Zehn Fragen zum Geld

Beantwortet von Helma Sick, unabhängige Finanzexpertin in München.

Neue Regeln für Auslandskonten?

Wir haben ein Wertpapierdepot in der Schweiz geerbt. Alles ganz legal, mit Steuerhinterziehung hat das nichts zu tun. Angeblich soll es für Auslandsgeld demnächst irgendwelche anderen Bestimmungen geben. Ab wann wäre das - und womit muss ich dann rechnen?

Sie meinen vermutlich die Richtlinie über Zinsbesteuerung in der EU, die am 1. Juli 2005 in Kraft tritt. Um Steuerhinterziehung zu vermeiden, können EU-Mitgliedsstaaten untereinander künftig entsprechende Informationen austauschen. Anlegerinnen oder Anleger haben die Wahl zwischen einem automatischen Zinsertragsteuerabzug oder einer Weitergabe der Daten. Und dies gilt auch für die Schweiz.

Wenn Sie sich für eine Kontrollmitteilung entscheiden, meldet die Bank Kontonummer, Namen und Adresse sowie die Höhe der Zinserträge an eine Schweizer Behörde weiter, die dann wiederum das deutsche Finanzamt informiert. Wählen Sie stattdessen den automatischen Steuerabzug, beträgt der zunächst 15 Prozent. Von 2008 bis 2010 steigt er auf 20 und ab 1. Juli 2011 auf 35 Prozent. Dies kann später dann mit der deutschen Einkommensteuer verrechnet werden.

Steuern auf private Rente?

Vor vielen Jahren habe ich eine private Rentenversicherung abgeschlossen. Die wird monatlich ausgezahlt, sobald ich 65 bin. Aber jetzt soll die Rente zu 50 Prozent versteuert werden. Stimmt das?

Diese Besteuerung, die im Laufe der Jahre übrigens schrittweise ansteigt, betrifft nur die gesetzliche Rente, die neue Basis-("Rürup"-)Rente sowie Renten aus berufsständischen Versorgungswerken. Private Renten dagegen werden auch weiterhin mit dem so genannten Ertragsanteil besteuert, der inzwischen sogar deutlich niedriger ist als früher. Das heißt: Mit 65 werden bei Ihnen nur 18 Prozent Ihrer Rente als steuerpflichtiges Einkommen angesehen. (Dies gilt übrigens für alte und für neue Verträge.)

Ein Beispiel: Wenn Sie 1000 Euro zusätzliche Rente erhalten, müssten Sie davon nur 180 Euro versteuern. Da Sie ja außerdem noch Freibeträge haben, fällt in den meisten Fällen gar keine Steuer für diese Rente an.

Wird die Wohnung zu teuer?

Ich bin alleinstehend und wohne in einer schuldenfreien kleinen Eigentumswohnung. Damit spare ich zwar die Miete, habe aber hohe Nebenkosten. In acht Jahren bekomme ich grade mal 700 Euro Rente. Geldanlagen oder Versicherungen habe ich nicht, weil alles in die Wohnung gegangen ist. Ob das wirklich schlau war? Kann ich jetzt etwas tun, um später über die Runden zu kommen?

Sie könnten die Wohnung verkaufen und sich eine günstige Mietwohnung suchen. Wenn Sie den Verkaufserlös gut anlegen, haben Sie aus Zinsen und Ausschüttungen zusätzliche Einnahmen. Oder Sie zahlen das Geld in eine private Rentenversicherung ein, aus der Sie dann eine lebenslange Rente beziehen.

Eine andere Möglichkeit: Sie verkaufen die Wohnung gegen eine lebenslange Leibrente und lassen sich ein Wohnrecht einräumen. Mit Ihrem Ableben geht die Wohnung dann auf die Käuferin oder den Käufer über. Die Schwierigkeit ist allerdings, jemanden zu finden, der bereit und in der Lage ist, die eingegangene Verpflichtung zu erfüllen, solange Sie leben.

Gold oder Geld?

Nach den Terroranschlägen vom 11. September habe ich sicherheitshalber Goldbarren gekauft, weil ich nicht wusste, wie alles weitergeht. Obwohl der Goldpreis jetzt steigt, mache ich aber kaum Gewinn. Hat diese Anlage für mich denn überhaupt einen Sinn?

Der Goldpreis wird in US-Dollar berechnet. Und durch die Kurssprünge der amerikanischen Währung ist der Besitz von Goldmünzen und -barren für Europäer/innen in der Tat wenig ertragreich. Dazu kommt, dass Sie keine regelmäßigen Ausschüttungen haben wie Zinsen oder Dividenden, und Sie brauchen einen Safe für die Lagerung, der auch noch Miete kostet. Vielleicht sollten Sie sich einen Verkauf überlegen.

Lukrativer sind nämlich eher Fonds, die in Goldminenaktien investieren, oder spezielle Rohstoff-Fonds. Hier haben Sie eine große Streuung, und die - in der Regel ganz guten - Dividenden bringen Ihnen wenigstens etwas Gewinn.

Vorteile durch Lebenspartnerschaft?

Meine Freundin und ich haben vor ein paar Wochen unsere Lebenspartnerschaft beim Standesamt eintragen lassen. Wird sich das später zum Beispiel bei unserer Rente auswirken?

Für Sie gilt das Gleiche wie für Ehepaare: Wird eine eingetragene Lebenspartnerschaft aufgelöst, kommt es zu einem so genannten Versorgungsausgleich. Haben Sie beispielsweise in der Zeit Ihrer Partnerschaft weniger Ansprüche erworben als Ihre Partnerin, bekommen Sie einen Ausgleich von deren Rentenkonto. Außerdem können durch den Versorgungsausgleich gegebenenfalls Wartezeitmonate übertragen werden. Falls Ihre Partnerin ein Kind hat, das Sie jetzt miterziehen, kann dies auch bei Ihrer Rente mit angerechnet werden. Und im Todesfall haben Sie gegenseitig Anspruch auf Hinterbliebenenrente, sofern die entsprechenden Voraussetzungen vorliegen.

Hypothekenzinsen absichern?

Die Zinsbindung für mein Wohnungsdarlehen läuft in drei Jahren ab. Nun befürchte ich, dass die Zinsen bis dahin steigen. Gibt es eine Möglichkeit, den günstigen Vertrag weiterlaufen zu lassen?

Mit einem so genannten Forward-Darlehen können Sie sich das heutige Zinsniveau auch für die Anschlussfinanzierung sichern. Umsonst gibt's das allerdings nicht: Pro Monat Restlaufzeit müssen Sie mit einem Zinszuschlag von ca. 0,02 bis 0,03 Prozentpunkten rechnen.

Problemlose Anlage für 50.000 Euro?

Ich (49) habe drei Kinder großgezogen, war deshalb nie berufstätig und bekomme später auch keine eigene Rente. Nun hat mir mein Vater 50000 Euro geschenkt, die ich anlegen soll. Aber das Gespräch bei der Bank hat mich total verwirrt. Ich weiß doch nicht, was Fonds sind und festverzinsliche Wertpapiere und all das. Haben Sie einen Rat für mich?

Ich würde die Hälfte des Geldes auf einem Festgeldkonto parken; das ist ein Sparkonto, bei dem das Geld beispielsweise vier Wochen festliegt. Wenn Sie es nicht kündigen, verlängert sich die Anlage automatisch um einen weiteren Monat. So haben Sie immer eine Reserve, wenn Sie kurzfristig Geld brauchen. Die anderen 25000 Euro sollten Sie meiner Meinung nach in Bundesschatzbriefe investieren; das sind völlig risikolose Wertpapiere des Bundes mit einer Laufzeit von sechs Jahren. In dieser Zeit steigt der Zins von 1,75 Prozent im ersten bis auf 4 Prozent im sechsten Jahr. Ein Jahr lang liegt das Geld zunächst fest; dann können Sie die Bundesschatzbriefe jederzeit wieder verkaufen, allerdings pro Monat jeweils nur im Wert von insgesamt 5000 Euro. Mit diesen risikolosen und überschaubaren Geldanlagen fahren Sie vorerst am besten. Sobald Sie dazu in der Lage sind, sollten Sie sich aber doch etwas mehr über Geldanlagen informieren. Zum Beispiel im Wirtschaftsteil der Zeitung, in Büchern für Einsteigerinnen oder durch Volkshochschulkurse.

Seriöse Anzeige?

In einer großen Tageszeitung habe ich ein tolles Angebot gesehen. Schon ab 2500 Euro ist man an den Super-Gewinnen eines Internet-Kasinos beteiligt - bei mehr als 40 Prozent Rendite pro Jahr! Das ist doch bestimmt seriös, wenn eine renommierte Zeitung die Anzeige abdruckt, oder?

Davon können Sie nicht unbedingt ausgehen. Anzeigen werden unabhängig vom redaktionellen Teil geschaltet - ohne inhaltliche und qualitative Prüfung. Die Beteiligung, von der Sie schreiben, wird von Verbraucherschützern als unseriös bezeichnet. Lassen Sie also lieber die Finger davon, oder informieren Sie sich vorab auf jeden Fall bei einer Verbraucherzentrale.

Kanada - ein guter Standort?

Mir wurde eine Beteiligung an einem geschlossenen Immobilienfonds in Toronto angeboten. Das klingt sehr interessant, aber wie steht’s um die wirtschaftliche Situation in Kanada? Ähnlich wie in den USA?

Kanada, eins der klassischen Rohstoffländer und eine der wichtigsten Wirtschaftsnationen, steht deutlich besser da. Im Gegensatz zu den Vereinigten Staaten hatte die kanadische Regierung in den letzten Jahren Erfolg beim Abbau der Staatsschulden; die Außenhandelsbilanz ist positiv. Und Toronto, Kanadas größter Büroimmobilienmarkt, gilt als hervorragender Wirtschaftsstandort. Aber natürlich kommt es entscheidend auf das Objekt an, in das Sie investieren wollen - zum Beispiel auf Lage, Alter und Zustand des Gebäudes oder auf die Bonität der Mieter.

Unterhalt bis ans Lebensende?

Mein Mann hätte gern noch ein zweites Kind (unsere Tochter ist jetzt fünf), möchte aber, dass ich dann meine Berufstätigkeit aufgebe. Als Beamter mit gesichertem Einkommen sei er ja im Fall des Falles sowieso verpflichtet, nicht nur für die Kinder, sondern auch für mich Unterhalt zu zahlen. Eventuell sogar bis an mein Lebensende. Kann ich mich wirklich darauf verlassen?

Nein, können Sie nicht. Wird bei einer Scheidung zum Beispiel festgestellt, dass Sie das Scheitern der Ehe allein zu verantworten haben, kann zumindest Ihr eigener Unterhaltsanspruch ganz gestrichen oder auf ein Mindestmaß herabgesetzt werden. Es kommt dabei immer auf das Alter der Kinder an; denkbar ist nämlich eine Befristung für den Zeitraum, in denen die Kinder Ihre Betreuung unbedingt brauchen. Ihr Unterhaltsanspruch kann aber auch entfallen, wenn Sie nach der Scheidung etwa drei Jahre in einer festen nichtehelichen Gemeinschaft mit einem anderen Partner leben - unabhängig davon, ob Ihr neuer Lebensgefährte für Sie sorgen kann oder nicht. Trifft nichts von alldem zu, bekommen Sie so lange Unterhalt, wie die Kinder betreut werden müssen, derzeit bis zum 15. oder 16. Lebensjahr. Wirkliche Sicherheit im Falle einer Scheidung haben Sie nur durch eigenes Einkommen. Als Beamter hat Ihr Mann wegen der Kinder Anspruch auf Teilzeitbeschäftigung, die er jederzeit wieder zu einer Ganztagstätigkeit ausweiten kann. Vielleicht wäre es zumindest vorübergehend eine Lösung, wenn Sie beide in einen Teilzeitjob gehen.

BRIGITTE woman 03/05
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