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Keine Lust?


Ändert sich unser Männergeschmack, wenn wir älter werden? Haben wir mehr Lust auf Sex - oder weniger? Drei Frauen sprechen über ihr Körpergefühl, ihre Bedürfnisse und wie ihre Partner darauf reagieren.

Die Gesprächsteilnehmerinnen

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Monika Umpfenbach, 63, lebt in einem Haus am Stadtrand von München mit ihrem Mann, einem pensionierten Bauingenieur. Die beiden sind seit 38 Jahren verheiratet und haben drei erwachsene Kinder sowie drei Enkel. Monika Umpfenbach machte die mittlere Reife und war bereits Mutter, als sie das Abitur nachholte. Seit zehn Jahren ist sie Heilpraktikerin.

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Michele Thevenet, 40, ist die Tochter eines Kubaners und einer Amerikanerin und kam vor 19 Jahren von New York nach Deutschland, wo sie zunächst als Friseurin arbeitete. Seit sieben Jahren ist sie in München glücklich mit einem französischen Fotografen verheiratet. Heute ist sie hauptberuflich als Visagistin beim Film tätig und wirkt zur Zeit bei der Verfilmung der "Wüstenblume" von Waris Dirie mit.

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Mascha Glatzeder, 54, kam als 19-Jährige mit ihren Eltern aus Dortmund nach München. Die wilde Schwabinger Zeit der späten 60er gefiel ihr sehr, so blieb sie in Bayern hängen. Nach Umwegen als erfolgreiches Model und freie Visagistin arbeitet sie heute als Hochzeitsfotografin: "Mein Traumberuf!" Mit ihren Drillingen lebt sie in München.

BRIGITTE WOMAN: Eine Studie der Berliner Charité ergab, dass Frauen über 40 beim Sex am meisten Spaß haben. Können Sie das bestätigen?

Michele Thevenet: Ich bin gerade erst 40 geworden, vielleicht fragen Sie mich das nächstes Jahr noch mal. Nein, im Ernst: Ich bin überzeugt, dass sich die Gefühle beim Sex alle paar Jahre ändern. Bisher bin ich eigentlich immer nur selbstbewusster und gelassener geworden. Jede Dekade hat ihre Zeit. Momentan würden mein Mann und ich nur wahnsinnig gern noch ein Kind haben. Sie können sich vorstellen, wie es ist, wenn man auf ein Kind "hinarbeitet". Das dominiert gerade das Sexualleben.

Monika Umpfenbach: In meiner Ehe war das Liebesleben tatsächlich um 40 am besten. Die Kinder waren aus dem Gröbsten raus, das Haus stand, die Karriere meines Mannes war in trockenen Tüchern. Ich würde aber nicht sagen, dass guter Sex ein Privileg der Frauen ab 40 ist. Ich hatte mit 30 viel Spaß daran und habe es heute mit über 60 immer noch.

BRIGITTE WOMAN: Woran liegt das?

Monika Umpfenbach: Reine Veranlagung, würde ich sagen. Manche Leute brauchen mehr Sex, manche weniger. Das hat auch nichts mit Mann oder Frau zu tun - obwohl viele behaupten, dass Männer einen größeren Trieb haben. Wenn man einen Mann hat, der lieber Tennis spielt und radelt, als die Sonntage im Bett zu verbringen, muss man sich arrangieren.

BRIGITTE WOMAN: Und wie arrangiert man sich als attraktive, körperlich fitte Frau?

Monika Umpfenbach: Manchmal durch das, was einen verbindet. Ich weiß genau, dass es nicht persönlich gemeint ist, wenn einer mal weniger Lust hat. Und so gewöhnt man sich die stürmische Leidenschaft halt ein wenig ab.

Mascha Glatzeder: "No sex" - so was Ähnliches habe ich gerade. . . Ich bin seit zwei, drei Jahren in der Menopause - und leide sehr darunter. Die Wechseljahre bringen alles durcheinander: Körpergefühl und Libido. Von beidem fühle ich mich gerade ziemlich weit weg. Kein Vergleich zu früher, als ich das schöne Flower-Power-Mädchen war.

BRIGITTE WOMAN: Aber Sie sind doch . . .

Monika Umpfenbach: . . . eine sehr attraktive Frau!

Mascha Glatzeder: Tja, das sehe ich leider anders. Ich komme einfach nicht klar mit dem Altern. Die letzten 20 Jahre sind so rasend schnell vergangen. Ich war eben noch Mutter von Drillingen und lebte in einer festen Partnerschaft - wunderbar! Mit Mitte 50 wurde dann alles schwieriger. Wenn ich mich heute so anschaue - die Brüste, der Bauch, die Arme -, dann denke ich nur: Das bin doch nicht ich!

Monika Umpfenbach: Das Problem habe ich glücklicherweise nicht. Ich habe mich in jedem Alter gut gefühlt - bei jedem runden Geburtstag dachte ich: Jetzt beginnt die beste Zeit meines Lebens. Ich habe mich halt immer sehr viel bewegt und Sport gemacht, auch mit meinem Mann zusammen.

In sachen Sex und Männergeschmack: Qualität vor Quantität

BRIGITTE WOMAN: Fühlen Sie sich tatsächlich immer noch so sexy wie mit 25?

Monika Umpfenbach: Meine Mutter hat mir ein gesundes Selbstvertrauen mitgegeben. Nur manchmal bin ich etwas traurig, wenn mein Mann mich nicht mehr richtig ansieht. Das Gute an ihm ist: Er kennt absolut keine Eifersucht. Als ich mal einen Verehrer abblitzen ließ und hinterher erzählt habe, dass mir das schon ein bisschen leidtäte, weil ich seine Komplimente mochte - da hat mein Mann gesagt: "Die Spaziergänge mit ihm hättest du doch nicht aufgeben müssen. Ich hab doch auch meinen Sport!"

Mascha Glatzeder: Auf jeden Fall haben Sie eine beneidenswerte Figur. Bei mir setzt sich jedes Gramm fest. Ich esse kaum was, Alkohol trinke ich nur selten.

BRIGITTE WOMAN: Als Ex-Model hat für Sie der Körper offenbar oberste Priorität. Denken Sie, wenn Sie dünner wären, hätten Sie besseren Sex?

Mascha Glatzeder: Klar! Früher habe ich überhaupt nicht darüber nachgedacht, wie ich aussehe. Da wusste ich: Es passt alles, egal, welche Position du einnimmst. Heute mache ich immer als Erstes das Licht aus.

Michele Thevenet: Ich würde ja auch sagen, dass man besseren Sex hat, wenn man sich in seinem Körper wohl fühlt. Das hat aber nichts mit äußeren Merkmalen zu tun, sondern geht über den Kopf. Man muss insgesamt mit sich zufrieden sein. Ich hatte schon Freunde, die waren wirklich objektiv gar nicht schön - aber sie mochten sich. Deshalb waren sie so toll. In der Disziplin sind Männer weiter. Die hadern nicht so fürchterlich mit sich.

Mascha Glatzeder: Es gab auch mal eine Zeit in meinem Leben, da war ich extrem erotisiert, obwohl ich dick war wie eine Kuh! Das war meine Schwangerschaft mit den Drillingen.

Monika Umpfenbach: Schwanger fand ich das Liebesleben auch ganz toll. Man brauchte keine Verhütungsmittel. Und wenn man jung verheiratet ist, dann ist es immer aufregend. Aber glauben Sie mir, wenn die Wechseljahre vorüber sind, werden Sie auch gelassener - und alles spielt sich wieder ein.

Mascha Glatzeder: Das Blöde ist, dass uns der Sex natürlich auch dann beherrscht, wenn wir ihn nicht haben. Oder gerade weil wir ihn nicht haben. Die Zeitungen, unsere Zeit ist ja voll davon. Und ich hatte schon in meiner Jugend ständig Sex. Ich habe Männer benutzt wie Tempos.

BRIGITTE WOMAN: Also Quantität vor Qualität?

Mascha Glatzeder: So ähnlich. Das lag daran, dass mein erstes Mal so furchtbar gelaufen ist. Ich war 17. Und dachte, in dem Alter müsste ich längst entjungfert sein. Da hab ich mir in der Disco einen Typen geangelt. Mit ihm war es aber gar nicht schön, im Gegenteil: Das hat mich geradezu frigide gemacht. Danach wollte ich es wissen und hab fast jede Nacht mit einem anderen geschlafen. Empfunden habe ich nichts mehr, nicht mal beim Vorspiel. Es hat gedauert, bis ich wusste, was ich eigentlich will und brauche. In der Zwischenzeit habe ich jedem von Anfang an gesagt: Mehr als Sex is' nicht. Und bin verschwunden. Das hat die Männer kirre gemacht.

BRIGITTE WOMAN: Sie haben nach Ihrem verkorksten ersten Mal also genau das gemacht, was man heute noch eher Männern nachsagt: ohne Erwartungen und tiefere Gefühle geliebt.

Mascha Glatzeder: Ja, das Komische ist nur, dass viele Männer, die ich heute kenne, es sehr lange reizvoll fi nden, mit derselben Frau zu schlafen. Aber dass ich fast keine Frau kenne, die es auf Dauer mit dem einen aushält. Da dreht sich gerade etwas um . . .

Monika Umpfenbach: . . . das würde ich aber nicht verallgemeinern. Wenn man in seiner Ehe glücklich ist, warum sollte man das dann durch Seitensprünge riskieren?

Michele Thevenet: Ich hatte in früheren Beziehungen schon ein paar Seitensprünge und muss Monika Umpfenbach absolut recht geben: Die machen keine Beziehung besser. Man kann vielleicht mal von einem Fremden fantasieren, der neben einem in der U-Bahn stand. Aber Fremdgehen fügt der Partnerschaft nur etwas Negatives hinzu - das viel schlimmer ist als . . .

Monika Umpfenbach: . . . die Tatsache, dass man nach 38 Ehejahren nicht mehr so voneinander elektrisiert ist!

BRIGITTE WOMAN: Der Paartherapeut Michael Mary sagt ja, es sei eine Illusion zu glauben, man könne sowohl die partnerschaftliche Liebe als auch die leidenschaftliche Lust dauerhaft mit nur einer Person leben.

Monika Umpfenbach: Das würde ich auch wieder nicht so pauschal sagen. Ich zum Beispiel habe trotz unserer langen Ehe heute noch viel Lust.

Michele Thevenet: Ich bin da nicht ganz so romantisch. Die Ehe ist nun mal keine naturgegebene Einrichtung, und leider sind die meisten Menschen nicht monogam veranlagt. Ich halte aber die Idee der dauerhaften Liebe für eine sehr schöne Vorstellung und möchte das auch gern mit meinem Mann schaffen. Keine Ahnung, ob es klappt. Man darf nur nie aufhören, sich um den anderen zu bemühen. Alles andere ist offen.

BRIGITTE WOMAN: Sie wirken sehr realistisch, Michele. Nach dem Motto: Bloß nicht zu viel von der Liebe erwarten! Vielleicht ist das der erste Moment in diesem Gespräch, an dem sich Ihr Altersunterschied bemerkbar macht.

Monika Umpfenbach: Darüber hab ich vorhin auch kurz nachgedacht. Komisch, dass ich nur zehn Jahre älter bin als Frau Glatzeder - und vieles so ganz anders erlebt habe. Aber ich komme nun mal aus einer schwäbischen Kleinstadt, aus einem katholischen Elternhaus. Da ging man als Jungfrau in die Ehe. Ich kam mir schon schlecht vor, als mich mein Jugendfreund nach sieben Jahren entjungfert hat.

BRIGITTE WOMAN: Wie alt waren Sie damals?

Monika Umpfenbach: 24! Das ist mir ja fast peinlich, vor Mascha Glatzeder. Ich war eben nie so eine coole Achtundsechzigerin wie Sie. Allerdings denke ich auch nicht, dass ich irgendetwas verpasst habe. Wenn ich vorher mit 24 Männern geschlafen hätte, hätte mich das auch nicht glücklicher gemacht.

Mascha Glatzeder: Doch, da hätte ich schon das Gefühl, nicht genug erlebt zu haben. Obwohl ich später auch erkannt habe, dass erst Liebe und Gefühle den Sex richtig schön machen.

BRIGITTE WOMAN: Wie kamen Sie denn zu dieser Einsicht?

Mascha Glatzeder: Wir waren ja total verrückt damals. Bis Mitte 20 hatte ich neben meiner jeweiligen "Beziehung" immer noch parallel Affären. Bis ich irgendwann einen sehr liebevollen Freund hatte, der mich plötzlich fragte: Warum musst du eigentlich immer noch diese Bestätigung von außen haben? Da hat es bei mir klick gemacht. Seither ist meine Devise: Solange ich einen Mann liebe, bin ich ihm treu. Da könnte sogar George Clooney kommen.

Michele Thevenet: Ich war immer schon so. Vielleicht liegt es am Sternzeichen Fisch - aber wenn ich liebe, dann intensiv und lang. Einen bloßen One- Night-Stand hatte ich nie und will ich auch nicht haben. Dafür bin ich mit vielen meiner Ex-Freunde heute noch eng befreundet.

BRIGITTE WOMAN: Macht Sex Frauen heute vielleicht auch deshalb länger Spaß, weil sie in den letzten Jahrzehnten immer unabhängiger geworden sind und keinen Versorger mehr suchen müssen?

Monika Umpfenbach: Mit meinem Mann hat mir der Sex eigentlich fast vom ersten Moment an Spaß gemacht, verliebt, wie ich war. Er war sozusagen nach meinem Jugendfreund mein zweiter Mann. An meinem dritten Tag in München lernte ich ihn bei Freunden kennen. Ein uraltes Jackett hatte er an - und dann hat er mir Gänseblümchen geschenkt.

BRIGITTE WOMAN: Klingt wirklich nicht nach solventem Versorger!

Monika Umpfenbach: Doch, später hat er uns gut versorgt. Aber das war nie mein Hauptkriterium. Und beim Sex habe ich erst recht nicht dran gedacht!

Mascha Glatzeder: Mag sein, dass andere Frauen das machen - aber ich kenne so etwas auch nicht. Meine Generation wollte emanzipiert sein, deshalb war ich von Anfang an darauf bedacht, dass ich nie von einem Mann finanziell abhängig werde. Und als Model hab ich wirklich sehr gut verdient!

Michele Thevenet: Wir Mädchen aus der amerikanischen Großstadt waren schon ganz früh selbständig: Ich bin in Miami und New York aufgewachsen - da ging man mit zwölf Jahren zu einer staatlichen Einrichtung, die "Planned Parenthood" hieß, und bekam sofort die Pille. Die hat unserer Generation viele Freiheiten gegeben. Meine ersten sexuellen Erlebnisse hatte ich, lange bevor ich mir einen "Versorger" hätte suchen können.

Mascha Glatzeder: Ich weiß heute auch, dass Unabhängigkeit und selbstbestimmte Sexualität noch lange nicht dasselbe sind. Man kann ein unabhängiges Leben führen, aber vom Sex total abhängig sein.

BRIGITTE WOMAN: War das bei Ihnen denn so?

Mascha Glatzeder: In meiner wilden Zeit wollte ich hauptsächlich beweisen, was für ein cooler Hippie ich war! Es war auch ein bisschen wie Sport - bei dem ich mitmachte -, obwohl ich manchmal fast neben mir stand. Inzwischen bin ich froh, dass meine Kinder das heute anders sehen. Sie sagen, sie wollen nur mit einem Partner ins Bett, den sie lieben.</frage>

BRIGITTE WOMAN: Also das genaue Gegenteil von ihrer Mutter! Die haben eine zutiefst romantische Sicht auf körperliche Liebe. . .

<antwort name = "Mascha Glatzeder">Ich habe doch später selbst diese Ansichten vertreten! Andererseits meine ich auch, dass all meine Vorstudien und Abenteuer mit all ihren Höhen und Tiefen - dass die durchaus ihre Berechtigung hatten.

BRIGITTE WOMAN: Gehörten dazu auch Frauenbeziehungen?

Mascha Glatzeder: Wenn ich meinen eigenen Körper anfassen kann, warum sollte ich dann eine andere Frau nicht auch schön fi nden und anfassen? In wichtigen Frauenbeziehungen schwingt doch immer eine Art Liebe mit. Einmal habe ich mit einer Freundin geschlafen, nachdem wir uns ein halbes Jahr kannten. Da hat es immer geknistert, aber wir hatten beide Angst, die Freundschaft kaputt zu machen. Irgendwann ist es dann doch passiert - und wir sind bis heute gut befreundet.

Michele Thevenet: Kann ich nachvollziehen. Für mich gehören gleichgeschlechtliche Erfahrungen auch zur sexuellen Reifwerdung dazu. Dadurch lernt man sich ja auch selbst besser kennen.

Monika Umpfenbach: Für mich unvorstellbar! Ich habe eine Freundin, die ich sehr mag. Aber Sex? Also nee!

BRIGITTE WOMAN: Welchen Stellenwert hat Sex denn für Sie heute? Oder anders gefragt: Was sind Ihre wichtigsten Erkenntnisse dazu?

Monika Umpfenbach: Ich sag Ihnen: Es gibt auch Wichtigeres im Leben als Sex. Was wir gemeinsam alles aufgebaut haben! Die Kinder, das Haus, die Reisen und nun die Enkel - das ist großartig! Und mein Mann gefällt mir heute noch von allen am besten!

BRIGITTE WOMAN: Und Sie, Michele?

Michele Thevenet: Ich habe in den letzten Jahren gelernt, mehr auf meinen Körper zu hören. Bis kurz vor 30 habe ich als Szene-Friseurin sehr viel gearbeitet. Da bekam ich plötzlich durch eine Immunschwäche eine Lähmung. Die hielt zwar nur ein paar Tage an, zwang mich aber, mich mit den Signalen meines Körpers zu beschäftigen. Seitdem hat sich auch meine Einstellung zum Sex geändert. Ich achte viel mehr auf die kleinen Dinge, Geruch zum Beispiel. So bin ich viel sinnlicher und feinfühliger geworden.

BRIGITTE WOMAN: Also wird für Frauen Sex doch schöner mit den Jahren?

Mascha Glatzeder: Ja, denn die weibliche Sexualität ist ja auch komplex. Man muss sich erst kennen lernen. Im Gegensatz zu Männern reagiert doch jede Frau anders im Bett. Das zu verstehen, stelle ich mir auch für einen jungen Mann sehr schwierig vor: Die eine mag das. Die andere hasst es. Die eine mag am Busen angefasst werden, die andere nicht, die eine mag überall geküsst werden, die nächste nicht.

Monika Umpfenbach: Die armen Kerle. . .

Mascha Glatzeder: Wenn ein Mann in Stimmung ist, will er vögeln. Bei mir muss aber auch das Ambiente stimmen, Wärme, Kerze. Und unter uns: Ein Bett ist doch der beste Ort für dieses Gesamtkunstwerk.

BRIGITTE WOMAN: Wie ist es denn heute - haben Sie noch One-Night-Stands?

Mascha Glatzeder: So ganz spontan? Nein. Ab einem gewissen Alter sieht dich ja leider kein Mann mehr an. Bei mir ging das echt von heute auf morgen - plötzlich wurde mir nicht mehr hinterhergepfiffen. Da wusste ich: Jetzt bist du älter geworden. Auch in den Kneipen werden meine Freundinnen und ich nicht mehr angesprochen.

BRIGITTE WOMAN: Kann das an der Zeit liegen, die heute prüder geworden ist als früher?

Monika Umpfenbach: Bestimmt, die Bedrohung durch Aids lässt sich einfach nicht mehr leugnen.

Mascha Glatzeder: Also, wenn mein Sohn aus der Disco kommt - und der ist echt hübsch -, frage ich ihn manchmal: "Und, haste wieder zehn Mädels an der Backe gehabt?" Aber der hat noch nie ein Mädchen in der Disco kennen gelernt. Auch seine Freunde nicht. Das war früher anders.

Monika Umpfenbach: Komisch, wenn ich zum Tanzen gehe, werde ich oft angesprochen. Weil ich einfach so gern tanze.

Michele Thevenet: Es hat eben doch alles was mit dem Kopf und dem Selbstvertrauen zu tun. Wenn du dich gut fühlst, wächst auch die Ausstrahlung. Ganz egal, wie alt man ist.

Monika Umpfenbach: Sie müssen tanzen gehen, Mascha, und nicht so negativ denken. Letztens habe ich eine Frau im Radio sagen hören, sie hätte ihren besten Orgasmus mit 66 gehabt. Hey, so alt sind wir doch noch gar nicht!

Fotos: Maria Dorner/Getty Images Gespräch: Nataly Bleuel &amp; Lisa Stocker

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