"Oma und Bella" - Von der Küche ins Kino

"Oma & Bella" ist ein Dokumentar-Film, über den viele reden, bevor sie ihn gesehen haben. Die beiden ungewöhnlichen Titel-Heldinnen haben mit ihrer Kochkunst und ihren Geschichten weltweit Fans gefunden, als Regisseurin Alexa Karolinski (27) einen besonderen Weg der Filmfinanzierung wählte.

"Oma & Bella" - Der Film

Regina & Bella sind seit über 60 Jahren befreundet

Zutaten einer gelungenen Suppe sind große Gesten, Geschichten aus dem Leben und Einkaufstouren voller fröhlicher Begegnungen. Das lernt Alexa Karolinski an einem Nachmittag, den sie mit ihrer Oma Regina und Bella Katz verbringt. Bella und Regina (Jahrgang 1923 und 1927) sind beste Freundinnen und wohnen seit sechs Jahren zusammen in einer Berliner Wohnung. Schnell entscheidet Alexa, dass sie nicht nur das Rezept der Suppe festhalten, sondern einen Film über Oma und Bella machen möchte. Ein Jahr lang begleitet sie die besten Freundinnen mit der Kamera - beim Kochen quer durch die Küche, in Gesprächen quer durch das letzte Jahrhundert. So erfährt man von der Kindheit in Osteuropa, dem Holocaust und Berlin nach dem Krieg, während Oma und Bella schon wieder ein 3-Gänge-Menü planen. Alexa Karolinskis Film (ab dem 23. August im Kino) ist eine liebevolle Hommage an die zwei Titel-Heldinnen, von denen man lernen kann, das Beste aus jedem einzelnen Tag zu machen. Und natürlich wie man die berühmte Hühnersuppe kocht.

Interview mit Alexa Karolinski: "Die Küche sagt viel über die Menschen"

Regina Karolinski(*1927) Kochen bedeutet für sie: Erinnern, Gegenwart und Hoffnung

BRIGITTE-woman.de: Alexa, wie kamen Sie auf die Idee zu Ihrem Film?

Alexa Karolinski: Ich wollte unbedingt so wunderbar kochen lernen wie meine Oma. Schon als Kind liebte ich die osteuropäische jüdische Küche...

BRIGITTE-woman.de: Was kommt in den Topf?

Alexa Karolinski: Viel Fleisch Kartoffeln, Kraut, Rote Bete. Ich fing also an, ihre Rezepte aufzuschreiben für ein Kochbuch. Als ich 35 zusammen hatte, merkte ich, dass zu dieser Küche Omas ganzes Leben gehört, samt Geschichten, die auch ihre Freundin Bella betreffen. Und als dann der Abschlussfilm für mein Studium an der New Yorker Kunsthochschule dran war, lag das Thema nahe.

BRIGITTE-woman.de: Was wird erzählt?

Alexa Karolinski: Wie sie kochen, wie sie leben, was sie erlebt haben. Oma war bei den Nazis im Arbeitslager und Bella war Partisanin. Nach dem Krieg lernten sie sich kennen und sind seit 66 Jahren Freundinnen – die beiden wohnen zusammen, seit ihre Männer gestorben sind und meine Oma eine Hüft-Operation hatte.

BRIGITTE-woman.de: Kochen als Transportmittel für dramatische Lebensgeschichten?

Alexa Karolinski: Na klar, die Küche sagt viel über die Kultur der Menschen. Seit ich denken kann, esse ich gern bei Oma. Sie hat mir von jedem Rezept 98 Prozent verraten, den Rest, sagte sie, musst du selbst herausfinden.

Bella Katz(*1923) verlor ihre gesamte Familie im Holocaust

BRIGITTE-woman.de: Reden die beiden alten Damen offen darüber, was ihnen geschehen ist?

Alexa Karolinski: Sie tragen das Herz nicht auf der Zunge, sie sind Frohnaturen, die gern Rommé spielen, zum Frisör gehen und eben – kochen und essen. Die Geschehnisse ihrer Jugend kommen nur zum Vorschein, wenn sie es wollen, wenn sie sich sicher und wohl fühlen.

BRIGITTE-woman.de: Dann war die Arbeit am Film eine besonders sensible Angelegenheit?

Alexa Karolinski: Wir haben ein Stopp-Zeichen vereinbart, wenn ich die Kamera abschalten sollte. Wenn Bella zu sehr weinen musste – und nicht weil sie Zwiebeln geschnitten hat.

BRIGITTE-woman.de: Warum war der Film nicht vorher schon öffentlich zu sehen?

Alexa Karolinski: Ich wollte, dass er zuerst auf Festivals läuft, dann eventuell im Fernsehen. Das Medien-Interesse im Vorfeld war schon überraschend.

BRIGITTE-woman.de: Wie kam das?

Alexa Karolinski: Ich habe mein Projekt über die Internetseite "Kickstarter" finanziert. Da habe ich über die beiden ein Video eingestellt. Das haben dann ganz viele auf Facebook gepostet. Weil sich jeder sofort in Oma und Bella verliebt. Sie sind einfach unglaublich. Darum bekam ich Geld aus der ganzen Welt, aus Thailand, Süd-Amerika, Australien. Statt 18 000 Dollar, die ich brauchte, waren es ganz schnell 42 000 Dollar. Seit dem können Oma und Bella in Berlin-Charlottenburg kaum noch auf die Straße gehen, ohne angesprochen zu werden. Sie genießen ihren Celebrity-Status.

Ein jiddisches Rezept: Hagelzuckerkekse

So bedankt man sich auf Jiddisch: Für den Dokumentarfilm haben weltweit so viele Menschen Geld gespendet, dass der Film tatsächlich realisiert werden konnte. Zum Dank haben Oma und Bella für jeden einzelnen Spender Kekse gebacken- natürlich nach jiddischem Rezept.

Oma und Bellas "Hagelzuckerkekse"

Zutaten: 500g Doppelrahmkäse (2 Packungen) 250g Butter 200g Mehl 2 Eiweiß (Garnitur) 250g Hagelzucker (Garnitur)

Dauer: 30-40 Minuten (mindestens 3 Stunden Ruhezeit)

Das Mehl in eine ausreichend große Schüssel sieben. Unter Rühren nach und nach Butter und Doppelrahmkäse hinzufügen. Falls die Butter direkt aus dem Kühlschrank kommt und noch sehr hart ist, kann sie mit einer Reibe zerkleinert werden. Alle Zutaten so lange ineinander mischen, bis eine einheitliche Masse entsteht. Wichtig ist, dass der Teig nicht zu fest wird und noch im Mund zergeht. Bei Bedarf die Menge der Zutaten variieren. Den Teig kugelförmig zusammenschlagen und ihn abgedeckt für mindestens 3 Stunden, besser noch über Nacht, im Kühlschrank ruhen lassen. Den Ofen auf 175°C Grad vorheizen. Den abgekühlten Teig so lange auf einer großen, mehlbestäubten Fläche ausrollen, bis er nur noch wenige mm dick ist. Mit einem dünnwandigen Glas Kreise ausstechen und sie auf einem gefetteten Backblech mit ausreichend Abstand platzieren. Die Eier trennen, die Kreise mit dem Eiweiß bestreichen und dann großzügig mit Hagelzucker bestreuen. Knapp 30 Minuten backen. Bereits nach 20 Minuten Farbe und Konsistenz der Kekse prüfen und sie herausnehmen, sobald sie goldbraun werden.

Interview: Vera Sandberg
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