Die schönsten Familien- und Liebesromane

Manchmal braucht das Glück einen Befreiungsschlag: Im zweiten Teil unserer Buch-Charts stellen wir die 20 besten Familien- und Liebesromane vor.

1. Jonathan Franzen: Freiheit

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Neun Jahre arbeitete Jonathan Franzen an diesem Roman, der nun weltweit für Furore sorgt (das "Time"-Magazin nahm den Mann auf den Titel) und uns so begeistert hat, dass wir ihn auf Platz 1 unserer Charts gesetzt haben. Franzen erzählt von den Berglunds, einer Familie, aus der alle raus wollen. Vor allem Patty, eine Mittelschichts-Mom mit unerfüllten Sehnsüchten, die sich dem Selbstmitleid, dem Alkohol und schließlich dem besten Freund ihres Mannes hingibt. Glänzende Unterhaltung, nobelpreiswürdige Literatur.

(Ü: Bettina Abarbanell/Eike Schönfeld, 736 S., 24,95 Euro, Rowohlt)

2. Morgan Callan Rogers: Rubinrotes Herz, eisblaue See

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Mit Mom schwimmen, mit Daddy Hummer fangen, mit der Clique Quatsch machen und sich von Grand, der liebevollen Großmutter, verwöhnen lassen - für Florine Gilhalm könnte das Leben immer so weiter gehen. Doch die heile Welt des elfjährigen Mädchens aus einem Fischerdorf in Maine zerbricht, als ihre lebenshungrige Mutter Carlie von einer Reise nicht zurückkehrt. Kein Anruf. Kein Brief. Kein Lebenszeichen. Nur qualvolle Fragen. Was ist geschehen? Lebt Carlie noch? Niemand kann Florines Verzweiflung mildern, die über die Jahre in Zorn und Hass - auf alle und auf alles - umschlägt. Und wenn Florine den Duft der Kleider ihrer Mom einsaugt, dann verschwimmen die Worte beim Lesen, so erschreckend wirklich wird die Verzweiflung des Mädchens. Der Titel des Debüts der Amerikanerin Morgan Callan Rogers ist etwas kitschig, aber lassen Sie sich nicht täuschen: "Rubinrotes Herz, eisblaue See" hat selbst die gestandenen Viel-Leserinnen in unserer Redaktion einfach umgehauen.

(Ü: Claudia Feldmann, 432 S., 19,90 Euro, mare)

Das Hörbuch "Rubinrotes Herz, eisblaue See" gibt es auch auf unserer Download-Plattform.

3. Sofi Oksanen: Fegefeuer

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Zara, eine junge Estin, ist auf der Flucht vor ihren brutalen russischen Zuhältern. Sie findet Zuflucht bei Aliide, der Schwester ihrer Großmutter. Doch die alte Frau vertraut der jungen nicht. In Rückblenden wird erzählt, wie Aliide 50 Jahre zuvor von russischen Besatzern gedemütigt und missbraucht wurde - und selbst schwere Schuld auf sich geladen hat. Diese sprachgewaltig erzählte Familientragödie mit politischen Hintergrund entwickelt einen unwiderstehlichen Sog - spannend wie ein Krimi, geschrieben von Sofie Oxanen, der Lisbeth Salander der skandinavischen Literatur.

(Ü: Angela Plšger, 400 S., 19,95 Euro, Kiepenheuer & Witsch)

BRIGITTE: Ihre Mutter ist Estin, Ihr Vater Finne. Wie viel eigene Familie steckt in "Fegefeuer"?

Sofi Oksanen: Als Kind war ich oft bei meinen Großeltern in West-Estland, die lebten in einer Militärzone. Dort habe ich gelernt, dass wichtige Dinge im Garten besprochen werden - damit niemand mithören kann. Diese ständige Angst macht Menschen paranoid. So wie die beiden Hauptfiguren Aliide und Zara, die sich misstrauisch belauern.

BRIGITTE: Ein Land wird besetzt, die Frauen werden vergewaltigt. Warum sind bei Ihnen immer Frauen die Opfer?

Sofi Oksanen: Natürlich können auch Männer Opfer werden, aber ich wollte über Frauen schreiben. Ich wollte wissen, was passiert in den Köpfen. Es gibt, völlig unabhängig vom kulturellen Hintergrund, ähnliche Verhaltensmuster von Opfern sexueller Gewalt. Sie haben den Drang, sich ständig zu reinigen, und sie meiden meist jeden Blickkontakt. Daran erkennt Aliide Leidensgenossinnen auf der Straße - und weicht ihnen aus.

BRIGITTE: Die einzige wirkliche Liebe in Ihrem Buch endet mit einem Verrat. Glauben Sie gar nicht an die Liebe?

Sofi Oksanen: Diktaturen und Zeiten von Umstürzen verändern die Beziehungen in Familien und zwischen Liebenden. Das ist schlimm, aber schreckliche Liebesgeschichten sind immer interessanter als die glücklichen.

4. Joshua Ferris: Ins Freie

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Joshua Ferris ist 36 und einer der originellsten jüngeren US-Autoren. Sein Debüt, die Büro-Satire "Wir waren unsterblich", kreist seit Monaten als "must read" in der BRIGITTE-Redaktion. "Ins Freie", sein zweiter Roman, packt uns aus ganz anderen Gründen, er ist zugleich kühn und bedrückend und auf ernsthafte Weise skurril: Ferris erzählt die Geschichte eines Mannes, der einfach losmarschiert, einem rätselhaften Zwang folgend. Tim Farnsworth ist Anwalt, hat einen guten Job, eine tolle Frau, ein tadelloses New Yorker Mittelklasse-Leben. Kein Grund also um abzuhauen, aber Tim hat keine Wahl: Er muss. Es treibt ihn fort. Seine Krankheit hat keinen Namen, und es gibt keine Heilung, auch Anketten hilft nicht auf Dauer, Jane, seine Frau, hat es versucht. Tim geht immer wieder los, manchmal findet Jane ihn halb erfroren, irgendwann sucht sie ihn nicht mehr. Sie glaubt, auch die Liebe hört auf, wenn einer seinen Weg allein geht, aber das stimmt nicht. Das ist das eigentliche Drama dieser Geschichte: nicht mehr zueinanderzufinden; einander zu lieben - jeder für sich.

(Ü: Marcus Ingendaay, 340 S., 19,95 Euro, Luchterhand)

Das Hörbuch "Ins Freie" gibt es auch auf unserer Download-Plattform.

5. Jodi Picoult: Zerbrechlich

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BESTSELLER-CHECK

Die Story: Willow ist sechs, ein kluges, witziges Kind. Aber schon eine Berührung kann genügen, um ihr die Knochen zu brechen: Willow hat die Glasknochenkrankheit. Ihre Mutter Charlotte tut alles für sie, aber da ist immer die Sorge, ihre teuren Behandlungen nicht auf Dauer bezahlen zu können. Deshalb entscheidet sie sich zur Klage: Gegen die Frauenärztin, die Willows Krankheit auf den Ultraschallbildern erst spät erkannt hat, zu spät für eine Abtreibung. Charlotte klagt auf ungewollte Geburt - eines Kindes, das sie eigentlich über alles liebt.

Die Autorin: Jodi Picoult, 43, Amerikanerin, liebt kontroverse Stoffe. Die Frau macht aus komplexen aktuellen Fragen (Amoklauf in "19 Minute", Knochenmarkspende in "Beim Leben meiner Schwester") spannende Familienromane ohne allzu viel Sentimentalität - das muss man erstmal hinkriegen.

Da muss man durch: Fünf Erzähl-Perspektiven, wo - mal ehrlich - eine genügt hätte. Dann hätte man auch die eine oder andere Erzählschleife gespart.

Das hat man davon: Eine Meinung zu einem ethischen Dilemma. Denn man findet unweigerlich heraus: Wie stehe ich dazu?

Preis-Leistungs-Verhältnis: 19,99 Euro für über 620 Seiten sind völlig in Ordnung - und es gibt ein Stück Kuchen dazu, denn Charlotte, gelernte Konditorin, backt sich den Frust mit Zimtstreuseln von der Seele und liefert die ausführliche Anleitung gleich mit.

Perfekt für: alle, die's gern einen Gang schonungsloser mögen im oft betulichen Genre Familienroman.

Das Hörbuch "Ins Freie" gibt es auch auf unserer Download-Plattform.

(Ü: Rainer Schumacher, 622 S., 19,99 Euro, Lübbe)

6. Jean-Philippe Toussaint: Die Wahrheit über Marie

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Er müsse sofort kommen, hat Marie gefleht, und obwohl sie kein Paar mehr sind, seit sie ihn verlassen hat, stürzt der Erzähler hinaus in die gewittrige Pariser Sommernacht. Er sieht gerade noch, wie ein Mann im Blaulichtflackern des Rettungswagens aus Maries Wohnung getragen wird, und steht dann wieder vor ihr. Vor seiner Marie, mit der ihn eine Liebe verbindet, so überwältigend, so groß und unbedingt, das Jean-Philippe Toussaint nun schon seinen dritten Roman über das Paar geschrieben hat. Dabei setzt er seine Geschichte allerdings nicht einfach fort, sondern erzählt sie neu: ergänzt sie, variiert, vertieft. Ein Buch, das von Intensität sprüht, und wieder einmal nicht die ganze "Wahrheit über Marie" ist. Wir dürfen wohl auf einen weiteren Band hoffen. Was für ein Glück.

(Ü: Joachim Unseld, 240 S., 19,90 Euro, Frankfurter Verlagsanstalt)

7. Tomás Eloy Martínez: Purgatorio

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Das Beste, was wir zum diesjährigen Argentinien-Schwerpunkt auf der Frankfurter Buchmesse gefunden haben: Simón ist verschwunden. Vor dreißig Jahren ist er mit seiner Frau verhaftet worden, in der Zeit der Militärdiktatur, wie Tausende andere Männer, Frauen und Kinder in Argentinien. Emilia war schnell wieder frei, ihr Vater war schließlich einer der einflussreichsten Männer, die im Hintergrund des Regimes die Fäden zogen. Hatte er es auf den ungeliebten Schwiegersohn abgesehen? Emilia wird den Verdacht nicht los, sie sucht ihren Simón jahrzehntelang. Als er schließlich in einem Restaurant in New Jersey unvermittelt vor ihr steht, scheint er keinen Tag gealtert. Der bewegende Roman von Tomás Eloy Martínez ist das Buch einer großen, verzweifelten Liebe, eines durch die Diktatur zerstörten Menschenlebens, einer verwüsteten Familie. Und er ist zugleich ein eindrucksvolles Buch über eine der dunkelsten Kapitel Argentiniens.

(Ü: Peter Schwaar, 304 S., 19,95 Euro, S. Fischer)

8. Buddhadeva Bose: Das Mädchen meines Herzens

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Was tut man, wenn man nichts tun kann als warten? Das fragen sich vier Männer, die eine Nacht lang auf einem indischen Bahnhof auf ihren Zug warten müssen. In ihrem Warteraum ist es ungemütlich und kalt, an Schlaf ist nicht zu denken. Die vier hängen ihren Gedanken nach, bis ein junges Paar vorbeiläuft. Und jeder denkt sofort an die Zeit, in der er selbst einmal so verliebt war, bis ein elektrisierender Gedanke der Stille ein Ende macht: "Wir erzählen uns gegenseitig unsere Geschichten." Und einer nach dem anderen spricht vom Mädchen seines Herzens. Nicht jede der vier Liebesgeschichten nimmt ein gutes Ende - doch sind alle so märchenhaft und wunderschön erzählt, dass man enttäuscht ist, wenn es Morgen wird und die Männer schließlich in ihren Zug steigen. Die bengalische Originalausgabe erschien schon 1951 in Kalkutta, der Autor Buddhadeva Bose ist längst gestorben - unsere liebste Wiederentdeckung, ein absoluter Glücksgriff.

(Ü: Hanne-Ruth Thompson, 181 S., 18 Euro, Ullstein)

9. Lisa-Marie Dickreiter: Vom Atmen unter Wasser

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Die Zeit heilt alle Wunden? Bei den Bergmanns heilt die Zeit gar nichts. Ein Jahr nachdem die 16-jährige Tochter Sarah ermordet wurde, ist der Schmerz noch groß wie am ersten Tag. Besonders Sarahs Mutter Anne kann sich ein Leben ohne Sarah nicht vorstellen. Sie schläft in ihrem Bett und redet in Gedanken mit ihr. Lisa-Marie Dickreiter erzählt aus den unterschiedlichen Perspektiven der Familienmitglieder, wie es sich anfühlt, einen geliebten Menschen zu verlieren. Das klingt schrecklich - ist aber so großartig und mitreißend geschrieben, dass es einem am Ende hoffnungsvoll zurücklässt.

(269 S., 19,90 Euro, Bloomsbury Berlin)

10. Monika Helfer: Bevor ich schlafen kann

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Josi Bartok, Psychiaterin, Ehefrau, Mutter von zwei erwachsenen Kindern, hat viel verloren: nach einer Krebsoperation beide Brüste, nach 20 Ehejahren ihren Mann, der sich plötzlich zu seinem Schwulsein bekennt. Ihren trockenen Humor verliert Josi allerdings nie. Um erst einmal Abstand zu gewinnen, reist sie nach Griechenland - nicht ohne vorher ihre Tochter Karla zu fragen, woran man einen guten Liebhaber erkennt. Ein großartiger Mutter-Tochter-Dialog. Und deshalb empfehlen wir Ihnen diesen Roman aus ganzem Herzen. (223 S., 17,90 Euro, Deuticke)

"Woran merkt eine Frau, dass der Mann gut im Bett ist, Karla? Himmel, schau nicht so! Du bist sechsundzwanzig, und ich bin deine Mutter, na und?"... Karla ging in die Küche und kam mit einem großen Glas Wasser zurück. Sie trank es in einem Zug aus. Dann sagte sie: "Zum Beispiel, wenn es Dir dreimal hintereinander kommt und er es hinkriegt, dass es dir noch ein viertes Mal kommt." "Danke", sagte Josi. "Das ist schon ok", sagte Karla.

11. Herman Koch: Angerichtet

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Der Schauplatz ist ein Edelrestaurant: Zwei Brüder und ihre Frauen haben sich zum Essen verabredet, weil sie sich über ihre Söhne unterhalten müssen. Mit scharfem Witz beschreibt der Erzähler Paul, ein sympathischer Loser, seinen älteren Bruder als einen schnöseligen und erfolgsverwöhnten Politiker. Erst allmählich wird klar: Die Kinder haben etwas Schreckliches getan. Paul und seine Frau Clara wollen ihren Sohn unbedingt schützen; Bruder Serge denkt nur an seine Karriere. Komisch, anrührend und mit subtiler Gemeinheit deckt der niederländische Autor Herman Koch die Schwächen der Erwachsenen auf - und die erschütternde Tat der Jungs aus gutem Hause. Eine unwiderstehliche Komposition aus bissig-komischer Gesellschaftsanalyse und Familiendrama.

(Ü: Heike Baryga, 336 S., 19,95 Euro, Kiepenheuer & Witsch)

12. Hans-Christian Schmidt und Andreas Német: Ich zeig dir was, komm folge mir

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Klar, dass er es gar nicht mehr abwarten kann: Quer über die Straße und die Sträucher, über den Klee und eine Kuh, die im Wege steht, übers Schuldach und über den Bolzplatz hat er seinen dicken, weißen Strich gepinselt, einmal durch den ganzen Ort, bis zur Haustür seiner Geliebten. Jetzt zieht er sie zum Flugballon, um ihr die Welt, vor allem aber sein Werk von oben zu zeigen - ein riesengroßes Herz. Ein spinnerter Liebesgruß in einem spinnerten Bilderbuch, vergnügt gereimt und zärtlich collagiert.

(28 S., 9,95 Euro, Minedition. Für alle Verliebten ab 3 Jahre)

13. Tom Rachman: Die Unperfekten

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Journalisten kommen in Romanen meist als Helden vor: mutige Kämpfer wie Mikael Blomkvist in Stieg Larssons Millennium-Trilogie. Selten als ängstliche, von unerfüllten Träumen geplagte Sachbearbeiter, so wie in Tom Rachmans großartigem Romandebüt. Aus einem Dutzend verschiedener Perspektiven erzählt der 35-jährige Amerikaner, selbst Journalist, von den Angestellten einer erfolglosen englischsprachigen Tageszeitung in Rom. Der gelangweilte Nachrufschreiber erleidet plötzlich eine reale Tragödie; die Wirtschaftsexpertin lebt mit einem Träumer, der ihr auf der Tasche liegt; der einsame Pariser Korrespondent erfindet aus Verzweiflung eine Sensation; die Geschäftsführerin verliebt sich in einen Redakteur, den sie gerade gefeuert hat... Was als Puzzle beginnt, fügt sich zu einem wunderbaren Buch über Familienmitglieder - echte und jene, die unsere Kollegen sind. Und über die Liebe, zu anderen Menschen und jenem scheinbar altmodischen Produkt: der auf Papier gedruckten Tageszeitung.

(Ü: Pieke Biermann, 400 S., 14,90 Euro, dtv premium)

14. Torben Guldberg: Thesen über die Existenz der Liebe

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Quer durch die Welt, quer durch fünf Jahrhunderte reist der Erzähler von Torben Guldbergs tiefgründigem Roman, um Liebesgeschichten zu sammeln. Er will wissen, was die Liebe ist. Eine Himmelsmacht? Eine Vibration im Weltall? Ein unbeschreibliches Glück, von dem wir wieder und wieder erzählen? Er findet zwar keine eindeutige Antwort, aber die Erkenntnis, dass die Liebe überall sein kann und gern Verstecken spielt. Vielleicht ist es auch bloß eine Sternschnuppe, in der sie sich verbirgt.

"Herr Guldberg, Sie haben zweieinhalb Jahre an dem Roman geschrieben. Was wissen Sie von der Liebe?" "Ich habe viel recherchiert, aber das meiste habe ich über die Liebe gelernt, weil ich während des Schreibens mit einer Frau zusammen war, mit der ich heute verheiratet bin."

(Ü: Ulrich Sonnenberg, 462 S., 19,95 Euro, S. Fischer)

Das Hörbuch "Thesen über die Existenz der Liebe" gibt es auch auf unserer Download-Plattform.

15. Anne Wiazemsky: Mein Berliner Kind

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Das ist die Autorin: Anne Wiazemsky wurde 1947 in Berlin geboren und ist die Enkelin des französischen Literaturnobelpreisträgers François Mauriac. Wiazemsky ist auch eine bekannte Schauspielerin und Regisseurin und hat unter anderem in Filmen von Pier Paolo Pasolini und Jean-Luc Godard mitgespielt, mit dem sie von 1967 bis 1979 verheiratet war.

Und so klingt ihr Buch: "Er geht gern abends aus und ich hasse das. Er trifft sich gern mit Freunden und ich hasse das. Er trinkt gern und ich hasse das. Er erzählt gern komische Geschichten und ich hasse das. Wir haben keinerlei Gemeinsamkeiten aber ich glaube, mit ihm habe ich vielleicht eine winzige Chance, glücklich zu sein."

(Ü: Grete Oswald, 259 S., 19,95 Euro, C.H. Beck)

16. Erik Orsenna: Lied für eine geliebte Frau

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Als Gabriel mit Mitte fünfzig die Liebe fürs Leben findet, haben Isabelle und er gerade noch vier gemeinsame Jahre. Dann wird sie immer weniger, immer schwächer, bis sie schließlich stirbt. Doch Gabriel will sich nicht geschlagen geben. Er will seine Geliebte aus dem Jenseits zurückholen. Für Orpheus war noch klar, wo er da suchen muss, Gabriel jedoch liest Buch um Buch, spricht mit Denkern und Gläubigen, lernt sogar noch zu tanzen, was Isabel ein Leben lang geliebt hat: Nur um ihr nah zu sein. In Erik Orsennas ergreifendem, bei aller Schwermut erstaunlich luftigem Buch ist es nicht die Zeit, die alle Wunden heilt, sondern gerade das Aufbegehren gegen sie: in einer trotzigen, unbeirrbaren Liebe.

(Ü: Sabine Müller/ Holger Fock, 156 S., 18,95 Euro, C.H. Beck)

17. Claude Ponti: Eltern-Katalog. Austellen, Bestellen, Ausprobieren

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Unser Lieblings-Kinderbuch zum Thema Familie, vom französischen Bilderbuchkünstler Claude Ponti: ein Katalog, aus dem sich genervte Kinder neue Eltern auswählen, sie bestellen und binnen 48 Stunden gegen die alten austauschen können. 35 Varianten sind im Angebot, vom Modell "Diskret" mit Unsichtbarkeitsgürtel und Schimpfdämpfer bis zum Modell "Beglückt" mit Zimmerdecken aus trampolinierter Zuckerwatte. Aber Vorsicht: Alle haben ihre Vor- und Nachteile. Das ist für Kinder erhellend, für Eltern erleichternd und für alle ziemlich lustig. Und, keine Angst: Die Originaleltern werden, heißt es irgendwo im Kleingedruckten, bei Bedarf auf formlosen Antrag postwendend zurückgesandt.

(Ü: Tobias Scheffel, 48 S., 12,95 Euro, Gerstenberg. Ab 8 Jahre)

18. Mario Fortunato: Unschuldige Tage im Krieg

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Ende des zweiten Weltkriegs kreuzen sich ihre Wege vor den Toren Roms: die Italienerin Nina findet in Alastair, dem über Italien abgestürzten englischen Bomberpiloten, einen Seelenverwandten. Doch sie ist bereits vergeben, hat ihrer Familie zuliebe den Mann ihrer verstorbenen Schwester geheiratet. Und der ist plötzlich rasend eifersüchtig. Nina glaubt, diese Aufwallung der Gefühle besänftigen zu können, indem sie ihren Mann in Alastairs Geheimnis einweiht. Ein Fehler... Von den Tiefen Russlands bis nach London, Italien und Afrika hat Mario Fortunato das Schicksalsnetz in diesem schönen und schmerzlichen Buch gespannt, voll mit Verzweiflung und Liebeshunger. Und er zeigt, dass ein Kuss doch nicht nur ein Kuss ist, sondern auch Ermutigung - oder Verrat.

(Ü: Marianne Schneider, 248 S., 19,95 Euro, Schöffling & Co.)

19. Sadie Jones: Kleine Kriege

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Was macht der Krieg mit der Liebe? Kann einer tagsüber töten und abends als liebevoller Ehemann und Vater nach Hause kommen? Die kleinen Beziehungskriege zwischen Henry Treherne und seiner Frau Clara sind unausweichliche Folgen des grausamen Dienstes, den der ehrgeizige Soldat in den 50er Jahren auf Zypern leistet. Dort halten die Briten die Stellung gegen zypriotische Unabhängigkeitskämpfer. Verstört muss Clara erleben, wie ihr Mann ein Fremder wird. Eine großartige Liebesgeschichte, die sich zum Drama entwickelt. Und wir begreifen, wie Krieg seine zerstörerische Kraft entfaltet und ins Innerste der Beziehungen vordringt.

(Ü: Brigitte Walitzek, 448 S., 22,95 Euro, Schöffling & Co.)

Das Hörbuch "Kleine Kriege" gibt es auch auf unserer Download-Plattform.

20. David Levithan: Das Wörterbuch der Liebenden

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A wie außergewöhnlich (Adjektiv): Das ist dieses Wörterbuch des Amerikaners David Levithan. Denn hier wird eine Liebesgeschichte aus Sicht eines Mannes von A wie "atemberaubend" bis Z wie "Zenit" enzyklopädisch und in kurzen Dialogen, Momentaufnahmen und Gedankengängen erzählt. Eine Liebe in Manhattan - zwischen zweien, die sich per Internet kennenlernen und dann durch alle Stadien der Liebe rauschen, durch Glück, Unsicherheit, Zweifel, Betrug, Familientreffen, große Erwartungen, kleine Enttäuschungen und die Erkenntnis, dass nichts flüchtiger ist als die Liebe.

Z wie Zusammenfassung (Substantiv): Manchmal mindert die deutsche Übersetzung den Charme dieser Liebe in Lexikonform. Aber es bleiben am Ende genug wunderbare kleine Momente wie breathtaking, (adj.) atemberaubend: "Wenn wir uns morgens küssen und einander hingeben, eine Stunde lang, bevor wir ein einziges Wort sagen." Oder candid, (adj.) offen, freimütig, aufrichtig: Er: "Meistens, wenn ich mit jemandem schlafe, würde ich lieber lesen." Sie: "Meistens, wenn ich lese, würde ich lieber mit jemandem schlafen."

(Ü: Andreas Steinhöfel, 211 S., 18 Euro, Graf)

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