Pflegezusatzversicherung: Gut versorgt im Pflegefall

Ist eine Pflegezusatzversicherung wirklich sinnvoll? Ja, sagt BRIGITTE-Finanzexpertin Helma Sick. Und je früher man sie abschließt, desto besser. Übrigens auch, wenn es um die eigenen Eltern geht.

Eine 38-jährige BRIGITTE-Leserin fragte mich neulich: "Manchmal lese ich in der Zeitung von einer Pflegezusatzversicherung. Wäre das für mich nicht reichlich früh? Vielleicht werde ich ja gar nicht alt und habe umsonst eingezahlt." Ganz so unwahrscheinlich, wie es für Sie jetzt noch klingen mag, ist das Ganze nicht. Laut Statistik wird nämlich fast die Hälfte der Bevölkerung irgendwann pflegebedürftig. Und das ist besonders für Frauen ein brisantes Thema: Eine heute 50-Jährige wird im Durchschnitt 94 Jahre alt! Dazu kommt: Frauen sind im hohen Alter meist auf sich allein gestellt, und sie werden doppelt so häufig pflegebedürftig wie Männer. In stationären Pflegeeinrichtungen beispielsweise leben zu 90 Prozent Patientinnen.

"Ich habe doch die gesetzliche Pflegeversicherung", höre ich dann oft. Das stimmt, doch was viele dabei nicht bedenken: Diese Leistungen reichen bei Weitem nicht aus. Die gesetzliche Pflegeversicherung bietet nur eine Grundabsicherung - und wie lange sie dies noch kann, ist nicht abzusehen.

Zurzeit gibt es bei Pflegestufe I und Unterbringung im Heim 1023 Euro pro Monat, bei Pflegestufe II und III sind es 1279 bzw. 1510 Euro. Eine stationäre Pflege kostet aber schon heute im Schnitt 3600 Euro. Daher werden Rente, Ersparnisse und Vermögen der Pflegebedürftigen zur Finanzierung herangezogen. Und wenn das nicht reichen sollte, müssen die unterhaltspflichtigen Kinder einspringen.

Das Problem: Wie wichtig eine private Vorsorge sein kann, machen sich die meisten erst bewusst, wenn sie schon älter sind. Oft interessieren sich Frauen erst mit weit über 60 dafür. Grundsätzlich kann eine Pflegezusatzversicherung zwar bis zum 65., manchmal auch bis zum 70. Lebensjahr abgeschlossen werden. Mit zunehmendem Alter aber wird eine Pflegezusatzversicherung natürlich immer teurer - wie bei jeder Art von Risikoversicherung. Ein Beispiel: Wollen Sie eine Versicherung über 50 Euro Pflegetagegeld abschließen (das wären im Pflegefall monatlich 1500 Euro), zahlen Sie mit 35 Jahren etwa 25,50 Euro, mit 45 bereits 39 Euro und als 55-Jährige schon 62,50 Euro.

Sehr sinnvoll ist eine Pflegezusatzversicherung für Alleinstehende ohne ein ausreichendes Einkommen und ohne Vermögen, aber auch für Familienmitglieder, die ihren Angehörigen nicht zur Last fallen oder ihnen noch etwas vererben möchten. Übrigens: Kinder können eine solche Pflegezusatzversicherung auch für ihre Eltern abschließen.

Text: Helma SickEin Artikel aus der BRIGITTE, Stand Mai 2011
Themen in diesem Artikel

Unsere Empfehlungen

Brigitte-Newsletter

Brigitte-Newsletter

Trends und Tipps aus den Bereichen Mode & Beauty, Reise, Liebe und Kochen - lies zum Wochenstart das Beste von Brigitte.

Diesen Inhalt per E-Mail versenden

Pflegezusatzversicherung: Gut versorgt im Pflegefall

Ist eine Pflegezusatzversicherung wirklich sinnvoll? Ja, sagt BRIGITTE-Finanzexpertin Helma Sick. Und je früher man sie abschließt, desto besser. Übrigens auch, wenn es um die eigenen Eltern geht.

Du kannst mehrere E-Mail-Adressen mit Komma getrennt eingeben

Deine Mail wurde versendet
Deine Mail konnte leider nicht versendet werden