Getrennte Betten: Gemeinsam leben, alleine schlafen

Das gemeinsame Bett symbolisiert emotionale Nähe und leidenschaftlichen Sex. Bedeuten getrennte Betten, dass man das verliert? Oder sorgen sie sogar für mehr Erotik?

Wenn die 45-jährige Corinna und ihr 52-jähriger Lebensgefährte Martin nachts in die Träume fallen, dann liegen sie nur selten nebeneinander, denn sie haben getrennte Betten - ein großes Schafzimmer und ein "extra Ausweichzimmer". Dass andere Menschen das merkwürdig finden könnten, stört sie überhaupt nicht. "Wir haben uns noch nie danach gerichtet, was andere denken. Wir brauchen die Distanz in unserer Beziehung, ganz nach dem Motto. 'Ich kann nur bleiben, wenn ich gehen kann'", sagen beide übereinstimmend.

Doch Corinna und Martin waren nicht immer Freunde der nächtlichen Distanz, das begann erst vor sieben Jahre, als ihr Sohn geboren wurde. "Danach haben wir festgestellt, dass unser Schlafrhythmus einfach zu verschieden ist. Für uns beide war klar, dass jeder nachts mal seine Ruhe braucht." Und der Sex? "Der ist in unserer Beziehung weder mehr noch weniger geworden, er ist nur nicht mehr "automatisch" da. Jetzt muss man dem anderen deutlich machen, wann man Lust hat."

Viele Paare stören sich gegenseitig im Schlaf: Weil sie schnarchen, unruhige Beine haben oder nachts aufstehen. Das führt dazu, dass ein Partner oftmals schlecht ein- oder durchschläft, morgens genervt aufwacht und den Stress weiter in die Beziehung trägt. An Sex ist dann sowieso nicht mehr zu denken. Getrennte Betten wären somit doch die ideale Lösung für viele Paare, oder?

Das zumindest würden wahrscheinlich viele Schlafforscher unterschreiben. "Ein erholsamer Schlaf im gemeinsamen Ehebett wird im Alter sogar schwieriger. Ab 65 Jahre schnarchen 40 bis 50 Prozent aller Menschen", erklärt Dr. Tilmann Müller, Schlafforscher der Universität Münster.

An getrennte Betten als Patentlösung für Beziehungen glaubt der Hamburger Psychologe und Paartherapeut Dr. Elmar Basse trotzdem nicht. "Mit Logik ist es nicht immer getan. Stellen Sie sich vor, Sie sagen ganz ruhig zu Ihrem Partner 'Schatz, ich liebe dich sehr, aber neben dir im Bett schlafe ich einfach nicht gut. Daher würde ich gern dauerhaft in ein anderes Schlafzimmer ziehen.' Wahrscheinlich würden Sie trotzdem in ein ziemlich enttäuschtes Gesicht schauen. Das gemeinsame Schlafzimmer ist in unserer Gesellschaft nun mal emotional mit Vorstellungen und Träumen aufgeladen. Die kann man nicht mit ein paar Argumenten wegwischen."

Verteufeln würde er aber getrennte Betten nicht. "Wenn ein Paar glücklich ist, sich beispielsweise sehr nah ist und guten, regelmäßigen Sex hat, dann ist der Vorschlag, in getrennten Betten zu schlafen, wahrscheinlich kein Problem. Aber oftmals ist dieser Grund nur vorgeschoben, um die Distanz in der Beziehung zu erhöhen", erklärt Dr. Elmar Basse.

Getrennte Betten: Anfang vom Ende?

So hat es auch die 30-jährige Marion in ihrer Ex-Beziehung mit dem 35-jährigen Jörg empfunden. "Jörg wollte plötzlich ein Schlafzimmer für sich haben, weil ich ihn nachts angeblich immer wieder geweckt habe. Ich konnte damit gar nicht leben und es hat meinen Verdacht nur bestätigt, dass er mich emotional und körperlich von sich weisen will. Es hat dann auch nicht mehr lange gehalten."

Paartherapeut Elmar Basse rät dazu, genau hinzuhören, wenn man selbst oder der Partner den Wunsch verspürt, dauerhaft in getrennten Betten zu schlafen. "Wichtig ist, das Problem als ein gemeinsames zu sehen. Und nicht den Partner mit Vorwürfen oder endgültigen Entscheidungen zu konfrontieren. Eventuell gibt es ja auch andere Möglichkeiten für einen guten Schlaf: Schnarchtherapie, Ohrstöpsel oder ein Ausweichzimmer für Extremnächte."

Eine gemeinsame Entscheidung kann aber auch für getrennte Betten ausfallen - um beispielsweise das eingefahrene Sexleben wieder aufzufrischen. "Alles, was neu ist und beide gemeinsam entschieden haben, inspiriert und ist gut für die Beziehung", sagt Elmar Basse.

Nächtliche Distanz oder Nähe? Dazu gibt es kein pauschales Nein oder Ja, nur einen gemeinsamen Nenner: Man muss etwas für die Liebe tun. Denn eine gute Beziehung und guter Sex sind nicht in der gemeinsamen Matratze eingenäht.

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