Er erfand das Plattencover

Alex Steinweiss erfand vor rund 70 Jahren das Plattencover. Seine Idee prägt die Musikindustrie noch heute.

Erinnern Sie sich noch an Ihre erste eigene Schallplatte? Dieses Gefühl, mit den Händen über die bunte Hülle zu streichen, stundenlang die Bilder der Stars zu betrachten, die Liste der Lieder auswendig zu lernen. Eine Schallplatte war viel mehr als Musik. Sie war ein Erlebnis.

Alex Steinweiss: Musik zum Anschauen

Alex Steinweiss in seinem Studio.

Ein älterer Herr mit weißem Haar und dicker Brille hat einen Großteil dazu beigetragen. Alex Steinweiss, geboren 1917 in Brooklyn, ist der Erfinder des modernen Plattencovers. In den 1930er Jahren - vor seiner ebenso einfachen wie genialen Idee - wurden Schellackplatten in schlichten braunen Papphüllen verkauft.

Steinweiss, damals 23 Jahre alt und gerade zum Art Director der Firma Columbia Records aufgestiegen, liebte Musik. Die Pappumschläge aber fand er "furchtbar unattraktiv". Also schlug er seinen Vorgesetzten vor, einige Cover zu gestalten. Die potentiellen Käufer sollten seine Hüllen anschauen und dank der Bilder sofort die Musik hören. Die erste Platte, der er zu einem Gesicht verhalf, war eine Einspielung der Broadway-Legenden Richard Rodgers und Lorenz Hart. Steinweiss fuhr mit einem Fotografen zum New Yorker "Imperial Theater" und überredete den Besitzer, auf der Leuchttafel die Namen der beiden Musiker einzublenden. Das Bild dieser Leuchtreklame, dazu im Hintergrund die Rillen einer Schallplatte in Orange – fertig war das Motiv des allerersten Plattencovers.

Alex Steinweiss hat rund 2500 Plattencover entworfen

Seine Chefs waren begeistert. Angeblich stiegen die Verkaufszahlen bei einigen Platten um mehr als 800 Prozent, nachdem er ihnen zu einer neuen Hülle verholfen hatte. Steinweiss, der sein Handwerk als Plakat-Gestalter gelernt hatte, schaffte es, Musik in klare, ansprechende Bilder zu übertragen. Für Gershwins "Rhapsody in Blue" setzte er ein kleines Klavier, beleuchtet von einer Straßenlaterne, vor die nachtblaue Kulisse einer Großstadt. Auf dem Cover zu Sergei Rachmaninoffs "Songs of Rachmaninoff" entließen zarte Frauenhände ein Vögelchen in die Freiheit. Einer seiner Entwürfe zu Beethovens Klavierkonzert Nr. 5, ein weißer Flügel mit regenbogenfarbenem Strahl, inspirierte die Band "Pink Floyd" mehr als 30 Jahre später zum Cover ihres Albums "Dark Side of the Moon".

Nach eigenen Angaben hat Steinweiss, der mit seiner Frau inzwischen in Florida lebt und noch immer als Künstler arbeitet, im Lauf seiner Karriere rund 2.500 Plattencover entworfen. Im Taschen-Verlag ist ein opulenter Bildband mit seinen schönsten Covern erschienen.

Text: Julia Müller Fotos: Miguel Elizalde/Taschen Verlag

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