Festliche Abendgarderobe

Im Theater möchten wir tolle Schauspieler sehen - aber natürlich macht es auch Spaß, sich selbst ein bisschen in Szene zu setzen. Sechs Outfits, die sicher Publikumslieblinge werden.

Die Paillettenjacke Sie liebt das Licht, weil es sie erst richtig zum Leuchten bringt - und ist dazu eine festliche Ergänzung zum ärmellosen Kleid. Paillettenjäckchen von H&M, ca. 35 Euro. Kleid von René Lezard, ca. 300 Euro.

Das leichte Seidenkleid Der mädchenhafte Look des puderfarbenen Abendkleids verträgt sich sehr gut mit dunkel lackierten Fingernägeln und zarten Netzstrümpfen. Zweilagenkleid aus reiner Seide von Schumacher, ca. 400 Euro. Stephan trägt einen anthrazitfarbenen Anzug von C&A.

Der rückenfreie Overall Sieht klassisch-elegant aus, und zusammen mit Highheels erlangt er Bühnenreife. Eine schöne Alternative zum festlichen Kleid. Overall mit Neckholder und einer Zierleiste aus bezogenen Knöpfen im Rücken von Expresso, ca. 150 Euro. Stilettos aus Lackleder: Buffalo.

Der Lurex-Cardigan Die Hauptrolle ist wieder glänzend besetzt - mit einem Cardigan, der glitzert, und einer Hose aus schimmerndem Seidensatin. Feinstrickjacke mit silberfarbenem Lurexgarn von Virginie Castaway, ca. 120 Euro. Top von Luisa Cerano, ca. 150 Euro. Hose aus silbergrauem Seidensatin von Hugo Boss, ca. 150 Euro.

Der edle Wollmantel Eine perfekte Verpackung für leichte Abendkleider, denn er hält schön warm, trägt aber nicht zu dick auf. Hellgrauer Mantel mit Fellkragen und Bindegürtel von Basler, ca. 600 Euro. Kleid aus Seidenplissee von Set, ca. 220 Euro. Pumps: Apart.

Das kleine Schwarze Keine Frage, dass dieser Modeklassiker weiterhin eine tragende Rolle spielt: Schwarz passt immer und stellt die Persönlichkeit der Trägerin in den Vordergrund. Minikleid mit Schmuckspange von Apart, ca. 100 Euro. Strumpfhose: Falke.

Die Mode in dieser Fotostrecke zeigt Madeleine Kelly "Wie nett, dass ich wenigstens mit BRIGITTE Woman ins Theater komme", lacht Madeleine Kelly. Abends ausgehen kommt bei ihr gerade ein bisschen zu kurz: "Eigentlich schade, aber mit zweijährigen Zwillingen und meiner Tätigkeit als Konferenzdolmetscherin fehlt mir dafür oft die Zeit." Stephan Seidel, 38, Unternehmensberater, ist ebenfalls für uns in Abendgarderobe geschlüpft: "Ich schaffe es zwar auch nur selten ins Theater, aber hinterher freue ich mich immer, wenn ich mir die Zeit dafür genommen habe."

In Schale werfen

Warum es so viel Spaß macht, sich für eine schöne Gelegenheit auch schön anzuziehen

An einem Sonntag vor sehr vielen Jahren bat mein Großvater meine Großmutter, ihm den schwarzen Anzug herauszulegen. Dazu ein weißes Hemd und die schönste Krawatte. Meine Großmutter zog ihr dunkelblaues Sonntagskleid an und legte eine dicke goldene Kette um den Hals. So gekleidet gingen beide in das Wahllokal und gaben der jungen Demokratie ihre Stimmen.

An einem Montag auch vor vielen Jahren schrieb ich in mein Tagebuch: "Gestern war ich zum ersten Mal in der Oper. Es war ganz toll, weil ich endlich! endlich! Strumpfhalter und Nylons tragen durfte. Leider stellte ich mir die ganze Zeit vor, was ich machen sollte, wenn ich nach der Oper aufstehen und die Strümpfe herunterfallen würden. Ist aber alles gutgegangen. Ach so, die Musik war auch sehr schön."

Heute, an einem Mittwoch, gehe ich ins Theater. Das ist nichts Besonderes, ich gehe oft dahin. Auch Ballett-Aufführungen oder Konzerte gehören zu meinem Alltag. Ich stehe vor meinem Kleiderschrank. Schwarz passt immer, aber auch Jeans oder der hellgraue enge Rock. Eigentlich schade, denke ich, dass alles geht. Im Anzug zur Konferenz, in Turnschuhen in die Oper. Wenn nichts mehr außergewöhnlich ist, wie soll ich mich dann außergewöhnlich freuen und wie die Freude ausdrücken? Ich nehme eine Bluse aus dem Schrank. Die habe ich mal in Lyon gekauft, als ich überraschend in ein 700-Sterne- Restaurant eingeladen wurde. Cremefarben, aus ganz feiner Seide, mit raffinierter Zierknopfleiste. Ein fast durchsichtiger Hauch, perfekt geschnitten. In den ersten zehn Minuten war ich mir fremd, für den Rest des Abends genoss ich die geglückte Einheit von Raum, Speisen, Luxus, Menschen und ich mittendrin.

Natürlich freue ich mich, dass es keine starren Regeln mehr gibt und nicht die Kleidung darüber entscheidet, ob jemand zu einer Ausstellung zugelassen wird. Aber was spricht dagegen, sich an bestimmten Orten und zu besonderen Gelegenheiten anders anzuziehen als an anderen? Wir tun es sowieso. Weil es praktisch ist. Im Bett ziehe ich ein Nachthemd an und keinen Bikini. Beim Bergsteigen wären Flipflops absurd, weil lebensgefährlich, beim Tanzen ist mit Gummistiefeln der Rhythmus dahin. Aber es geht ja nicht immer um das Praktische, sondern gelegentlich um das Gegenteil: Kultur. Kultur macht Ideen sichtbar, schafft Visionen, bringt Fantasie und Wünsche auf die Welt.

Ich muss mich entscheiden. In zwei Stunden sehe ich Goethes "Faust". Es wäre doch witzig, das eigene Äußere an die Inhalte der Kultur anzupassen.

Sich verwandeln, spielen, etwas feiern, das macht die Kultur der Kleidung möglich. Im Ballett wäre ein zarter Seidenschal um die Schultern gut, der bei jedem meiner Atemzüge mittanzt. In eine Ausstellung gehe ich in Schwarz, damit ich im Hintergrund und die Bilder im Vordergrund stehen. Für ein Rockkonzert wähle ich keinesfalls eine Lederjacke. Das tragen ja schon die Jungs und Mädels auf der Bühne. Und was ziehe ich an, wenn ich zu einer Lesung gehe? Vielleicht etwas Schwarzweißes?

Und was passt nun zu "Faust"? Am besten etwas Mephisto-Rotes. Habe ich nicht. Aber da sehe ich die dicke goldene Kette meiner Großmutter. Hervorragend: Goethe-Kultur plus Finanzkrisen-Kultur plus Traditionsschmuck. "Am Golde hängt, zum Golde drängt doch alles."

Unsere Location Das Hansa- Varieté-Theater Eine Institution in Hamburg< Auch in diesem Jahr wird das Hansa-Theater unter der Leitung von Thomas Collien und Ulrich Waller wieder bespielt. Die zweite Spielzeit mit Unterstützung des "Tigerpalasts" in Frankfurt läuft bis zum 28. Februar 2010, Tickets unter Tel. 040/47 11 06 44 oder unter www.hansa-theater.de

Regina Kramer

Fotos und Produktion: Wiebke Broecker Haare und Make-up: Gabrielle/Basics-Berlin.de Text: Susanne Knigge

Wer hier schreibt:

Susanne Knigge
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