euro pro Monat beträgt (Stand 2020). Andere Gruppen haben in der Regel die Wahl, ob sie sich freiwillig gesetzlich versichern möchten – wenn nicht, benötigen sie eine private Krankenversicherung.

Doch kann man einfach die Krankenkasse wechseln, wenn man in der GKV pflichtversichert ist? Ja, das ist möglich: Seit 1996 gilt in Deutschland das Krankenkassenwahlrecht. Du darfst dir den Anbieter also selbst aussuchen und dementsprechend auch die Krankenkasse wechseln. Die Kündigung selbst ist unkompliziert.

Die Entscheidung für einen neuen Anbieter fällt den meisten allerdings gar nicht so leicht, denn es gibt über 100 gesetzliche Krankenkassen. Fast alle Leistungen, die sie anbieten, sind gesetzlich vorgeschrieben, da sie die gesundheitliche Grundversorgung der Bürger sicherstellen. Auch hinsichtlich des allgemeinen Beitragssatzes unterscheiden sie sich nicht: Du zahlst für die GKV 14,6 Prozent deiner beitragspflichtigen Einnahmen – also etwa deines Arbeitsentgeltes oder deiner Rente. Doch warum dann überhaupt die Krankenkasse wechseln?

Warum es sich lohnen kann, die Krankenkasse zu wechseln

Auch wenn die Regelversorgung vorgeschrieben ist und ein allgemeiner Beitragssatz gilt: Es gibt durchaus Unterschiede zwischen den einzelnen Anbietern. Folgende Faktoren solltest du dir genauer anschauen, wenn du einen Krankenkassenwechsel in Erwägung ziehst:

Zusatzbeitrag

Seit 2015 verlangen die meisten gesetzlichen Krankenversicherungen einen Zusatzbeitrag, da die Beiträge der Versicherten und die Zuschüsse aus dem Bundeshaushalt in der Regel nicht ihre Kosten decken. Jeder Anbieter legt den Zusatzbeitragssatz selbst fest – liegt er beispielsweise bei genau 1 Prozent, steigt der Beitragssatz auf insgesamt 15,6 Prozent.

Ist der Zusatzbeitrag bei einem anderen Anbieter niedriger, kann es sich lohnen, die Krankenkasse zu wechseln: So kann der Unterschied zwischen der teuersten und der günstigsten Krankenversicherung mehrere hundert Euro ausmachen. Allerdings sollte dies nicht allein ausschlaggebend für einen Wechsel sein. Wichtig ist vor allem, dass deine Krankenkasse die für dich wichtigen Leistungen möglichst umfangreich deckt bzw. bezuschusst.

Zusatzleistungen

In der Regel bieten die Krankenkassen freiwillige Leistungen an, die über den gesetzlichen Rahmen hinausgehen. Die Zusatzleistungen machen dabei etwa 5 Prozent des gesamten Leistungsumfangs aus. Für viele Versicherte sind vor allem folgende Bereiche interessant:

  • Gesundheitskurse: z. B. Bewegung, Ernährung, Stressbewältigung, Suchtbekämpfung
  • Alternative Heilmethoden: z. B. Osteopathie, Homöopathie
  • Zahnzusatzleistungen: z. B. professionelle Zahnreinigung, Zahnsteinentfernung
  • Zusätzliche Vorsorgeuntersuchungen: z. B. jährliches Hautkrebs-Screening
  • Spezielle Angebote für Familien: z. B. Haushaltshilfe im Krankheitsfall
  • Reiseimpfungen

Ob und zu welcher Krankenversicherung du wechseln solltest, hängt also vor allem davon ab, welcher Anbieter die Leistungen im Programm hat, die für dich am wichtigsten sind. Überprüfe beim Vergleich auch, in welchem Umfang die Kosten übernommen werden – häufig gibt es nur einen Zuschuss und/oder eine begrenzte Anzahl an Behandlungen.

Service

Testergebnisse zeigen, dass sich die Krankenkassen in diesem Bereich recht deutlich unterscheiden. Ziehe vor allem folgende Fragen in Betracht:

  • Hat die Krankenkassen Geschäftsstellen in deiner Nähe?
  • Ist der Kundenservice rund um die Uhr erreichbar?
  • Bietet die Krankenkasse ein Onlineportal und/oder eine App an?
  • Kannst du an einem Bonusprogramm teilnehmen?

Gut zu wissen: Da an die Krankenkasse in der Regel eine Pflegekasse angeschlossen ist, wechselst du beide Versicherungen gleichzeitig. Die Pflegeleistungen sind allerdings bei allen gesetzlichen Pflegekassen gleich.

Wann und wie kann man die Krankenkasse wechseln?

Die Voraussetzung für den Wechsel ist, dass die sogenannte Bindungsfrist erfüllt ist, das heißt, dass du mindestens 18 Monate bei der aktuellen Krankenkasse versichert gewesen sein musst (es sei denn, es liegt ein Sonderkündigungsrecht vor). Im Normalfall gehst du also einfach wie folgt vor:

  1. Kündige deine alte Krankenversicherung. Die Kündigungsfrist beträgt 2 Monate zum Monatsende. Du musst dir keine Sorgen machen, dass durch den Krankenkassenwechsel eine Lücke in deinem Versicherungsschutz entsteht: Sollte der Vertrag mit dem neuen Anbieter nicht zustande kommen, so bist du einfach weiterhin über deine vorherige Krankenkasse versichert. Auch eine Doppelversicherung ist ausgeschlossen.
  2. Stelle einen Beitrittsantrag beim neuen Anbieter. Das geht bei den meisten Krankenkassen unkompliziert mit einem Onlineformular, auf dem du das gewünschte Startdatum angeben kannst. Da gesetzlich Versicherte einen Anspruch auf den Wechsel der Krankenkasse haben, ist der neue Anbieter unabhängig von deinem Alter und Gesundheitszustand verpflichtet, dich zu versichern.

Ein Sonderkündigungsrecht hast du, wenn deine Krankenkasse erstmalig einen Zusatzbeitrag einführt oder diesen erhöht. An der Kündigungsfrist von 2 Monaten ändert sich dadurch nichts, aber du musst nicht bereits 18 Monate bei dieser Krankenkasse versichert gewesen sein. Willst du dein Sonderkündigungsrecht in Anspruch nehmen, musst du spätestens bis zum Ende des Monats kündigen, in dem erstmals der neue bzw. höhere Zusatzbeitrag anfällt.

Bei einem nahtlosen Arbeitgeberwechsel kannst du, sofern die 18-monatige Bindungsfrist erfüllt ist, sogar ohne Kündigung die Krankenkasse wechseln: Das hat das Bundessozialgericht 2018 entschieden. Stelle einfach einen Beitrittsantrag bei der neuen Krankenkasse und lege deinem neuen Arbeitgeber innerhalb der ersten zwei Wochen die Mitgliedsbescheinigung vor.

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