Unsere Gewinnerin veröffentlicht ihr eigenes Buch

Im vergangenen Jahr gewann Despina Muth-Seidel unseren Schreibwettbewerb und durfte mit unserem Kooperationspartner ihr eigenes Buch veröffentlichen. Nun sind ihre Kurzgeschichten unter dem Titel "Neun Minuten" erschienen.

Die Gewinnerin und ihr Buch

Schreibwettbewerb Kurzgeschichten: Unsere Gewinnerin veröffentlicht ihr eigenes Buch

Ihre Kollegen staunten nicht schlecht, als Diplom-Psychologin Despina Muth-Seidel im Büro aufgesprang und laut klatschte. Sie hatte eine Mail mit besonderem Inhalt bekommen: "Herzlichen Glückwunsch. Sie haben beim BRIGITTE-woman.de-Schreibwettbewerb gewonnen!"

Despina Muth-Seidel konnte mit unserem Kooperationspartner BoD ihr eigenes Buch veröffentlichen. "Neun Minuten" ist jetzt erschienen und besteht aus vielen Kurzgeschichten über ganz unterschiedliche Menschen und ihren vermeintlich ganz normalen Alltag. Der Buchtitel ist dabei Programm: Für jeweils neun Minuten begleitet die Autorin ihre Protagonisten und wirft damit Schlaglichter auf ihr Leben und ihre Verstrickungen.

Der zweite Teil des Buches umfasst Auszüge aus dem abwechslungsreichen literarischen Schaffen der 47-jährigen Despina Muth-Seidel und überzeugt mit Fantasy- und Märchenkomponenten.

Schreibwettbewerb Kurzgeschichten: Unsere Gewinnerin veröffentlicht ihr eigenes Buch

Despina Muth-Seidel hat bereits einige psychologische Sachbücher veröffentlicht, Kurzgeschichten schreibt sie aber erst seit fünf Jahren. Ihre Geschichte "Im Blickpunkt", mit der Sie unseren Schreibwettbewerb im vergangenen Jahr gewann, war die erste, die sie überhaupt bei einem Wettbewerb eingereicht hatte. Als Psychologin kennt sie sich aus mit Machtverhältnissen im Beruf. Die Geschichte beruht auf Erfahrungen, auch wenn der Inhalt rein fiktiv ist. Die untergeordnete Rolle der Hauptfigur soll dabei symbolisch für den Versuch vieler Frauen stehen, ihre starken und schwachen Seiten im Beruf zu vereinen.

Despina Muth-Seidel Neun Minuten Gebundene Ausgabe Seiten: 176 Preis: 22 Euro ISBN: 978-3-8448-3206-8

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Die Gewinnergeschichte "Im Blickpunkt"

Dort, ihr gegenüber, zwei Meter nur entfernt, am Konferenztisch neben irgendwelchen Kollegen von ihm, befreite Jannis das enge Gefühl in seinem Hals mit einem kurzen Ruck an seinem Krawattenknoten. Dann öffnete er die zwei oberen Hemdknöpfe. Annes Blick aus zusammengekniffenen Augen folgte seinem Daumen und Zeigefinger wie in Zeitlupe. Er bemerkte ihren Blick und lächelte entschuldigend. Anne reagierte nicht darauf.

Immer wieder sah sie diese Bewegung vor sich, eine Schleife, eine Abfolge von Bewegungen, seine Abfolge von Bewegungen, auch, als alle schon längst auf die Präsentation an der Wand starrten. Im Blickpunkt: Die Zahlen der letzten Woche.

Eine ganz gewöhnliche Bewegung. Er schwitzte in diesem Raum, der angenehm klimatisiert war. Er war nervös. Anne und er waren seit heute Morgen im selben Team. Es war ihr egal, so hatte sie zumindest gestern noch gedacht.

Diese Krawatte. Blau, winzige weiße Punkte. Seide. Es war ein besonderes Blau: leuchtend ultramarin mit einer kleinen Tendenz zu Türkis. Sie hatte gestern lange Zeit gehabt, diesen Stoff zu betrachten, als er noch um ihre Handgelenke geschlungen war, mit einem festen Knoten, zu fest. Sie hatte versucht, ihn zu lockern. Sie hatte es nicht geschafft. Er hatte gelacht, als er sie zog und hinter sich her schleifte, seine Faust um diesen Knoten aus blauer Seide an ihren Händen.

Anne starrte immer noch auf das längliche Stück Stoff, welches jetzt schief und locker um sein Hemd geschlungen hing. Es war etwas, was sie beide verband. Ihre Hände und seine. Nicht einfach nur sein Hemd und seinen Hals. Für sie hatte es eine Bedeutung, und für ihn war es ein Mittel zum Zweck.

Jannis strich sich mit der Hand über den Kopf, als er dem Redner eine Frage stellte. Eine überflüssige Frage, Jannis schien das Script nicht gelesen zu haben. Sein Abteilungsleiter schräg hinter ihm zuckte leicht mit dem Mundwinkel. Andere wiederum sahen Jannis kurz an, der dies als Zustimmung auffasste und sich selbstgefällig lächelnd zurücklehnte. Peinlich.

Anne kannte sein Lächeln gut, glaubte es bisher zu kennen – sie hatte es stets als allwissend und ihr überlegen eingeschätzt, wenn er ihr Betteln um Gnade nicht erhörte, genau so lange, wie sie es noch aushalten konnte. Anne zwirbelte an einer gebleichten Strähne ihres Haars, blond, auf seinen Willen hin. Sie strich über ihren Rock – schwarzes Leder, auch im Büro, weil er das Material liebte. Ihre hohen Stiefel zwickten am engen Reißverschluss. So musste sich eine Puppe fühlen, wenn sie fühlen könnte.

Anne sah Jannis lächelnd an. Er beachtete sie nicht. Sie sah seine Hände wieder an, die nun ungeduldig mit dem Stift auf dem Tisch herumklopften. Er benahm sich unmöglich. Der schmierige Vertreter in Person. Jetzt hatte sie begriffen, warum er nervös war.

Jannis war hier der, der er tatsächlich war.

Und seine Krawatte mutierte zu einem Stück Stoff, ohne jede Bedeutung.

Anne stand mit einem Ruck auf. Sie wartete. Einige Kollegen drehten sich leicht erstaunt zu ihr um, da die Präsentation noch nicht vorbei war. Sie wartete. Endlich drehte sich Jannis auch in ihre Richtung. Sie lächelte immer noch, ein Lächeln mit hochgezogener Augenbraue. Als er sie direkt ansah, hob sie langsam die rechte Hand, als wenn sie ein Stück Stoff langzog. Mit der linken Hand vollführte sie eine Bewegung wie mit einer imaginären Schere. Schnipp schnapp. Jannis starrte sie an. Jetzt sah er aus wie ein geschockter Frosch. Seine Beleibtheit war ihr bisher nicht aufgefallen.

Der Vortragende schwieg. Anne setzte sich wieder und wies den Redner mit einem kurzen Kopfnicken an, sofort mit der Präsentation weiter zu machen. Denn schließlich war sie der Chef.

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Kommentare (38)

Kommentare (38)

  • Anonymer User
    Anonymer User
    Das sind die Gewinnerinnen...

    ...ja wo sind sie denn? Ich sehe nur eine unsäglich langweilige "Gewinnergeschichte".

    (Wenn DAS der Anspruch war, hätte sich niemand anstrengen müssen!)

    Wo sind die restlichen 9????? Wo ist der Rest?

    Hätte mich schon mal interessiert ob diejenigen, die sich in den Himmel gevotet haben auch noch einen Trostpreis gewonnen haben?
  • Anonymer User
    Anonymer User
    Wenn es um etwas geht, werden Weiber zu Hyänen.

    Unglaublich welche Aktivitäten und welches Informatikerwissen da plötzlich aufgeboten wurde: Cookies löschen, Browser abändern, PC-Adresse ändern (sonst geht es nur 10x am Tag)... ich habe selten so ein unwürdiges Schauspiel beobachtet. Rasanten An- und Abstieg von Stimmen im Minutentakt! Wer glaubt an so ein Märchen? Der Zeitraum war viel zu lang, man konnte bis kurz vorher noch Texte einstellen...welch Blödsinn, wer soll den da noch stimmen? Gelesen hat es kaum jemand wirklich, gevotet haben nur die, die sich selbst bauchpinselten und die Konkurrenz in den Boden stimmten. Nach zwei Wochen habe ich den Link gelöscht und nicht mehr rein geschaut, weil ich es erbärmlich fand. Die Gewinnergeschichte ist nicht wahr, oder? Auch mit dem Wissen, dass die Geschmäcker verschieden sind... Wenn das die Antwort ist, habe ich die Frage nicht ganz verstanden.

    Bin trotzdem nicht gefrustet: If a story is really good, it will be travel!
  • Anonymer User
    Anonymer User
    Ich gönne der Gewinnerin Ihren Erfolg von Herzen.

    Denn Neid ist eine, mir völlig fremde Eigenschaft.

    Fiktiv ist ALLES was nicht tatsächlich stattfindet,

    aber mit Fantasie hat diese Geschichte wenig zu tun.

    Unabhängig davon, habe ich die Geschichte dreimal gelesen und mir ist trotzdem nicht klar, was sie uns damit sagen will.

    Wenn das gut ist, dann mach' ich lieber Schlechtes.

    Gääähn.
  • Anonymer User
    Anonymer User
    Wer liest schon freiwillig sooo viele Texte? Es war doch klar, dass nur die Betroffenen abstimmen würden. Zuerst war das Stimmen über "Cookies löschen" möglich. Irgendwann musste man den Browser wechseln und dann gab es für eine Plusstimme eine Minusstimme, vielleicht auch umgekehrt. Leider hat diese Erziehungsmaßregel nicht bei allen PCs funktioniert! Und so haben Manche lustig Andere in Grund und Boden gevotet. Wenn man sich die Stimmen anschaut, dann muss einem doch der gesunde Menschenverstand sagen, dass das niemals mit rechten Dingen zuging! Wer verirrt sich schon auf so eine Wettbewerbseite um unabhängig ab zustimmen? Kein Mensch!!! Ich hab mir das Drama ein Weilchen angesehen (und es hat mich Stunden meines Lebens gekostet), bis ich dann irgendwann im November das Handtuch geworfen habe. So ein unwürdiges Schauspiel braucht kein Mensch. Schade. Ich werde bestimmt nicht mehr mitmachen. Dazu ist mir mein Leben zu kurz. Mein Buch gibt es trotzdem. Ätsch.
  • Anonymer User
    Anonymer User
    Liebe Ingrid,



    wenn Ihre Geschichte nicht hochgeladen wurde, hat sie vermutlich gegen die Kriterien verstoßen und war länger als 5.000 Zeichen. Da wir im Vorfeld darauf hingewiesen haben, konnten wir nicht alle User informieren, die dies nicht eingehalten haben. Wir hoffen, Sie verstehen das.

    Aber dieses Jahr gibt es wieder einen Wettbewerb und wir würden uns freuen, wenn Sie dieses Mal wieder mitmachen.



    Viele Grüße,

    Ihr BRIGITTE-woman.de-Team

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