Wohnprojekte - Gemeinsam alt werden

Wann ist der richtige Zeitpunkt darüber nachzudenken, wie man im Alter wohnen möchte? Längst gibt es nicht mehr nur die typischen Altenheime. Wohnprojekte bieten Alternativen. Lesen Sie hier, welche Wohnprojekte es gibt und welche Vorteile sie haben.

Im Hof lachen Kinder, Horst flucht lauthals, während er sein Motorrad repariert und die Küche ist seit Stunden belegt, weil Silke und Martha neue Rezepte ausprobieren. Trubel hält fit, aber nicht jeder hat Lust auf so viel Gemeinschaft. Jeder kann selbst bestimmen, wie viel Raum zum Rückzug er benötigt.

gibt es viele und sehr unterschiedliche. Und gerade die Zeit nach der Berufstätigkeit bietet Raum für Veränderung, für eine Neuorientierung. Warum nicht die Gelegenheit nutzen und einen Umzug in eines der vielen Wohnprojekte wagen? Wenn nicht länger Kinder und Job im Mittelpunkt stehen, bleibt mehr Aufmerksamkeit für einen selbst, für neue Aufgaben und andere Formen des Miteinanders.

  • Der richtige Zeitpunkt für eine Umorientierung ist individuell. Wichtig ist es, sich überhaupt damit auseinanderzusetzen, sich zu fragen, ob Wohnprojekte überhaupt infrage kommen.
  • Wer seine Wünsche konkret formuliert, findet leichter passende Wohnprojekte. Nicht jeder ist für das Leben in einer großen Gemeinschaft geeignet.
  • Besonders wer ein geringes Budget zur Verfügung hat, sollte früh anfangen sich über Wohnprojekte zu informieren und einen genauen Zeitplan machen.

Was sind Wohnprojekte?

Bei Wohnprojekten gibt es zwischen den Bewohnern eine Gemeinsamkeit, eine Philosophie, die alle zusammenhält (Bio, Vegetarier, Mehrgenerationen, Frauen, Religion) – oft über Altersgrenzen hinaus. Die Wohnprojekte können die Großfamilie, wie es sie früher gab, ersetzen. Mit dem Unterschied, dass jeder selbst bestimmen kann, mit wem er zusammenleben möchte.

  • Wer möglichst früh bei einem der Wohnprojekte dabei ist, kann die Wohnanlage nach seinen Vorstellungen mitgestalten.
  • Nicht immer bietet sich ein bestehendes Angebot an. Wer für sich trotzdem die Ideallösung finden möchte, kann Eigeninitiative ergreifen und ein eigenes Projekt starten. Das erfordert viel Engagement, Vorlaufzeit und Konfliktbereitschaft.
  • Die Fördermittel für Wohnprojekte sind begrenzt. Was die Kosten angeht, unterscheiden sich Wohnprojekte jedoch kaum vom Leben in einer "normalen" Wohnung.
  • Bisher gibt es für Interessierte nur wenig Beratung über Wohnprojekte. Eine Anlaufstelle ist das Forum Gemeinschaftliches Wohnen

Zurück in die WG

Wer sich schon zu Studentenzeiten partout nicht vorstellen konnte, eine Wohnung mit anderen zu teilen, wird auch jetzt kaum für solche Wohnprojekte zu begeistern sein. Aber die Wohngemeinschaft bietet im Alter viele Vorteile. Besonders die Generation, die das WG-Leben aus ihrer Jugend kennt, ist für das WG-Leben sehr offen.

  • Die Bewohner sollten sich vorher intensiv kennen lernen. Am besten mehrere Tage miteinander verbringen, um auszuprobieren, ob sie sich das Zusammenleben vorstellen können.
  • Vor allem Alleinlebende und speziell Frauen entscheiden sich für das WG-Leben. Aber auch für Paare können Wohnprojekte eine Bereicherung sein.
  • Die WG-Mitglieder sollten Einzelmietverträge abschließen. Das macht die einzelnen Mieter der Wohnprojekte flexibel und gleichberechtigt.
  • Bei einer gemeinsamen Haushaltskasse steigen die finanziellen Möglichkeiten: Haushaltshilfe, Lebensmittellieferservice (www.doit24.de, www.food-shop24.de, www.kaisers.de), Reinigungskraft, bessere Lage ...
  • Innerhalb der WG sind eigene Rückzugsräume wichtig. Manchmal bietet sich zum Beispiel auch ein eigenes Badezimmer an.
  • Die WG-Bewohner sollten sich gemeinsam auf eine mögliche Pflegebedürftigkeit im Alter vorbereiten und das Thema zusammen angehen. Eine Möglichkeit ist langfristig eine betreute Wohngemeinschaft.

Die eigene Wohnung in der Hausgemeinschaft

Wem die Wohngemeinschaft einen Schritt zu weit in die Privatsphäre geht, der kann sich vielleicht mit der Idee der Hausgemeinschaft anfreunden. Viele Wohnungsbaugesellschaften haben das Potenzial erkannt und richten diese Form der kommerziellen Wohnprojekte ein. Es gibt aber auch die Möglichkeit, dass ganze Siedlungsgemeinschaften altern und die Infrastruktur "nachgerüstet" wird.

  • Jeder hat seinen eigenen Wohnbereich und kann unverbindlich die Balance zwischen Privatsphäre und Austausch bestimmen.
  • Nachbarschaftshilfe ist ein wichtiger Bestandteil dieser Wohnprojekte, ebenso gemeinsame Aktivitäten.
  • Oft liegen Haus- und Siedlungsgemeinschaften in den Händen von Wohnungsbaugesellschaften. Die Organisation ist damit zentral.
  • Diese Projekte sind eine Alternative zum Pflegeheim – mit mehr Selbstbestimmung. Denn auch hier gilt das Heimrecht mit seinen Anforderungen an Personal und Gebäude.

Individuelle Betreuung in den eigenen vier Wänden

Weil die Zahl älterer Menschen die Plätze in Pflegeheimen und Hausgemeinschaften übersteigt, gibt es in vielen Städten Wohnungen speziell für Ältere – losgelöst von ganzen Haus- oder Siedlungsgemeinschaften. Dort ist Pflege und Betreuung jederzeit abrufbar.

  • Die Betreuung ist individuell und kann nach Bedarf abgerufen und gesteigert werden. Ein Rund-um-die-Uhr-Service ist allerdings nur schwer möglich.
  • Das Angebot steigt, allerdings gibt es keinen einheitlichen Standard. Vergleiche sind schwierig und nicht immer ist ersichtlich, was zu den Grundleistungen gehört. Deshalb: Angebote sorgfältig prüfen.
  • Kauf- beziehungsweise Mietpreis sind relativ hoch, da die bestehende Struktur mitbezahlt wird.

Nah bei den Profis und trotzdem für sich

In manchen Fällen richten Pflegeheime abgekoppelte Appartements ein. Diese Wohnprojekte heißen "Altenwohnanlage" oder "Altendorf" und sind nicht sehr weit verbreitet.

  • Häufig werden die Anlagen subventioniert. Die Preise sollten sich deshalb im Rahmen halten.
  • Bei der Anmeldung wird oft eine größere Summe als Einlage bezahlt. Das garantiert lebenslanges Wohnrecht bei gleich bleibender Miete.
  • Das Angebot ist gering und die Wartelisten lang. Die Chance in einer solchen Anlage einen Platz zu ergattern ist deshalb gering.

Die Luxusvariante der Wohnprojekte: Seniorenstift

Wer es sich leisten kann, reserviert sich einen Platz in einem der gehobenen Wohnstifte. Experten kritisieren allerdings, dass Rundum-Service und Überversorgung die Alterung fördern, Selbstständigkeit geht verloren.

  • Die Wohnungen befinden sich in bester Lage mit guter Infrastruktur und Rundum-Betreuung.
  • Gesellschaftliche und kulturelle Veranstaltungen gehören zum Angebot, genauso Freizeitangebote wie Sauna, Schwimmbad usw.
  • Diese Wohnprojekte arbeiten mit All-inclusive-Paketen. So werden Leistungen mitbezahlt, die die Bewohner überhaupt nicht benötigen. Das bietet eine Sicherheit, macht das Angebot allerdings kostspielig.
  • Eine Beurteilung ist schwierig, Online-Kritiken können allerdings helfen. Auch Siftung Warentest hat einige Seniorenresidenzen beurteilt.

Infos: "Leben und Wohnen im Alter", Stiftung Warentest, Kuratorium Deutsche Altershilfe, Bertelsmann Stiftung

Text: Anna Frey Foto: Getty Images Quelle: "Leben und wohnen im Alter", Stiftung Warentest, Kuratorium deutsche Altershilfe
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