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Geschafft - und jetzt wird gefeiert!


Nicht nur zu Neujahr sollten wir zurückschauen. Es gibt schon während des Jahres genug Anlässe, um einmal innezuhalten. Sieben Momentaufnahmen von Menschen, die genau das getan haben.

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"Da habe ich begriffen, dass alles wahr geworden ist. Und das habe ich mir vorher nie vorstellen können."

, 10, hat in einem Theaterstück neben den Fernsehstars Suzanne von Borsody und Ulrike Folkerts eine Hauptrolle gespielt: "Meine Theater-Lehrerin hat mich zum Casting für das Stück 'Spurensuche' angemeldet. Als ich die erste Auswahlrunde geschafft hatte, habe ich mich ganz doll gefreut. Nach der zweiten habe ich mich noch ein bisschen doller gefreut. Ich war dann schließlich einer von drei Jungen, die für die Rolle besetzt wurden. Es war aufregend, zwei richtige Fernsehschauspielerinnen kennen zu lernen. Meinen Text zu lernen, fand ich gar nicht so schwer. Der Regisseur hat mich gut angeleitet und mir gesagt, wie ich mich bewegen und was für einen Gesichtsausdruck ich machen soll. Bei der Premiere war ich ein bisschen aufgewühlt, aber nach meinen ersten Sätzen nicht mehr so sehr."

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"Die ersten Monate nach der Geburt waren eine große Umstellung. Mittlerweile verstehen wir den Kleinen viel besser - als ob wir langsam eine Sprache sprechen."

Alexandra Reißmann, 35, und Matthias, 39, haben Caspar zur Welt gebracht: "In allen Zeitungen steht, es sei das Schönste, ein neugeborenes Kind im Arm zu halten, aber ich war einfach nur froh, dass es vorbei war", sagt Alexandra. "Die Schmerzen waren heftig. Ich war so fix und fertig. Da hat es mir sehr geholfen, dass mein Mann dabei war."

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"Brasilien - da tanzen wir an jeder Ecke, bei jeder Feier. Tanz ist mein Leben, schon seit ich acht Jahre alt bin."

Miriam da Silva, 52, Tanzlehrerin, hat einen großen Samba-Zug beim Hamburger Festival der Kulturen gemanagt: "Bei der Vorbereitung habe ich 50 Leute koordiniert. Wir haben die Stoffe gekauft, 30 Meter von jeder Farbe, und die Kostüme geschneidert. Dann habe ich die Tanzchoreografie entwickelt und mit den Tänzern geprobt. Ein Jahr lang habe ich jede Woche 20 Stunden neben meiner eigentlichen Arbeit in die Vorbereitungen zum Umzug investiert. Dann hat eine Tanzgruppe auf den letzten Drücker abgesagt. Und ich musste innerhalb von zwei Wochen sechs neue Leute finden und trainieren. Es war manchmal einfach zu viel. Doch als es losging und ich den Zug angeführt habe, habe ich die Freude in den Gesichtern der Zuschauer gesehen. Und da war ich erleichtert; denn ich wusste: Du hast es geschafft."

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"Die Malerei ist wie ein Existenzkampf, als wenn man immer unter der Wasseroberfläche schwimmt. Bis man sie durchstößt, rauskommt und endlich durchatmen kann. Das ist wie eine Befreiung."

Katharina Duwe, 57, hat den Durchbruch beim Malen eines komplizierten Bildes geschafft: "Es gibt immer einen Punkt, an dem ich das Gefühl bekomme, jetzt bin ich völlig festgefahren", erzählt die Künstlerin. "Und dann kommt wieder ein Punkt, an dem man denkt, das könnte jetzt die Lösung sein. Bei diesem Bild war das mit den weißen Blüten so, die eine neue Ebene aufgemacht und das Bild geöffnet haben."

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"Plötzlich war die lange Zeit der Anspannung vorbei. Und das schafft eine unglaubliche Erschöpfung und innere Zufriedenheit. Ein grandioses Gefühl!"

Kristin Drechsler, 43, hat beim Marathon trotz hoher Temperaturen das Ziel erreicht: "Das war mein dritter Marathon, und das Wetter war extrem warm. Das hat auch dazu geführt, dass viele Leute ihre Bestzeiten nicht gelaufen sind. Die Sonne stand hoch, und es waren über 23, 24 Grad. Die Läufer sind reihenweise an den Trinkstellen kleben geblieben. Und am Ziel hat es unglaublich viele Kreislaufprobleme und Kollapse gegeben. Das hat mir auch zu schaffen gemacht, zumal ich eine leichte Grippe hatte. Ich wollte eigentlich 3:40 laufen, ich bin dann 3:45 gelaufen, fünf Minuten besser als mein letzter Lauf. Da war ich sehr zufrieden."

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Dass meine Familie jetzt glücklich ist, freut mich sehr. Mein Sohn ist gut in der Schweiz angekommen. Mein Mann auch. Und meine Arbeit ist prima.

Sabine Kalkhoff, 47, hat neben ihrem 40-Stunden- Job für ein Abendstudium gebüffelt, eine Masterarbeit geschrieben und den kompletten Umzug mit der Familie ins Ausland organisiert: "Mein Mann Martin hat mir zwei Jahre lang den Rücken gestärkt und mich abends gut versorgt mit leckerem Essen. Und auch Lino hat viel Geduld bewiesen, dass seine Mutter nicht so viel Zeit für ihn gehabt hat. Gegen Ende des Studiums habe ich einen neuen Job gefunden, in der Schweiz. Als Leiterin für Qualität und Entwicklung an einem Spital. Und das war zum Schluss noch mal der letzte Gipfel vom Berg... dann, wenn man schon müde ist, noch mal einen ganzen Umzug in ein anderes Land zu organisieren. Ich hätte das ohne die beiden nicht geschafft. So habe ich erfahren, dass ich gemocht und getragen werde. Und so konnte ich das durchstehen."

Protokolle: Bernhard Lill Fotos: Christian Charisius Produktion: Bettina Lambrecht

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