Gedichtwettbewerb "Jahreswechsel": Die Gewinner

Hunderte von wunderschönen Gedichten zum Jahreswechsel haben uns erreicht - hier sind die Gewinner.

Was für eine Resonanz: Hunderte von Gedichten, mit Ihren Gedanken, Gefühlen und Träumen zum Jahreswechsel sind bei uns angekommen, als wir vor ein paar Wochen unseren Gedichtwettbewerb ausgerufen haben.

Das hat der BRIGITTE-WOMAN-Jury natürlich den Job nicht leichter gemacht. Es ist schier unmöglich, unter so vielen hervorragenden Gedichten sechs Beiträge als die "besten" zu prämieren. Nachdem wir die Beiträge nun in endlosen Entscheidungsrunden immer wieder laut vorgelesen, neu aussortiert und zum Teil hitzig verteidigt haben, stehen nun die Gewinner fest. Falls Ihr Gedicht nicht dabei sein sollte, können Sie sich sicher sein: Die Entscheidung war nicht leicht, und auch ohne Preis hat jeder Beitrag uns auf jeden Fall erreicht, berührt oder nachdenklich gemacht.

Noch einmal vielen Dank an alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer! Uns hat die Aktion so gut gefallen, dass bereits der nächste Gedichtwettbewerb in Planung ist.

Aufenthalt im Grand Hotel Lienz: "Silvesternacht" von Ute Anne Marie Schuster

Silvesternacht, ein letzter Kuss, es geht vorbei, was gehen muss. Es kommt hinzu, was noch nicht ist, vielleicht kommt auch, was man vermisst.

Oder aber will ich bleiben, hier an diesem öden Ort, meine Zeit mit nichts vertreiben, träumen mich wie gestern fort.

Silvesternacht, ein kleiner Schritt, ich wanke leicht, komm aus dem Tritt, ich frage mich, was will ich denn, will ich noch das, was ich schon kenn.

Oder aber will ich ändern, das was mich schon lange stört, möchte ich noch einmal leben, schmecken was mich grad betört.

Silvesternacht, ein letzter Kuss, ich wend mich ab, kenn längst den Schluss, das alte Jahr es fast vorbei, nun bitte geh und dann verzeih.

*****

Silvesternacht, ich bin allein, ein tiefer Blick, in ein Glas Wein, verloren das was einmal war, ein letzter Schluck noch an der Bar.

Diese Nacht wird auch vergehen, so wie jede Nacht verging, warum an den Himmel denken, der für uns voll Geigen hing?

Silvesternacht, ich bin allein, ich würde alles dir verzeih ?n, ich fleh dich an komm doch zurück, du warst und bist mein ganzes Glück.

Niemals werde ich mehr betteln, nie mehr weinen, nie mehr schrei ?n, doch in meinen bunten Träumen, wirst du für immer bei dir sein........

Sofa von Octopus: "Schnurrende Zeiten in der Jahreswende" von Zwischenzeitlyrik

Das schnurrende Ich der vertrauten Zeit wärmt sich unwissend am Licht der Losigkeit füllt den tönernen Krug mit blutrotem Wein hüllt sich in wollwarme Decken ein

Fast ohne Grund - nur die Fragen des Nur erfordern den Stillstand der Zeiger der Uhr Die Sicht auf das Nach und die Ahnung des Vor erwarten Verriegeln von Fenster und Tor

Das Wenden der Zeit trotz des Wissen ums Sein: in vertrauten Zeiten: Kein Ich im Dein Das zeitlose Ich macht sich schnurrend was vor verweist die Wende streng vor das Tor

Trotz Schnurren und Decken und Krügen mit Wein bricht wissend die Wende der Zeiten ein Das ahnende Vor verliert das sichtige Nach Zeiten der Losigkeit liegen brach

Das schweigende Ich der vertrauten Zeit wird kalt in der dunklen Losigkeit Es zerbricht den Krug mit dem blutleeren Wein und hüllt sich in löchrige Fetzen ein

Das Ende der Wende der Zwischenzeit ein Anfang der Zeiten - das Sein ist bereit Das Ich schnurrt weiter, macht sich nichts vor sieht sein Nach, ahnt sein Vor und öffnet das Tor

Büchergutschein: "Dat passt!", von S.Leyendecker

In das Fell, da passt die Katze, in den Spiegel passt dein Bild. Um die Luft passt die Matratze Karos passen auf den Kilt. In mancher Haut – ganz passgenau, da steckt zuweilen eine Frau.

Ins junge Jahr, passt neues Sein. Passt wachsen, blühn und Apfelduft Ein wenig Weh passt auch hinein. Erwartung passt in Neujahrsluft. In manches Herz passt noch ein Traum - die Möglichkeit hat neuen Raum.

Büchergutschein: "Durchzählen" von Gundula

Wenn's nicht so überaus unpraktisch wär', wünscht' ich, es gäb Jahreswechsel nicht mehr: Ab 1 einfach durchzählen bis "Ende offen", vermeiden den Kreislauf von Bangen und Hoffen!

...Jedes Jahr kurz vor Schluß liest man allerorten in wohlgewählten, überlieferten Worten vom Rückblick, vom Ausblick, von Anfang und Ende; alle Hoffnung legt man einem Jahr in die Hände.

Aber Glück ist oft kürzer, und Leiden braucht Zeit; es endet das Jahr, doch man ist nicht bereit einen Vorgang zu schließen, oder auch zu verzeihen - sollten wir nicht Silvester und Neujahr befreien von der Last der Bedeutung, nur mal zum Spaß? Nicht wissend, ob's gut geht, empfehl' ich uns das.

Blickt ruhig nach vorn, durchaus mehrmals im Jahr. Blickt auch zurück, zu verstehen, was war. Diese Nacht jetzt im Winter ist gar nicht so wichtig; wir können nicht wissen, ob falsch oder richtig, ob gut oder schlecht ist, was garantiert kommt: Der 32. Dezember! schwant es mir prompt.

Büchergutschein: "Silvester" von Andrea Rau

Silvester im Seniorenheim,

das Flair lädt nicht zum Feiern ein.

vorbei die Zeit, da sie voll Charme

beschwipst mit dem Gemahl im Arm

durchtanzte die Silvesternacht,

derweil es draußen kräftig kracht.

Im Heim, da herrschen andere Sitten,

zum Tango braucht man nicht zu bitten.

Kein Sektgenuss, kein Kanapee,

bloß Brote gibt’s und Fencheltee.

Um neun schon ist es totenstill,

weil man hier lieber schlafen will.

Silvester im Seniorenheim,

sie hofft, es wird das letzte sein.

Büchergutschein: "Neujahrsgeschenk" von Uwe Schwindt

Die Welt hört nicht auf sich zu drehen, die Jahre kommen und gehen, erinnern und vergessen macht sich breit, so ist nun mal der Lauf der Zeit.

Das neue Jahr ist ein Geschenk, das wir gerne annehmen, um es mit Sinn und Respekt zu durchleben.

Hält es für uns auch Leid und Freud bereit, wir werden lächeln im Moment der Endlichkeit über unseren Eintrag im Tagebuch der Ewigkeit.

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