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Das bin ich: So gefalle ich mir


Wie kann ich selbst voller Stolz ausstrahlen: Hallo - das bin ich! Stilberaterin Regina Först weiß die Antwort.

Aufmerksam hört Regina Först zu. Offen, herzlich, ohne Allüren: "Ausstrahlung entsteht, wenn wir uns nach außen so zeigen, wie wir innen sind", sagt sie. In Einzelgesprächen findet die 49-Jährige heraus, welche der (noch verborgenen) Facetten ihrer Persönlichkeit die Frauen zum Strahlen bringen wollen. Wie das geht? Lächelnd präsentiert die Ausstrahlungstrainerin eine Schale mit Überraschungseiern. Jede Kandidatin sucht sich eins aus: "Wetten, dass der Inhalt etwas mit Ihnen zu tun hat?" Claudia hat ein schnittiges Cabrio, Herta einen Engel auf einem Snowboard, Antje einen Eishockeyspieler zum Zusammenstecken. Was soll das bedeuten? Eine ganze Menge, wie sich später im Gespräch herausstellt.

Das bin ich! Die Expertin beantwortet Ihre Fragen.

So unkonventionell wie ihre Methode ist auch Försts Lebenslauf. Zuerst arbeitete die studierte Textilbetriebswirtin als Einkäuferin und Personalchefin in der Modebranche. Dann absolvierte sie Weiterbildungen in Psychologie, Farbenlehre und Körpersprache. Einer ihrer Lehrer ist der berühmte Pantomime Samy Molcho. Mit dem Buch "Ausstrahlung" gelang der Persönlichkeitstrainerin der Durchbruch. Aber was steckt denn nun hinter dem Geheimnis unserer Anziehungskraft? Auf den folgenden Seiten beantwortet die Expertin die wichtigsten Fragen.

Was macht eine tolle Ausstrahlung aus?

Die Liebe zu sich selbst und ein unverfälschtes Auftreten. Ausstrahlung lässt sich schwer in Worte zu fassen, aber gut wahrnehmen. Sie entsteht, wenn unser inneres Wesen mit der äußeren Erscheinung harmoniert. Ein authentischer Mensch ist und wirkt auf natürliche Weise verlässlich, eigenständig und lebensfroh. Es geht nicht um Perfektion. Wer eine starke Ausstrahlung hat, wird als attraktiv empfunden, unabhängig davon, ob er den gängigen Schönheitsidealen entspricht oder nicht.

Steckt das "gewisse Etwas" in unseren Genen?

Jeder kann Zugang zu der strahlenden Seite in sich finden, wenn er es möchte. Schauen wir uns kleine Kinder an, mit ihrer Begeisterungsfähigkeit und offenen Körpersprache. Sie zeigen doch, dass wir alle gut ausgestattet auf die Welt kommen. Irgendwo muss sich diese Kraft auch später noch in uns verstecken. Die Unbefangenheit, die wir wegtrainiert haben, können wir auch wieder in unser erwachsenes Leben holen: mit dem entsprechenden Bewusstsein und Willen. Dazu gehört, auch an kleinen Dingen Freude zu empfinden und für ein gutes, stabiles Selbstwertgefühl zu sorgen. Sobald sich jemand dafür entscheidet, liebevoll mit sich selbst umzugehen, leuchten seine Augen blitzartig auf, als ob sie von innen strahlen. In meinen Seminaren erlebe ich solche Momente immer wieder.

Kann ich an meiner Ausstrahlung arbeiten?

Ausstrahlung lässt sich nicht spielen, nicht künstlich antrainieren, denn sie ist mehr als Fassade. Es geht vor allem darum, echt zu sein. Das kann man nicht so einfach lernen. Im Gegenteil, es bedarf eher eines Vorgangs, den ich als Ent-Lernen bezeichne: sich von den Vorstellungen anderer, wie man zu sein und sich zu geben hat, frei zu machen. Um dann zu entdecken, wer man wirklich ist. Zum Beispiel, indem man seine eigenen Werte auslotet, Stärken und Talente erkennt und diese auch kultiviert. Der Prozess hin zu einer authentischen Persönlichkeit ist immer auch ein Weg der Selbsterkenntnis.

Ich will einen guten ersten Eindruck machen. Worauf kommt es dabei an?

Viele werden vermuten: auf die inneren Werte. Oder, beim Bewerbungsgespräch: auf Sachkenntnis. Falsch. Zu über 80 Prozent schätzen wir unser Gegenüber im Moment des ersten Eindrucks anhand von Äußerlichkeiten ein: Körperhaltung, Kleidung, Frisur, die Farben, die die betreffende Person trägt, Schmuck, Schuhe. Bei der ersten Wahrnehmung eines Menschen arbeiten 100 Milliarden Nervenzellen auf Hochtouren. Dabei werden optische Signale vom Gehirn noch vor den Sachinformationen abgespeichert. Zwischen 150 Millisekunden und 90 Sekunden brauchen wir, um den anderen nach Alter, Geschlecht, Attraktivität abzuchecken und über Sympathie oder Ablehnung zu entscheiden. Im Schnitt sprechen die Forscher von sieben Sekunden. Ist die Bewertung fast abgeschlossen, folgt der kognitive Prozess. Wir denken nach, was jemand gesagt hat, und verstehen den Inhalt. Manchmal ist es dann bereits zu spät, um den ersten emotionalen Eindruck durch den Verstand zu korrigieren. Zunächst wirkt ausschließlich die Oberfläche. Deshalb ist es wichtig, sie mit dem inneren Befinden zusammenzubringen. Sonst wird man in eine falsche Schublade gesteckt.

Was signalisiert die Körpersprache?

Augen und Hände halte ich für die wichtigsten Instrumente, um Präsenz zu demonstrieren. Es lohnt sich, einmal bewusst auf die Bewegung der eigenen Augenbrauen zu achten. Angehoben wirken sie interessiert und signalisieren Aufmerksamkeit. Zieht man sie zusammen, verengt sich der Blick. Der Gesichtsausdruck kann dann konzentriert, aber auch misstrauisch wirken. Die Sprache der Hände spielt für die Strahlkraft der Persönlichkeit eine wichtige Rolle, weil sie die enge Wechselbeziehung zwischen Denken und Handeln ausdrückt. Unsere Gestik steht stellvertretend für die Handlungsbereitschaft im Leben. Wer sich tatkräftig fühlt und viel vorhat, sollte das ruhig auch zeigen und verbale Botschaften mit den Händen unterstreichen. Die Kleidung kann solche Botschaften verstärken oder schwächen. Ein lang geschnittener Ärmel, der mehr als die Hälfte der Hände versteckt, macht den Gesamteindruck eher passiv und zö gerlich. Besser ist: aufkrempeln und anpacken, wenn man Dynamik vermitteln will.

Viele Frauen sind unzufrieden mit ihrem Äußeren. Warum?

Das hat mit unserer Erziehung zu tun. Konfrontiert mit vielen gut gemeinten "Rat-Schlägen" kommen wir irgendwann auf die Idee, dass wir keinesfalls richtig sind, so wie wir sind. Während Kinder sich noch mit Freude und Begeisterung im Spiegel anschauen, sehen viele Erwachsene bei dieser Gelegenheit vor allem ihre "Baustellen". Das Herumkritisieren an sich selbst vernichtet aber jeden Funken Charme. Da wir ausstrahlen, was wir denken, ist die Folge klar: Komplimente prallen an uns ab, wenn wir uns selbst nicht mögen. Viele unterschätzen die Kraft und Konsequenz ihrer eigenen Gedanken. Als kleine Übung gegen den Hang zur Selbstkritik und für mehr Zufriedenheit rate ich meinen Klientinnen: Empfangen Sie sich morgens im Bad mit einem Lächeln. Freuen Sie sich an Ihrer Einzigartigkeit. Denken Sie daran, wie es sich anfühlt, verliebt zu sein. Wie umwerfend dann Ihre Ausstrahlung ist. Verlieben Sie sich ein wenig in sich selbst!

Jeder kennt trübe Tage. Was hilft, wenn die Ausstrahlung wie weggeblasen ist?

Es kommt darauf an, wie ich meinen grauen Tag verleben möchte. Will ich der Umwelt zeigen, dass es mir nicht gutgeht - etwa um Mitgefühl und Unterstützung zu erfahren -, ist es durchaus sinnvoll, sich auch entsprechend zu kleiden. Sich also nach außen so zu geben, dass die Botschaft ankommt. Jeder hat Sachen im Schrank, die er langweilig findet, Farben, in denen man müde und blass aussieht. Solche Kleidungsstücke darf man an einem schlechten Tag ruhig tragen. Wenn ich aber das Blatt wenden will, also meine Stimmung aufheitern möchte, greife ich zu satten, freundlichen Tönen, die sofort Laune machen. Oder zur weißen Bluse, die mich strahlen lässt. Ich schminke mich, probiere vielleicht eine neue Lippenstiftfarbe aus. Und gebe mir einen kleinen Ruck. Kopf hoch, Brust raus und lächeln: Das hilft gegen schlechte Stimmung. Grundsätzlich rate ich, sich morgens zu fragen: Wie will ich heute wirken? Die wenigsten Frauen nutzen Kleidung, Make-up und Haare strategisch. Wie ich schon sagte, bedeutet Ausstrahlung, das innere und äußere Anliegen in Balance zu bringen. Wenn ich mir darüber klar bin, was meine Kleidung vermitteln soll, wirke ich auch überzeugend.

Wie bekomme ich ein Gefühl für den Stil, der zu mir passt?

Ständig sehen und lesen wir, was modisch angesagt ist. Dadurch verlieren viele ihr persönliches Stilempfinden, werden unsicher und fühlen sich nicht wohl in ihrer Haut. Wenn das äußere Bild nicht stimmt, zupfen wir an uns herum. Und schon leidet die Ausstrahlung. Statt mit Lieblingsstücken sind viele Kleiderschränke voll mit Sachen, die auf etwas warten: den passenden Gürtel, die richtige Figur, braungebrannte Haut. Das kostet unnötig Energie und Geld. Wer sich immer wieder dabei ertappt, das Falsche zu kaufen, kann durch eine Stilberatung ein besseres Gefühl dafür bekommen, was ihm steht. Schnitte und Farben entdecken, die eigene Individualität ausdrücken. Viele Frauen sind in ihrer Garderobe "festgefahren". Ich rate ihnen, ruhig einmal mit Farben zu spielen. Kleidung hat Energie. Über die Kombination neuer Farbtöne kann ich mich auch mit mir selbst auseinandersetzen. Mein Tipp dazu: die Garderobe gelegentlich auf dem Bett oder Sofa ausbreiten. Erstaunlich, wie dieser ungewohnte Überblick die Fantasie anregt.

Wie viel Aufwand sollte ich in mein Aussehen investieren?

Nicht "sollte". Es geht um "Ich will" oder "Ich möchte". Darum, dass man sich Zeit für sich nimmt. Egal ob es zehn Minuten sind oder eine Stunde. Wichtig ist die bewusste Beschäftigung mit der eigenen Erscheinung. Das Vergnügen daran, sich in seiner Einzigartigkeit zu genießen. Die Möglichkeit, Schwächen, die man als solche empfindet, liebevoll anzunehmen oder dezent zu kaschieren. Die Pflege von Gesicht, Körper, Haaren, ein tolles Make-up, all das kann Spaß machen. Wie ich schon sagte: Charisma hat nichts mit Perfektion zu tun, aber viel mit Selbstwertgefühl und Lebensfreude.

Ist gute Ausstrahlung eine Garantie für Glück und Erfolg?

Für mich: Ja! Erfolg ist das, was passiert, wenn man sich selbst folgt. Wer seine strahlende Seite lebt und zeigt, tut sich selbst gut und damit auch anderen. Die Glücksforschung sagt, dass wir dann langanhaltend glücklich sind, wenn wir andere glücklich machen. Mein Lieblingssatz von Mutter Teresa lautet: Lass es nicht zu, dass ein Mensch nach einer Begegnung mit dir nicht glücklicher ist als zuvor.

Text: Dorothee Röhrig Credit: Corbis

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