Singles über 40 finden keinen mehr - oder doch?

Bullshit, sagt die amerikanische Beziehungsexpertin Nita Tucker. Als Single über 40 findet man selbstverständlich einen neuen Partner. Wir müssen nur aufhören, uns selbst im Weg zu stehen.

BRIGITTE: Da ist zum Beispiel Elke, 43. Sie hat eine Ehe hinter sich und ist seit dreieinhalb Jahren auf der Suche. Was raten Sie ihr?

Nita Tucker: Stay home and pray.

Wie bitte? Beten? Das hört sich nicht vielversprechend an.

Das Problem ist doch: Viele Frauen ab 40 verstecken sich hinter gescheiterten Beziehungen und der "Ich habe keine Zeit"-Lüge. In Wahrheit haben sie Angst vor Zurückweisung und kuschen vor der Power der jungen Frauen.

Die amerikanische Partnerschaftsexpertin gibt Seminare und hält Vorträge in den USA und ist dort auch häufig in TV- und Radioshows zu Gast. Ihr aktuelles Buch: Schluss mit Single über 40, Reichel-Verlag, 160 Seiten, 15 Euro.

Kann ich verstehen.

Sicher. Als ich Anfang 20 war und zur Uni ging, habe ich schon beim Frühstück den ersten Mann getroffen. Junge Frauen haben einen viel größeren Lebensradius, kommen von morgens bis abends unter Leute. Wir sollten da nicht neidisch sein, sondern gucken, was wir uns von ihnen abschauen können.

Das hört sich gut an. Aber was genau soll sich eine Mutter mit Vollzeitjob von einer Studentin abschauen?

Die Sache ist eigentlich banal. Um neue Leute kennen zu lernen, muss ich vor allem neue Leute kennen lernen. Was uns da im Weg steht, sind wir selbst, ist unsere eigene Angst. Uns fehlt einfach der Mut. Und kommen Sie mir jetzt nicht mit schlechten Erfahrungen.

Sie ermutigen Frauen ab 40, eine neue Art von Liebe zu entdecken. Was meinen Sie damit?

Eine neue, intimere Art von Liebe, in der es weniger um Rollen geht als um dich und ihn und das Dazwischen. Um Liebe, die nicht mehr ernähren und erziehen muss. Ab 40 beginnt für Frauen eine neue Freiheit. In jüngeren Jahren stehen noch andere Dinge im Vordergrund.

Heirat und Kinder zum Beispiel?

Zum Beispiel. Das Problem ist, dass wir den Wechsel nicht hinkriegen. Wir suchen auch mit 45 noch nach einer Beziehung nach altem Muster.

Wonach sollte man stattdessen suchen?

Erst mal sollte man gar nicht suchen. Wer den finden will, der einem guttut, der muss zuallererst sich selbst kennen lernen. Das braucht Zeit. Und die sollte man sich auch geben. Sex ist dabei ein ganz wichtiger Faktor. Frauen, die gelernt haben, Sex zu genießen, gelingt es schneller, einen neuen Partner zu finden. Männer lieben Frauen, die Sex gut finden.

Moment. Wir reden doch von Frauen, die überhaupt keinen Sex haben, denen es darum geht, erst mal jemanden kennen zu lernen.

Und gerade die sind gefährdet. Sie sehen oft Sex als Mittel zum Zweck: Ich gebe dir Sex, du mir eine Beziehung. Oft gehen Frauen diesen Tauschhandel unbewusst ein, weil sie möchten, dass der Mann sie attraktiv findet. Es geht aber darum, den Sex wirklich zu genießen. Das macht attraktiv.

Wollen Sie sagen, Frauen schlafen aus falschen Gründen mit den falschen Typen?

Nein. Um wählerisch sein zu können, muss man viele Männer treffen. Und ja: Man sollte wählerisch sein. Wichtig ist, dem Gegenüber eine faire Chance zu geben und es nicht schon nach fünf Minuten abzuschießen. Viele sind bei der ersten Verabredung nicht sie selbst.

Also lieber eine zweite und dritte Chance geben und auf das Bauchgefühl hören?

Hören Sie mir auf mit Bauchgefühl. Es geht einfach darum, mehr Leben in unseren Alltag reinzulassen. Ich habe mit vielen glücklichen Paaren gesprochen. Bei 90 Prozent dieser Paare funkte es nicht sofort. 90 Prozent! Man sollte jedem eine Chance geben, solange er nicht unhöflich ist oder gemein. Oder riecht.

Interview: Alexandra Bürger
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