Angela Winkler: "Ich wäre gern mal eine Femme fatale"

Die Schauspielerin Angela Winkler sagt Interviews oft spontan zu, überlegt es sich dann aber gern noch einmal anders. Diesmal nicht. Zum Glück.

BRIGITTE-woman.de: Sie haben bis jetzt nur wenige Interviews gegeben und noch nie ein Modeshooting gemacht.

Angela Winkler: Ich wollte auch diesmal schon wieder absagen.

BRIGITTE-woman.de: Haben Sie aber nicht.

Angela Winkler: Nein. Ich war wohl gerade in einer Hochstimmung, und die Stimme am Telefon klang nett. Und dann – mein Lieblingsregisseur Klaus Michael Grüber ist gestorben. Weißt du, Angela, dachte ich mir, er würde sich da oben einen abschmunzeln, wenn er dich in diesen schicken "Damenklamotten" sehen würde. Ich werde nächstes Jahr 65. Und ich bin so verdammt neugierig auf Neues. Also habe ich mir gesagt: Los! Hab Spaß!

BRIGITTE-woman.de: Ist diese 65 für Sie eine wichtige Zahl?

Angela Winkler: Nein. Ich bin aber immer noch erstaunt darüber, dass ich dann wirklich Rente kriegen soll. Da kommen jetzt dauernd diese Bescheide, ständig muss ich irgendetwas unterschreiben. Interessant ist auch, dass plötzlich viele jüngere Regisseure mit mir arbeiten wollen. Ich glaube, sie schätzen meine Neugier.

BRIGITTE-woman.de: Hat sich Ihr Äußeres, Ihr Geschmack im Laufe der Jahre verändert?

Irgendetwas Wildes muss sein.

Angela Winkler: Eigentlich habe ich mich immer so angezogen, wie ich heute noch angezogen bin: schlicht, farbenfroh. Ich mische gern Schwarz mit etwas Buntem. Irgendetwas Wildes muss sein.

BRIGITTE-woman.de: Haben Sie eine Lieblingsfarbe?

Angela Winkler: Rot. Und Blau. Schwarz. Und Weiß und Grün...

BRIGITTE-woman.de: Und Lila? Ist gerade sehr in Mode.

Angela Winkler: Lila ist ja eigentlich eine Farbe für ältere Frauen. Ich habe sie nie besonders gemocht. Erinnert auch an Waldorfschule. Aber sie strahlt eine Tiefe, eine Dramatik, etwas Gelebtes aus. Besonders in dieser Wildnis hier. Die Auvergne ist für mich ein Auberginenland. Wenn der Abend kommt und das Licht über die Hügel streicht, ist hier alles in Aubergine eingehüllt. Finden Sie das nicht auch?

BRIGITTE-woman.de: Ja, ein ganz weiches, warmes Licht.

Angela Winkler: Für mich ist die Auvergne ein Kindheitsland. Hier wachsen noch alle Blumen, die ich aus Kindertagen kenne: Akelei, Trollblumen, Weidenröschen...

BRIGITTE-woman.de: Aber die nächsten Jahre werden Sie nicht hier verbringen, sondern in der Bretagne.

Angela Winkler: Ich liebe die Auvergne sehr, hier komme ich wunderbar zur Ruhe. Hier habe ich den "Hamlet" auswendig gelernt. Aber ich liebe auch das Meer. Es ist immer in Bewegung. Geht und kommt wieder, nimmt weg und gibt... Und nach den Stürmen die Stille. Ich brauche diese Freiheit der Natur für meine Arbeit.

BRIGITTE-woman.de: Wie sehr brauchen Sie Kleider, Kostüme, um in andere Rollen schlüpfen zu können?

Angela Winkler: Sie sind ganz wichtig. Ich habe mir meine Kostüme fast immer selbst ausgesucht. Regisseure wie Peter Zadek oder Klaus Michael Grüber haben das unterstützt. Da habe ich mir mein Bühnenoutfit dann zum Beispiel bei H&M zusammengesucht, oft noch Ärmel abgeschnitten oder drangehäkelt. Erst dann war es wirklich "meins".

BRIGITTE-woman.de: Und wenn man Ihnen etwas anzieht, bei dem Sie nicht mitreden können?

Die Rollen passten immer zu meinem Lebensgefühl.

Angela Winkler: Wenn ich die Jenny aus der "Dreigroschenoper" in der Inszenierung von Bob Wilson spiele, muss ich auf wahnsinnig hohen Prada-Schuhen stehen, auf denen ich nur ganz wackelig laufen kann. Das finde ich aber toll. Ich kann die Schuhe benutzen, um die Figur noch besser darzustellen. Die Jenny ist so zerrissen, sie kann sich nur gerade noch halten: bloß nicht stolpern. Bloß nicht zugeben, dass es ihr dreckig geht. Die Königin der Straße bleiben.

BRIGITTE-woman.de: Gibt es eine Rolle, die Sie unbedingt noch spielen möchten?

Angela Winkler: Bis jetzt war es immer so, dass die Rollen auf mich zukamen. Und sie passten immer genau zu meinem Lebensgefühl. Ich frage mich eher: Was kann ich in meinem Alter überhaupt noch spielen? Die Arkadina in der "Möwe" von Tschechow vielleicht. Oder die Medea. Oder...

BRIGITTE-woman.de: Und welche Rolle spielt Mode derzeit in Ihrem Leben?

Angela Winkler: Keine große... Vor allem möchte ich nicht "modisch" aussehen, sondern so, als hätte ich meine Mode selbst gemacht. Ich weiß, was mir steht. Ich kenne ja meinen Körper.

BRIGITTE-woman.de: Interessiert Sie Mode überhaupt?

Angela Winkler: Ich lese keine Modemagazine. Aber manchmal stehe ich vor Schaufenstern, gucke, was gerade so in ist, und wenn dann noch diese Frauen vorbeilaufen, die wie Mannequins aussehen, bin ich ganz fasziniert. Das ist wie Theater.

BRIGITTE-woman.de: Welches Stück sehen Sie sich im Mode-Theater am liebsten an?

Angela Winkler: Ich mag diese klassischen Kostüme, wie Lauren Bacall sie trug oder Ingrid Bergman in "Casablanca". Manchmal wünschte ich, ich wäre so eine Femme fatale, so eine Unnahbare.

BRIGITTE-woman.de: Glauben Sie, dass Kleidung einen Menschen verändern kann?

Angela Winkler: Es heißt ja: Kleider machen Leute. Ich mag dieses Märchen von Andersen. Aber ich glaube, ich brauche Kleidung einfach nicht, um mich sexy zu fühlen oder um Menschen zu überzeugen. Genauso, wie ich kein Handy brauche. Die Leute, die wirklich an mir interessiert sind und mit mir sprechen wollen, finden mich auch so.

Angela Winkler

Angela Winkler, Jahrgang 1944, begann als Theaterschauspielerin u.a. an der Berliner Schaubühne, bevor sie in den 70er Jahren für den Film entdeckt wurde. Unvergessen sind ihre Rollen in Volker Schlöndorffs und Margarethe von Trottas "Die verlorene Ehre der Katharina Blum" (1975) oder in "Die Blechtrommel" (1979). Angela Winklers Leidenschaft blieb aber immer das Theater, sie spielte unter berühmten Regisseuren wie Peter Stein, Peter Zadek oder Klaus Michael Grüber. Angela Winkler hat vier Kinder und mit ihrem Mann, dem Bildhauer Wiegand Witting, schon an den unterschiedlichsten Orten dieser Welt gelebt, u.a. in der Auvergne.

Interview: Sina Teiglkötter Foto: Jim Rakete
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