"Endlich bin ich die komisch Alte, die ich immer sein wollte"

Sie hat noch nie ein Blatt vor den Mund genommen: Hollywood-Legende Shirley MacLaine. Hier redet die 72-Jährige über Seitensprünge, Erotik im Alter, das Oma-Sein und ihren göttlichen Hund.

BRIGITTE WOMAN: Sie sind berühmt, reich und ein umschwärmter Star - ist das Altern für Sie so leichter?

Shirley MacLaine: Sagen Sie doch gleich, dass Sie wissen wollen, ob ich mich schon mal habe liften lassen!

BRIGITTE WOMAN: Wie Sie wollen. Haben Sie sich liften lassen?

Shirley MacLaine: Ich habe meinen Hals etwas straffen lassen, weil ich nicht länger wie eine faltige Schildkröte herumlaufen wollte. Und die Hängebäckchen sind auch weg. Das war’s aber auch schon!

BRIGITTE WOMAN: Haben Sie jemals die vielen Sommersprossen auf Ihren Armen, dem Hals und über Ihrem Busen gestört?

Shirley MacLaine: Warum sollten sie? Außerdem habe ich auch Sommersprossen im Gesicht, aber die überschminke ich. Im Übrigen mache ich mir relativ wenig Gedanken darüber, wie ich aussehe.

BRIGITTE WOMAN: Aber Sie schauen doch sicherlich morgens nach dem Aufstehen in den Spiegel ...

Shirley MacLaine: Ich bin kurzsichtig. Das erleichtert mir vieles. Also auch die Feststellung, dass ich schon mal besser aussah. Besonders attraktiv fand ich mich übrigens nie.

Ich bin kurzsichtig. Das erleichtert, dass ich schonmal besser aussah.

BRIGITTE WOMAN: Was fanden dann die berühmten Männer an Ihnen, mit denen Sie eine Affäre hatten: Yves Montand, Robert Mitchum, Danny Kaye, Dean Martin - um nur einige zu nennen?

Shirley MacLaine: Ich glaube, sie faszinierte meine burschikose Art und mein Temperament. Vielleicht waren sie auch nur neugierig, ob ich in der Liebe genauso temperamentvoll und burschikos bin?!

BRIGITTE WOMAN: Sind Sie's?

Shirley MacLaine: Selbst Ihnen binde ich das nicht auf die Nase, diskret wie ich bin.

BRIGITTE WOMAN: Ihre Liebeleien waren immer nur von kurzer Dauer - warum?

Shirley MacLaine: Weil sie mehr aus Gelegenheit denn aus Liebe entstanden. Ich war oft wochenlang von zu Hause fort, irgendwo bei Außenaufnahmen, fühlte mich einsam, hatte einen attraktiven Mann als Partner, mit dem es Filmküsse gab - da verliebte ich mich gern schnell.

BRIGITTE WOMAN: Treue war kein Thema für Sie?

Shirley MacLaine: Wem sollte ich denn treu sein?

Shirley MacLaine liebt auf ihre Art

BRIGITTE WOMAN: Ihrem damaligen Mann Steve Parker zum Beispiel.

Shirley MacLaine: Als ich meine Affären hatte, war ich noch nicht verheiratet!

BRIGITTE WOMAN: Also, nach Ihrer Heirat 1954 blieben Sie ihm treu ...

Shirley MacLaine: Auch nicht!

BRIGITTE WOMAN: Warum nicht?

Shirley MacLaine: Ich war so wahnsinnig jung, gerade mal 20. Dann lebten wir ja auch nie wirklich zusammen wie ein Ehepaar. Steve arbeitete meistens in Japan, ich drehte Filme in Hollywood.

Ich war schon mehrfach auf dieser Welt.

BRIGITTE WOMAN: Ist das Ihre Vorstellung von einer Liebesehe?

Shirley MacLaine: Es ließ sich nun mal nicht anders einrichten.

BRIGITTE WOMAN: Sie hätten Ihrem Mann nach Japan folgen können!

Shirley MacLaine: Ich wollte Filme drehen und nicht Hausfrau am Herd sein! Steve hatte dafür volles Verständnis. Wir trafen uns alle paar Wochen für ein paar Tage.

BRIGITTE WOMAN: Haben Sie Ihren Mann überhaupt richtig geliebt?

Shirley MacLaine: Auf meine Art sicherlich. Sonst hätte ich mir auch kein Kind von ihm gewünscht. Denn das bedeutete ja mindestens drei Monate Arbeitspause. Sie müssen das so sehen: Steve und ich sind sehr unabhängige Menschen, die ihre Freiheit brauchen. Ich glaube, ich habe in dieser Beziehung sehr viel von meiner Mama geerbt.

BRIGITTE WOMAN: Hat sie ihren Mann denn auch betrogen?

Shirley MacLaine: Kann ich nicht mit Sicherheit sagen. Aber ich weiß, dass sie sich mit unserem Nachbarn heimlich in der Garage traf, wo die beiden knutschten. Und da war Mama schon 83!

BRIGITTE WOMAN: Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm.

Shirley MacLaine: Da haben Sie’s! Meine Eltern waren bis ins hohe Alter schrecklich eifersüchtig aufeinander. Wohl mit Recht.

BRIGITTE WOMAN: Wenn Sie zurückdenken – in wen haben Sie sich wirklich Hals über Kopf verliebt?

Shirley MacLaine: Sicher nicht in einen Mann. Ich war Zeit meines Lebens zu sehr auf meine Karriere konzentriert.

BRIGITTE WOMAN: Haben Sie je bereut, dieses starke Gefühl der Liebe nie verspürt zu haben?

Shirley MacLaine: Wie sollte ich etwas bereuen, was ich nicht kenne?

BRIGITTE WOMAN: Aber Sie lieben Ihre Tochter Sachi?

Shirley MacLaine: Wir haben eine starke Bindung.

BRIGITTE WOMAN: Bindung – oder Liebe?

Shirley MacLaine: Sachi wuchs bei ihrem Vater auf. Sie war sieben Jahre alt, als sie mit ihm nach Japan zog.

BRIGITTE WOMAN: Dann waren Sie nie eine wirkliche Mutter für sie?

Shirley MacLaine: Sachi und ich sehen uns jedes Jahr ein paar Wochen und immer zu Weihnachten.

Ich erfreue mich als Oma großer Beliebtheit.

BRIGITTE WOMAN: Haben Sie Ihr Kind denn nicht vermisst, nicht den Wunsch gespürt, mitzuerleben, wie es aufwächst?

Shirley MacLaine: Bevor Sie mir den Stempel einer Rabenmutter aufdrücken: Es gab damals gewisse Mafiadrohungen – ich hatte Angst, man würde Sachi entführen können. Diese Angst überwog alles andere. Mein Mann und ich beschlossen daher gemeinsam, unsere Tochter nach Japan zu schicken, wo sie außer Gefahr war.

BRIGITTE WOMAN: Wo lebt sie heute?

Shirley MacLaine: Glücklich verheiratet als Hausfrau und Mutter von zwei ziemlich gut geratenen erwachsenen Kindern im Osten Amerikas. In Connecticut.

BRIGITTE WOMAN: Wie machen Sie sich so als Oma?

Shirley MacLaine: Gut. Bei den vier Kindern meines Bruders Warren Beatty erfreue ich mich als Oma sehr großer Beliebtheit.

BRIGITTE WOMAN: Aber sicher nur für ein paar Stunden – dann wird es Ihnen langweilig!

Shirley MacLaine: Absolut richtig! Lange halte ich das laute Geplapper und Getobe nicht aus.

BRIGITTE WOMAN: Wie nennen Ihre Enkel Sie?

Shirley MacLaine: Granny, also Omi. Ich selbst habe mir das von ihnen so gewünscht. Wissen Sie, ich stehe absolut zu meinem Alter.

BRIGITTE WOMAN: Sie sind jetzt 72 Jahre alt.

Shirley MacLaine: Herrlich! Endlich bin ich die komische Alte, die ich immer spielen und sein wollte. Mir wird mein Alter eigentlich immer erst dann richtig bewusst, wenn ich morgens meine Yoga-Übungen mache und hinterher Mühe habe, aus dem Lotussitz wieder in die Senkrechte zu kommen.

BRIGITTE WOMAN: Was ist mit der Erotik?

Shirley MacLaine: Das letzte Mal, dass mich jemand danach gefragt hat – das war der Regisseur Oliver Stone, der wissen wollte, ob ich in meinem Alter noch Sex habe. Ich habe ihm ein Glas Rotwein ins Gesicht geschüttet. Ich sage das nur zur Vorsicht.

Ich tolle gerne mit Männern im Heu.

BRIGITTE WOMAN: Es gibt also in Ihrem Leben keinen neuen Mann?

Shirley MacLaine: Da ich immer mindestens 15 Jahre jüngere Männer bevorzugt habe, ist das heute etwas schwierig, muss ich leider zugeben.

BRIGITTE WOMAN: Was ist für Sie so schön an einem jüngeren Mann?

Shirley MacLaine: Sie sind leidenschaftlicher, hören besser zu, haben mehr Respekt und lassen sich gern von einer erfahrenen Frau leiten.

BRIGITTE WOMAN: Das heißt: Sie wünschen sich in der Erotik die Führungsrolle?

Shirley MacLaine: Das soll wohl so sein.

BRIGITTE WOMAN: Hat sich für Sie in Ihrem Alter etwas in der Erotik verändert?

Shirley MacLaine: Nein. Sollte das so sein? Wenn Sie es ganz genau wissen wollen: Ich tolle heute noch genauso gern mit einem jungen Mann im Heu herum wie früher.

BRIGITTE WOMAN: Wieso im Heu?

Shirley MacLaine: Das bietet sich in meinem ländlichen Zuhause in Neu-Mexiko an. Ich habe hier 13 Hunde, vier Pferde und einen sehr romantischen Stall. Mit reichlich Heu.

BRIGITTE WOMAN: Aber wo ist der Mann dazu?

Shirley MacLaine: Im Augenblick bescheide ich mich mit meinem Lieblingshund Terry, einem göttlichen Hund, im wahrsten Sinn des Wortes.

BRIGITTE WOMAN: Inwiefern göttlich?

Shirley MacLaine: Terry war, genau wie ich, schon einmal auf der Welt. Als der ägyptische hundeköpfige Totengott Anubis. Als Seelenführer begleitete er die Toten in die Unterwelt und überwachte als Herr der Gotteshalle die rituelle Vorbereitung der Leiche durch Mumifizierung.

BRIGITTE WOMAN: Ihr Hund Terry war also in seinem ersten Leben ein Gott – und Sie selbst?

Shirley MacLaine: Oh, ich war eine ägyptische Prinzessin. In einem früheren Jahrhundert lebte ich auch schon einmal als japanische Geisha, auserkoren, einen meiner Landsleute von der Impotenz zu heilen. Und dann war ich auch mal Aktmodell für den französischen Maler Toulouse-Lautrec.

BRIGITTE WOMAN: Das glauben Sie wirklich?

Shirley MacLaine: Ich mache zu diesem Thema keine Späße! Ich hatte so viele paranormale Erlebnisse, das erste Mal im Alter von nur sieben Jahren. Ich war schon mehrfach auf dieser Welt. Basta!

Ich versuchte, mit den Ufos Kontakt aufzunehmen.

BRIGITTE WOMAN: Sie wurden aber noch nie von Außerirdischen entführt?

Shirley MacLaine: Nein. Aber ich sah bei einer Wanderung durch Peru mehrere Ufos – es waren keine Sinnestäuschungen und auch keine Wetterballons – und versuchte, Kontakt mit ihnen aufzunehmen.

BRIGITTE WOMAN: Durch Handzeichen und Winken?

Shirley MacLaine: Quatsch, indem ich mich spirituell ganz auf die unbekannten Besucher aus einer anderen Galaxie konzentrierte.

BRIGITTE WOMAN: Bei Ihrer außergewöhnlichen Begabung, immer wieder neu geboren zu werden, müssten Sie eigentlich keine Angst vor dem Tod haben.

Shirley MacLaine: Habe ich auch nicht. Seit ich am Sterbebett meines Vaters saß und miterlebte, wie er in den letzten Minuten seines Lebens mit den Menschen sprach, die ihm viel Aktbedeutet hatten und die längst tot waren, weiß ich, dass ich nur in eine andere Dimension hinübergleite und dann als eine andere Person hierher zurückkehre.

BRIGITTE WOMAN: Warum zogen Sie aus dem luxuriösen Malibu am Pazifik weg?

Shirley MacLaine: Aus Angst, mein schönes Haus, das ich mir von meinen Filmgagen zusammengespart hatte, zu verlieren. Ich war neunmal nahe daran, neun Waldbrände kamen fast bis vor die Haustür. Das reichte mir. Ich kaufte also ein Haus hier in Santa Fe – ein Jahr später wurde es ein Opfer der Flammen. Ironie des Schicksals!

BRIGITTE WOMAN: Was tun Sie in so einer Situation: fluchen oder resignieren?

Shirley MacLaine: Ich fluche wie ein Müllkutscher. Da geht mein Temperament mit mir durch.

BRIGITTE WOMAN: Ihr Haus in Schutt und Asche – Sie zogen natürlich ins nächstbeste Hotel?

Shirley MacLaine: Keineswegs. Ich schlief draußen im Schlafsack unter dem riesigen Sternenhimmel.

BRIGITTE WOMAN: Ohne Dusche und den Komfort eines Wasserklos?

Shirley MacLaine: Brauche ich alles nicht notwendig zum Überleben. Wissen Sie, dass ich zu Fuß den 732 Kilometer langen Jakobsweg in Nordspanien abgewandert bin? Nur mit dem Nötigsten in meinem Rucksack. Ich habe die ganze Strecke in nur 31 Tagen geschafft!

BRIGITTE WOMAN: Und wozu das alles?

Shirley MacLaine: Um spirituelle Erkenntnis zu gewinnen. Auf der Suche nach Andacht, nach mir selbst. Es heißt, dass der Untergrund unter diesem Weg in direkter Verbindung zur Milchstraße steht. Darum fühlen auch viele eine ganz unglaublich starke Energie der Sterne.

BRIGITTE WOMAN: Haben Sie nicht manchmal das Gefühl, ein bisschen spinnert zu sein?

Shirley MacLaine: Nein. Aber wenn Sie glauben, ich habe einen kleinen Dachschaden – mir soll’s recht sein.

BRIGITTE WOMAN: Wenn Sie sich Ihre alten Filme anschauen, was fühlen Sie da?

Shirley MacLaine: Nichts. Für mich ist diese Frau dort auf der Leinwand eine Schauspielerin, mit der ich persönlich nichts zu tun habe.

BRIGITTE WOMAN: Kein bisschen Wehmut, wenn Sie an die junge, begehrte Frau von einst denken, die Sie einmal waren?

Shirley MacLaine: Für wie dämlich halten Sie mich eigentlich? Wer als Frau nur einen Funken Intelligenz hat, darf solche Gedanken gar nicht erst aufkommen lassen, weil sie das Leben bitter machen.

BRIGITTE WOMAN: Also ist der Blick in die Vergangenheit doch schmerzlich?

Shirley MacLaine: Gott, natürlich zwickt es ein bisschen, sich Fotos anzusehen, auf denen man jünger ist. Was der Grund ist, dass ich die vielen Alben auf dem Hängeboden in einer Truhe verstaut habe. Die Truhe ist mit einem Sicherheitsschloss versperrt, den Schlüssel habe ich weggeworfen, damit ich gar nicht erst in Versuchung komme.

BRIGITTE WOMAN: Ich glaube Ihnen kein Wort.

Shirley MacLaine: Das brauchen Sie auch nicht.

ZUR PERSON Shirley MacLaine wurde am 24. April 1934 geboren. Ihr Vater Ira Beaty war Psychologe, die Mutter Kathlyn Schauspielerin. Nach einer Theaterkarriere am Broadway wechselte Shirley Mitte der 50er Jahre nach Hollywood. Nach dem Filmdebüt in Hitchcocks "Immer Ärger mit Harry" feierte sie große Erfolge in "Verdammt sind sie alle", "Das Apartment", "Infam", "Das Mädchen Irma la Douce", "Willkommen Mr. Chance" und "Madame Sousatzka". Zuletzt war sie zu sehen in "In den Schuhen meiner Schwester" und "Wo die Liebe hinfällt". Sechsmal wurde sie für den Oscar nominiert, für "Zeit der Zärtlichkeit" hat sie ihn 1984 endlich bekommen. Shirley MacLaine ist großer Esoterik-Fan und Bestsellerautorin. Ihre bislang veröffentlichten zehn Bücher haben sich mehr als 20 Millionen Mal verkauft. Zuletzt erschienen: "Eine unsterbliche Liebe" (Goldmann), in dem sie von ihrer ungewöhnlichen Beziehung zu ihrem Hund Terry erzählt.

Interview: Jörg Bobsin Foto: Cinetext
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