Ist Gold eine gute Wertanlage?

Soll ich mein Gold verkaufen? Welches Einkommen zählt bei einer Scheidung? Was ist bei Wertpapierdepots in der Schweiz zu befürchten?

Gold-Hausse: Soll ich jetzt meinen Schmuck verkaufen?

Frage: Viele meiner Bekannten kaufen wie wild Gold, obwohl der Preis jetzt schon so hoch ist. Ich denke eher an das Gegenteil: Lohnt es sich vielleicht gerade jetzt, Gold zu verkaufen - z. B. all jene Schmuck- stücke, die ich sowieso nie mehr tragen werde?

Helma Sick: Ich betrachte Gold keinesfalls als die sichere Geldanlage, die viele in diesem Rohstoff sehen. Es ist immer auch ein Spekulationsobjekt und vor allem eine Krisenanlage für viele, die während der Finanzkrise in Panik geraten sind. Das hat den Preis dann ja auch so enorm in die Höhe getrieben. Wenn Sie keine Angst vor "schlechten Zeiten" haben, ist es sicherlich sehr vernünftig, den hohen Goldpreis zum Verkauf von Schmuckstücken zu nutzen, die offenbar bei Ihnen sonst nur in der Schublade liegen.

Schiffsbeteiligung: Ist mein Geld in Gefahr?

Frage: Vor einiger Zeit habe ich mit meiner Schiffsbeteiligung noch gut verdient. Nun steht in den Zeitungen, dass selbst große Reedereien kurz vor der Pleite stehen und dass angelegtes Geld verloren ist. Was meinen Sie, was soll ich tun?

Helma Sick: Keine Frage: Seriöse Schiffsbeteiligungen sind seit vielen Jahren lohnende Investments. Schließlich werden über 90 Prozent des Welthandels über Schiffe abgewickelt. Aber die Wirtschaftskrise wirkt sich natürlich auf die Auslastung von Schiffen aus - und damit auch auf Renditechancen beziehungsweise auf Risiken, die jede unternehmerische Beteiligung mit sich bringt. Durch Ihre Investition finanzieren Sie ja praktisch mit anderen zusammen ein oder mehrere Schiffe. Aber: Längst nicht alle Schiffsbeteiligungen sind gleichermaßen gebeutelt. Containerschiffe beispielsweise trifft die Krise noch stärker als Tanker und Massengutfrachter. Und Beteiligungen an einem Pool unterschiedlicher Schiffe sind in der Regel weniger stark unter Druck als Investitionen in Einzelschiffe.

Meine Meinung: nur keine Panikreaktion. Die Märkte werden sich auch wieder erholen. Wie die unabhängige Analyseagentur Fondsmedia meldet, sind immerhin 93 Prozent aller Schiffsfonds im Plus. Wenn Sie also von vornherein eine längere Anlagezeit eingeplant haben, warten Sie am besten einfach ab.

Unterhalt: Zählt das aktuelle Einkommen?

Frage: Wegen meiner drei Kinder war ich (52) nie erwerbstätig. Vor zwei Jahren hat mein Mann im Einvernehmen mit mir entschieden, seine Tätigkeit als angestellter Arzt im Krankenhaus aufzugeben und sich als Kardiologe niederzulassen. Eine günstige Praxis fand sich aber erst, als wir uns getrennt haben - nach 28 Ehejahren. . . Jetzt läuft die Scheidung, und mein Mann will lediglich entsprechend seinem früheren Verdienst Unterhalt zahlen. Ich meine, ich müsste an seinem viel höheren Einkommen aus der Arztpraxis partizipieren. Wer hat recht?

Helma Sick: Sie haben recht! Weil die Praxisgründung schon früher geplant war (und auch ohne Trennung stattgefunden hätte), konnten Sie als Ehepaar für die Zukunft durchaus mit einem höheren Einkommen rechnen. Das wiederum führt in der Regel dazu, dass sich auch der Lebensstandard entsprechend ändert. Ein Beispiel: Nehmen wir an, Ihr Mann hat als Oberarzt in der Klinik etwa 4000 Euro netto verdient und zahlt 600 Euro monatlich für Ihren Sohn, der noch studiert. Dann hätten Sie jetzt Anspruch auf etwa 1500 Euro Unterhalt. Kommt er als selbständiger Kardiologe auf ein monatliches Nettoeinkommen von 6000 Euro, gehen davon monatlich 700 Euro an Ihren Sohn und etwa 2380 Euro an Sie. Anders wäre es, wenn Ihr Mann erst nach der Trennung - oder sogar erst nach der Scheidung - auf die Idee gekommen wäre, sich niederzulassen. Dann würde man von einem so genannten Karrieresprung sprechen, von dem Sie als geschiedene Ehefrau nicht profitieren würden.

Schweizer Depot: Muss ich mir Sorgen machen?

Frage: Mein Freund hat ein Wertpapierdepot in der Schweiz. Ich weiß aber nicht, ob das offiziell ist oder nicht. Jetzt bin ich sehr in Sorge, weil man ja ständig etwas hört von CDs mit den Namen von Steuerhinterziehern, von hohen Geldstrafen oder Gefängnis. Was wäre denn im schlimmsten Fall überhaupt zu befürchten?

Helma Sick: Wer ein Depot in der Schweiz besitzt, ist nicht automatisch ein Steuerbetrüger. Alle Bundesbürger können auch im Ausland Geld anlegen, wo immer sie wollen - in der Schweiz genauso wie in Österreich oder Liechtenstein, Singapur oder Kanada. Die Schweiz ist beliebt, weil dieses Land noch nie Krieg geführt hat, weil es weder mit Hyperinflation noch mit Währungsreformen fertig werden musste und weil der Schweizer Franken zu den stabilsten Währungen der Welt gehört. Dass ein Schweizer Depot zum Steuerbetrug missbraucht werden kann, lässt sich nicht be- streiten. Aber wenn Ihr Freund seine sämtlichen ausländischen Erträge in der Steuererklärung angibt, ist alles in Ordnung.

Helma Sick führt in München ihr Unternehmen "frau & geld" gemeinsam mit Renate Fritz. Weitere Tipps finden Sie auf ihrer Homepage.

Redaktion: Barbara Voigt Mitarbeit: Roswitha Wolff, Fachanwältin für Familienrecht Illustration: Anne Mair
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