Diane Keaton im Interview: "Ich liebe Männer"

Diane Keaton hat Temperament, Selbstbewusstsein und pflegt einen feinen Humor. Ein Interview über die Vorteile des Älterwerdens, Sex und ihr Glück als späte Mutter.

BRIGITTE-woman.de: Sie waren mit so wunderbaren Männern zusammen wie Woody Allen, Al Pacino und Warren Beatty. Aber geheiratet haben Sie nie. Bereuen Sie das heute?

Diane Keaton: Da gibt es nichts zu bereuen. Um ehrlich zu sein, war es so, dass mich die Männer einfach nicht gefragt haben. Sie wollten mich wohl nicht. Ich wünschte, ich hätte ablehnen können. Interessant hätte ich das Projekt Ehe schon gefunden.

BRIGITTE-woman.de: Es kann ja noch kommen! Oder haben Sie jetzt mit 60 das Thema Mann bereits abgeschlossen?

Diane Keaton: Zumindest würde ich sagen, dass ich nicht mehr suche. Vielleicht ist das ja sogar der Schlüssel dafür, dass sich mein Single-Status auch mal wieder ändert. Dass etwas Großes passiert. Ich fühle mich jedenfalls immer noch angezogen von männlicher Stärke. Sehr sogar. Das hört wohl nie auf – bis ich sterbe. Andererseits muss ich auch zugeben: Manche dieser wunderbaren Männer, die Sie vorhin erwähnt haben, waren wohl einfach eine Nummer zu groß für mich.

BRIGITTE-woman.de: Sie strahlen so viel Stärke aus – wie kann da ein Mann eine Nummer zu groß sein?

Diane Keaton: Nehmen wir nur mal Jack Nicholson, mit dem ich privat ja eng befreundet bin. Wenn Sie den erleben würden, könnten Sie schnell merken, wie schwierig es ist, bei seinem Tempo und seinem Esprit mitzuhalten. Da bin ich lieber Jacks bester Zuhörer: Ich genieße das sehr, einfach mal ruhig sein zu dürfen. Sonst muss ich ja immer die Menschen unterhalten.

Dates waren nie ein wichtiger Teil meines Lebens.

BRIGITTE-woman.de: Sie spielen sicher auf Jack Nicholsons berühmten Wortwitz an...

Diane Keaton: Es ist absolut faszinierend zu sehen, wie amüsant dieser Mann ist. Ein Pionier der Sprache. Eigentlich sollte man alles aufnehmen, was er sagt, und dann in einem Buch drucken. Brillant!

BRIGITTE-woman.de: Die selbstbewusste Frau Keaton gerät ja richtig ins Schwärmen!

Diane Keaton: Ja, ich liebe Männer – und noch mehr mag ich es, geliebt zu werden. Wie schön, wenn einer es schafft, die magischen Worte „Ich liebe dich“ zu sagen. Selbst in meinen Filmen mochte ich die Rolle der glücklich Verliebten am liebsten. Ich finde ja auch Küsse vor der Kamera schön. Kommt wohl daher, weil es mir im wahren Leben nicht so oft passiert...

BRIGITTE-woman.de: Könnten Sie sich heute noch eine Hochzeit vorstellen?

Diane Keaton: Klar, keine Frage. Ich habe höchste Achtung vor der Ehe. Wenn ich einen Mann geheiratet hätte und bei ihm geblieben wäre, dann wäre ich wahrscheinlich sogar stolz auf mich. Andererseits hatte ich einfach keine Ahnung, wie man das schaffen soll, eine dauerhafte Beziehung zu führen. Ich wäre sicher längst geschieden.

BRIGITTE-woman.de: Vermutlich haben Sie viel mehr Talent zur glücklichen Ehefrau, als Sie denken!

Diane Keaton: Nein, ich glaube, dafür muss man die Bereitschaft mitbringen, sich auf eine intime Partnerschaft wirklich einzulassen und sie auch zu pflegen. Liebe kommt nun mal nicht von ungefähr. Und ich wollte zwar immer geliebt werden, kann aber ein ziemlicher Egoist sein. Mitunter bin ich schon extrem fordernd. Kurz: als Partnerin alles andere als perfekt.

BRIGITTE-woman.de: Haben Sie das Gefühl, dass Sie sich heute leichter auf die Ehe einlassen könnten?

Diane Keaton: Definitiv. Je älter man wird, umso vernünftiger wird man. Wenn ich heute einen Mann treffen würde, mit dem ich mir ein gemeinsames Leben vorstellen könnte, stünden die Chancen wohl gar nicht so schlecht, dass das auch klappt. Das Problem ist nur: Man trifft so selten einen.

BRIGITTE-woman.de: Sie haben also keine Dates?

Diane Keaton: Nein, ich mache gar nichts. Nicht mal Online-Dating wie viele andere. Na ja, ein bisschen denke ich schon drüber nach.

BRIGITTE-woman.de: Abgesehen davon, dass es sicher nicht ganz leicht wäre, als Hollywoodstar im Internet zu chatten – was finden Sie denn am Online-Dating so übel?

Diane Keaton: Es ist einfach so gar nicht meine Art des Kennenlernens. Ich bewundere Leute, die das können, dahinter steckt ja auch eine große Portion Abenteuerlust. Manche sagen sich zu Recht: Warum nicht mal ausprobieren? Was ist schon dabei? Aber mich macht schon die bloße Vorstellung, mich mit einem Fremden zu verabreden, nervös. Dates waren eben nie ein wichtiger Teil meines Lebens. Ich lernte Männer kennen, weil ich mit ihnen gearbeitet habe.

BRIGITTE-woman.de: Viele ältere Männer interessieren sich für jüngere Frauen. Andersherum wird ein großer Altersunterschied weniger akzeptiert. Könnten Sie sich vorstellen, wie in einem Ihrer letzten Filme "Was das Herz begehrt" mit einem Jüngeren auszugehen?

Diane Keaton: Jaja, das Leben ist nicht fair, sage ich immer. Andererseits: Wenn ältere Männer damit gut klarkommen, sollen sie glücklich werden. Wer es mag – bitte schön. Meiner Meinung nach bringen zwanzig Jahre Altersunterschied immer ein peinliches Körpergefühl mit sich. Ich würde mich komisch alt dabei fühlen. Anders an der Seite eines Gleichaltrigen oder Älteren. Der hat die gleichen Zipperlein und Probleme wie ich.

BRIGITTE-woman.de: Es gibt ja glückerlicherweise auch Männer, die durchaus sagen, dass sie ältere Frauen sehr erotisch finden, weil die genau wissen, was sie wollen.

Diane Keaton: Sicher. Ältere Frauen sind besser im Bett. Man kann ja gar nicht genug Erfahrung sammeln – und irgendwann ergeben diese "Vorstudien" tatsächlich einen Sinn.

BRIGITTE-woman.de: Das klingt angenehm entspannt, so als hätten Sie gar keine Angst vor dem Älterwerden.

Diane Keaton: Die Hauptsache ist, man bleibt authentisch, finde ich. Es hilft auch, wenn man sich vergegenwärtigt, wie viele schwere Situationen man im Leben schon gemeistert hat. Auf diese Art von Gelassenheit darf man sich ruhig freuen. Bloß nicht weglaufen! Wenn man sein Alter akzeptiert, können noch alle möglichen wundervollen Dinge passieren.

BRIGITTE-woman.de: Sie sind dafür selbst das beste Beispiel: Kurz vor Ihrem 50. Geburtstag haben Sie sich noch zur Adoption eines Babys entschlossen . . .

Diane Keaton: Ich war immer eine Spätentwicklerin. Aber irgendwann habe ich verstanden, dass einen Kinder erden können. Die ganzen Gefühle, die damit einhergehen, bedeuten ein ganz anderes Fundament als jedes freundschaftliche Netzwerk. Eine Tochter zu adoptieren hat mein Leben ganz radikal verändert. Bis kurz vor 50 drehte sich alles nur um den Beruf. Fünf Jahre später habe ich dann sogar noch ein Baby, einen Jungen, adoptiert.

BRIGITTE-woman.de: Und jetzt sind Sie eine glückliche späte Mutter?

Diane Keaton: Ja. Aber eigentlich hasse ich es, darüber allzu viele Worte zu verlieren. Es ist so eine tief greifende Erfahrung – die wird durch das ganze Reden darüber nur entwertet. Was soll ich sagen? "Ja, ich liebe meine Kinder, sie sind so toll. Wir haben ganz viel Spaß miteinander." Papperlapapp. Ich bin mir sicher: Jeder, der selbst Kinder hat, wird wissen, was ich meine.

BRIGITTE-woman.de: Jamie Lee Curtis, die wie Sie erst eine Tochter und später einen Sohn adoptiert hat, schrieb ein Buch aus der Sicht des Kindes. Es beginnt in der Nacht seiner Geburt. Wie bringen Sie es Ihren Kindern bei, dass sie adoptiert wurden?

Meine Kinder sollen lernen, nach Niederlagen wieder aufzustehen.

Diane Keaton: Dieses Buch von Jamie ist wundervoll: Ich musste weinen, als ich es las. Ich glaube, es ist ziemlich wichtig, Kindern möglichst frühzeitig die Wahrheit zu sagen. Doch damit hört es ja nicht auf – es kommen immer noch eine Reihe anderer schwieriger Themen, die ich ihnen wohl erklären werden muss. Davor graut mir jetzt schon. Im Moment jedenfalls mag ich mir nicht vorstellen, dass meine Tochter groß wird und Sex hat.

BRIGITTE-woman.de: Warum haben Sie sich noch zur zweiten Adoption entschlossen?

Diane Keaton: Fünf Jahre nach meiner Großen, Dexter, wollte ich noch einen Sohn, Duke, heute sechs. Ich habe selbst zwei Schwestern und einen Bruder. Diese Beziehung zu meinen Geschwistern war immer sehr wichtig für mich. Und so dachte ich eben, dass es schön wäre, wenn Dexter ihre Erfahrungen mit ihrer Mama auch mal mit einem Geschwisterchen austauschen könnte: "Die Alte ist schon ziemlich verrückt, findest du nicht auch?" Nein, ganz im Ernst: Mir wurden meine Geschwister immer wichtiger, je älter ich wurde. Und ich glaube unbedingt, dass man sowohl das Familiengefühl als auch die gemeinsamen Erfahrungen mit der eigenen Generation braucht.

BRIGITTE-woman.de: Was geben Sie Ihren Kindern mit auf den Weg?

Diane Keaton: Zunächst mal sollen sie lernen: Wir sind hier ein kleines Team. Sie sollen begreifen, dass man Verantwortung übernehmen muss – für sich und andere. Ich möchte, dass sie übersprudeln vor Ideen und Gedanken, dass sie reden und sich ausdrücken können. Und noch eins: Da wir im Leben ja ständig mit Hürden konfrontiert sind, sollen sie lernen, nach Niederlagen wieder aufzustehen und weiterzumachen.

BRIGITTE-woman.de: Haben Sie das bei Ihren Eltern gelernt?

Diane Keaton: Bestimmt nicht. Wir wurden nur auf heile Welt getrimmt. Als ich in den 50er Jahren aufwuchs, war es für Frauen ja das Höchste, die richtigen Haushaltsgeräte zu haben. Nach dem Motto: Mit der perfekten Küche wird alles großartig, und das Happy End lässt nicht lange auf sich warten. Meiner Tochter wünsche ich keine perfekte Küche, sondern einen guten Job, mit dem sie sich allein durchbringen kann. Unabhängigkeit ist die Basis, alles andere ergibt sich dann von selbst.

BRIGITTE-woman.de: Haben Sie eigentlich manchmal Schuldgefühle, dass Sie den Kindern eine männliche Identifikationsfigur, einen Vater, vorenthalten?

Diane Keaton: Ich habe ja eine ganze Reihe männlicher Freunde, die eine wichtige Rolle für mich und meine Kinder spielen. Mehr Mann gibt es im Moment leider nicht. Aber Sie fragen nach Schuldgefühlen. Da kann ich nur sagen: Atme ich? Lebe ich? Bin ich eine Frau, ein Mensch? Yeah! Natürlich habe ich sie. Die ganze Zeit.

Zur Person: Diane Keaton

Diane Keaton kam am 5. Januar 1946 in Los Angeles, wo sie bis heute lebt, als Tochter eines Bauingenieurs zur Welt. Das Schauspieltalent hat sie von ihrer Mutter Dorothy Keaton geerbt, deren Mädchennamen sie als Künstlernamen wählte. Bereits als 19-Jährige konnte Diane Keaton mit einem Stipendium eine Ausbildung an der Schauspielschule in New York beginnen, die sie 1967 abschloss. Zwei Jahre später traf sie Woody Allen, der ihre Begabung erkannte und bald auch ihr Lebensgefährte wurde. In "Play It Again, Sam" feierte sie ihren ersten großen Erfolg. 1972 und 1974 spielte sie die Frau des Mafia-Erben Michael Corleone in Coppolas "Der Pate", wodurch sie sich dauerhaft in Hollywood etablierte. Diane Keaton führte auch Regie, so z. B. im Jahr 2000 bei "Hanging Up" ("Aufgelegt"), der von drei Schwestern handelt, die sich wieder annähern, als ihr Vater im Sterben liegt.

Interview: Elisa Leonelli
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