Jetzt wird geschwitzt

Mit der Serie "Klimawechsel" bricht Doris Dörrie ein TV-Tabu: Sie macht vier Frauen in den Wechseljahren zu ihren Hauptfiguren. Und die schwitzen, färben sich das ergraute Schamhaar und verführen den Yoga-Lehrer.

Im öffentlich-rechtlichen Fernsehen waren Frauen über 40 bislang auf zwei Rollen abonniert: Die Tatort-Kommissarin oder die sinnsuchende Aussteigerin, die in Südafrika eine Farm erbt und nebenbei die große Liebe findet. Aber Mittvierzigerinnen, die von den Wechseljahren überrollt werden wie von einer Naturkatastrophe? Fehlanzeige. Dank Doris Dörrie wird jetzt zur besten Sendezeit geschwitzt: Das ZDF zeigt im April sechs Folgen der Serie "Klimawechsel", entstanden nach einer Idee der deutschen Regisseurin. In den Hauptrollen: Vier Münchner Lehrerinnen im Hormonchaos.

Die besten Sprüche aus der TV-Serie "Klimawechsel"

"Lass die Energy in die Eierstöcke"

Wie "Sex and the City" im Klimakterium

Lehrerin Desirée Dische (Andrea Swatzki) mit Freund Ronnie und dem kleinen Lakshmi.

Der Sender spricht von einer Art "Sex and the City im Klimakterium". Tatsächlich trägt Dörrie bei den Charakteren dick auf: Da ist Kunstlehrerin Desirée Dische (Andrea Sawatzki), deren künstlerische Ambitionen an ihrem sexsüchtigen Freund und dem gemeinsamen Kind scheitern. Außerdem die schüchterne Biologie-Lehrerin Cornelia Koch (Juliane Köhler), die mit einem Kühlschrank voller Gesichtscremes gegen das Älterwerden kämpft und sich von einem Schüler verführen lässt. Voll erwischt hat es Deutschlehrerin Angelika Arndt (Maria Happel): Sie schwitzt so stark, dass ihr Mann nachts aufs Sofa ausweicht. Er mäkelt an ihrem Aussehen, sie flüchtet sich in die mystische Welt des Islam. Und schließlich gibt es noch Mathe-Lehrerin Beate Busch (Ulrike Kriener), die sich mit einer pubertierenden Tochter und ihrem lethargischen Mann herumschlagen muss. Sie stürzt sich in eine Affäre mit Hormonyoga-Lehrer Ronnie und lässt sich ihm zuliebe sogar die Vagina straffen.

Cornelia Koch (Juliane Köhler) kann beim Putzen am besten nachdenken.

Um Klischees macht Dörrie in der Serie keinen Bogen. Im Gegenteil, sie hat offensichtlich Freude daran gehabt, sie genüsslich vor der Kamera auszubreiten. Manchmal wirkt das ein bisschen peinlich, etwa wenn Beate vor ihren Schüler die Mathe-Domina gibt oder auf der Toilette entsetzt ein ergrautes Schamhaar entdeckt. Herrlich komisch wird es dagegen, wenn Andrea Sawatzki ihrem Yoga-Freund in schönstem Bayerisch ein "Des is a Schmarrn" an den Kopf wirft und der auf Sächsisch eine Entschuldigung nuschelt, während ihr mit dem Namen Lakshmi gestrafter Sohn ununterbrochen brüllt.

Angeblich hat Doris Dörrie schon Anfragen aus den USA bekommen, dort interessiert man sich für das Konzept. Mit ihrem Holzhammer-Humor mag die neue Serie nichts für Feingeister sein. Aber eines ist sie auf jeden Fall: Eine überfällige Abwechslung zu all den toughen Kommissarinnen und den weichgezeichneten Rosamunde-Pilcher-Frauen.

"Klimawechsel" von Doris Dörrie im ZDF

Die Serie startete am 7. April um 20.15 Uhr mit einer Doppelfolge. Die nächsten Folgen werden jeweils donnerstags (am 8., 15., 22. und 29. April) um 21 Uhr gezeigt.

Text: Julia Müller Fotos: ZDF/Kerstin Stelter

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