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Kurzzeitpflege: Die Kosten im Überblick

Kurzzeitpflege: Seniorin mit Pflegerin
© Zurijeta / Shutterstock
Die Krankenhäuser sind voll und viele Patienten werden spätestens eine Woche nach ihrer Operation entlassen. Nicht immer ist nach so einer kurzen Genesungszeit der Alltag zu Hause bestreitbar. Daher wählen einige die Option der Kurzzeitpflege, um sich in Ruhe generieren zu können. Auch gehen Pflegebedürftige in die Kurzzeitpflege, wenn ihre Angehörigen verhindert sind. Doch wer übernimmt die Kosten bei der Kurzzeitpflege? Gibt es Unterschiede zwischen Menschen mit und ohne Pflegegrad? 

Was kostet die temporäre Pflege?

Der Tagessatz für die Kurzzeitpflege variiert je nach Pflegeaufwand. So liegen die Kosten zwischen 63 Euro für jemanden mit Pflegegrad 2 und 92 Euro bei Pflegegrad 5. Die genannten Tageskosten sind jedoch nur als Richtwerte zu sehen. Die tatsächlichen Kosten können über dem Tagessatz liegen, da die Preise in den Regionen Deutschlands unterschiedlich ausfallen. 

In die Tageskosten der Kurzzeitpflege fallen nicht nur die Pflegekosten hinein, sondern auch sogenannte "Hotelkosten" – also die Kosten für Unterkunft und Verpflegung sowie mögliche Investitionskosten. Hierbei liegt der Tagessatz bei etwa 35 Euro, auch hier variieren die Kosten je nach Einrichtung und können höher ausfallen.

Wer übernimmt die Kosten für Kurzzeitpflege?

Die Kurzzeitpflege bietet, wie der Name bereits sagt, eine zeitweise Pflege eines Kranken oder Pflegebedürftigen. Wer über einen kurzen Zeitraum Pflege benötigt, jedoch niemanden für die Pflege hat, kann in die Kurzzeitpflege gehen. So überbrücken einige Menschen den Zeitraum zwischen Krankenhausaufenthalt und Beginn der Reha mit der Kurzzeitpflege. Grundsätzlich dient die Kurzzeitpflege jedoch dazu, pflegende Angehörige zu entlasten. 

Die Kosten dafür trägt die Pflegekasse, jedoch nur für Menschen, die in Pflegegrad 2 und höher eingestuft sind. Dabei werden Kosten von maximal 1612 Euro für die soziale Betreuung und medizinische Behandlungspflege von der Pflegekasse übernommen. Die Kosten sind nicht selten nach wenigen Wochen bereits aufgebraucht. Alles, was darüber liegt, ist der Eigenanteil. Gleiches gilt für die anfallenden Kosten für Unterkunft und Verpflegung.

Die Kurzzeitpflege ist begrenzt und kann maximal acht Wochen im Jahr genommen werden. Nach den 56 Tagen ist das Kontingent aufgebraucht und muss in Eigenleistung bezahlt werden. Zudem können Pflegebedürftige mit Pflegestufe 2 und höher zusätzlich zur Kostenübernahme der Kurzzeitpflege die Verhinderungspflege im Anschluss beantragen. 

Was ist mit Menschen ohne Pflegegrad bzw. mit Pflegegrad 1?

Wer mit Pflegegrad 1 eine Kurzzeitpflege benötigt,  kann dies mit den Leistungen aus dem Entlastungsbetrag finanzieren. Die Höhe beträgt 125 Euro. Auch Pflegebedürftige der höheren Pflegegrade können zusätzlich zu den 1612 Euro versuchen, sich über den Entlastungsbetrag Kosten für Unterkunft und Verpflegung sowie die Investitionskosten erstatten zu lassen. 

Seit dem 1. Januar 2016 können auch Menschen ohne Pflegestufe eine Kurzzeitpflege in Anspruch nehmen und müssen nicht zwangsläufig alle Kosten als Eigenanteil tragen. Vor 2016 wurden Menschen ohne Pflegegrad komplett von der Kurzzeitpflege ausgeschlossen. Dies stellte jedoch eine erhebliche Versorgungslücke für Menschen dar, die durch Krankheit oder einen Unfall kurzzeitig auf eine Pflege angewiesen waren. Bei Menschen ohne Pflegegrad, die durch eine plötzliche Pflegebedürftigkeit auf Kurzzeitpflege angewiesen sind,  übernimmt nicht die Pflegekasse die Kosten, sondern die Krankenkasse. Wichtig: Es werden nur die Kosten für die anfallenden Pflegeleistungen übernommen. Unterkunft, Verpflegung sowie die Investitionskosten sind vom Patienten in Eigenleistung zu tragen. 

Krankenkasse übernimmt nicht alle Kosten

Leider gibt es häufig immer noch Missverständnisse bei der Übernahme der Kosten. So verschreiben oftmals Ärzte eine Kurzzeitpflege, ohne darauf hinzuweisen, dass es zu großen oder ganzen Teilen eine Eigenleistung ist. Viele denken, dass die Kosten dementsprechend von der Krankenkasse für die Kurzzeitpflege übernommen werden. Doch trotz ärztlich verordneter Leistung handelt es sich um einen sehr hohen Eigenanteil, der auf einen zukommt. Wer in Pflegegrad 2 oder höher eingestuft wurde, bekommt zumindest eine Kostenübernahme von 1612 Euro von der Pflegekasse – der verbleibende Eigenanteil lässt sich mit einer rechtzeitig abgeschlossenen privaten Pflegezusatzversicherung verringern. Menschen ohne Pflegegrad bekommen diese Kostenübernahme leider nicht und werden oftmals im Vorfeld nicht vom Arzt darüber informiert.

Wer nur geringe Einnahmen und Ersparnisse hat – sei es ein Rentner oder jemand mit geringem Einkommen – kann beim zuständigen Bezirk eine Kostenübernahme beantragen. Wichtig zu beachten ist jedoch, dass der Antrag vor dem Beginn der Kurzzeitpflege erfolgen muss. Neben der Kostenübernahme durch das Sozialamt gibt es auch die Möglichkeit, dass die Kosten auf Angehörige umgelagert werden. Wer jedoch bei der Unterbringung in der Kurzzeitpflege Sonderwünsche wie ein Einzelzimmer hat, muss dies aus eigener Tasche bezahlen.

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