Soll ich meinen Sohn rauswerfen?

Brigittes Kinder waren längst aus dem Haus. Nun wohnt ihr 28-jähriger Sohn wieder bei ihr. Und der Nesthocker zerrt nicht nur an Brigittes Nerven.

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Es ist jeden Abend das Gleiche. Mein Mann und mein Sohn streiten sich über die Fernbedienung. Eigentlich eine völlig normale Situation, wenn man ein Schulkind großzieht. Nur dass mein Kind 28 Jahre alt ist und seine Schulzeit zehn Jahre zurückliegt.

Seit knapp drei Jahren wohnt er jetzt wieder bei uns. Vorher hat er sich mit seiner Freundin eine Wohnung geteilt, doch als sie sich trennten, ist er vorübergehend bei uns eingezogen. Dieses "vorübergehend" dauert jetzt das vierte Jahr an. Er verdient genug Geld und könnte eine eigene Wohnung beziehen. Aber er tut es nicht, weil er sagt, dass er gern wieder "bei Mama" wohnt. Das finde ich schmeichelhaft - es ist immer schön, von seinen erwachsenen Kindern gebraucht zu werden und ich habe meinen Sohn gerne um mich. Doch es sind die vielen kleinen Dinge, die mich langsam beginnen zu ärgern - wie der allabendliche Streit um die Fernbedienung.

Ich hab keinen Rückzugsort mehr.

Ich kann dabei nur verlieren und lasse mir meine Lieblingsprogramme mittlerweile aufnehmen, damit ich mich nicht auch noch mit den beiden streiten muss. Und: Ich habe keinen Rückzugsort mehr. Wir wohnen in einer Zweizimmerwohnung und mein Sohn schläft im Wohnzimmer auf der Couch. Derjenige, der den Hahnenkampf gewinnt, besetzt den Fernseher, der Zweitplatzierte den Computer. Für mich bleiben dann nur noch die Stühle in der Küche - oder das Schlafzimmer. Ich kann doch aber nicht schon um 20 Uhr ins Bett gehen! Von Entspannung kann also keine Rede sein. Kann ich dann doch einmal den Computer nutzen, blinken ständig neu installierte Programme auf meinem Bildschirm auf, die weder mir noch meinem Mann bekannt sind. Ein paar Viren haben sich so auch schon eingeschlichen.

Mit meinem Sohn sind die Sorgen wieder eingezogen.

Natürlich habe ich meinen Sohn auch gern um mich. Wir haben uns ein paar der WM-Spiele zusammen angeschaut, ich bekoche ihn gern und freue mich, wenn es ihm schmeckt. Aber auch das ist wieder ein Problem: Ich weiß nie, ob ich überhaupt für ihn kochen soll, da er mal bei uns und mal bei seiner jetzigen Freundin übernachtet. Und wenn er dann abends nicht nach Hause kommt, fange ich an, mir Sorgen zu machen. Ich weiß, das sind typische Verhaltensmuster einer Mutter. Aber wenn das Kind irgendwann auszieht, werden viele Sorgen überflüssig. In unserem Fall jedoch, sind diese Sorgen samt meinem Sohn wieder bei uns eingezogen.

Ab und zu sagt er, dass er sich bald auf Wohnungssuche machen wird. Ich nicke dann und warte ab. Aber es passiert nichts. Ich weiß nicht, ob und wie ich die ganze Situation ansprechen kann. Er ist doch mein Sohn. Ich kann ihn nicht einfach vor die Tür setzen. Aber ich habe Angst, dass das Zusammenwohnen auf lange Sicht ihm und unserer Beziehung schaden könnte.

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Protokoll: Alexandra Zykunov
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