Auswandern nach Spanien

Auswandern nach Spanien: Merel Krielaart hat es getan und auf Ibiza ihr eigenes Modelabel gegründet.

Auswandern nach Spanien: Merel van Krielaart, 43

Mit 29 ließ Merel alles hinter sich und folgte ihrer Liebe Alok nach Ibiza. Die beiden hatten kaum Geld und wohnten anfangs in einem selbst gemachten Tipi, später in einem ausgebauten Truck – meist an der Cala Benirras, einer romantischen Bucht im Norden der Insel. Aus dem Truck heraus verkauften sie am Strand ein paar Hippie-Sachen, zu ihrem Lebensmotto wurde „Follow your heart“. Mittlerweile haben Merel und Alok vier gemeinsame Kinder, dazu zwei erwach sene Töchter aus früheren Beziehungen, und sie leben alle zusammen in einem Haus in den Bergen von San Carlos. Seit Kurzem besitzt die Familie einen Kühlschrank – und weiß gar nicht mehr, wie es jemals ohne ging! Merel designt Handtaschen, Gürtel und Westen im Hippie-Look, die sie auf dem Hippie-Markt „Las Dalias“ verkauft.

Die ganze Familie

BRIGITTE-woman.de: Sie haben alles hinter sich gelassen, um ein komplett neues Leben auf Ibiza zu beginnen und Ihr eigenes Modelabel zu gestalten. Das klingt fantastisch, aber hatten Sie immer das Gefühl, dass es die richtige Entscheidung war oder gab es anfangs auch Zweifel?

Merel Krielaart: Nein, wir haben niemals an unserer Entscheidung gezweifelt. Mein Mann Alok und ich hatten beide, schon bevor wir uns kennengelernt haben, einen Punkt erreicht, an dem wir merkten, dass unser Leben so nicht weitergehen kann. Wir waren Teil einer Gesellschaft, in der jeder versuchte, das gleiche zu machen wie alle anderen. Immer drehte es sich darum, Geld zu verdienen, um zu überleben. Tief in uns gab es eine Stimme, die uns aufforderte, gegen diese Anpassung zu rebellieren. Da die immer lauter wurde, haben wir uns aus der Gesellschaft gelöst und ein ganz neues Leben begonnen.

BRIGITTE-woman.de: Sie haben mit Ihrer Familie für fünf Jahre in einem Tipi und danach in einem Truck gewohnt, lange Zeit ohne Kühlschrank. Können Sie uns beschreiben, wie es war, mit einer großen Familie auf so engem Raum zu leben?

Merel Krielaart: Es war sehr romantisch, besonders im Nachhinein! Natürlich erinnere ich mich auch daran, dass es oft zuging wie im Irrenhaus, denn wir hatten nicht mal eine Dusche oder eine Toilette! Wir waren daran gewöhnt, alles zu haben, all die materiellen Gegenstände, die wir meinten zu brauchen. Somit war das Gefühl, plötzlich nichts zu haben, faszinierend. In einem Tipi hat man das Gefühl, mit der Erde und ihren Elementen verbunden zu sein, denn man ist ständig von den verschiedensten Naturgeräuschen umgeben. Wir haben täglich an einem Feuer im Tipi gekocht und einen halben Kilometer zu einer frischen Quelle laufen müssen, um Wasser zu holen! Oft waren wir zwar überhaupt nicht in der Stimmung für diese Aufgaben, doch uns blieb nichts anderes übrig. In einem Truck zu leben, war wunderschön, denn jedes Mal, wenn wir den Truck umgestellt haben, hatten wir einen anderen Ausblick und man konnte behaupten, dass man jeden Tag einen neuen Garten vor der Tür hat! Auch die Kinder haben es sehr genossen, denn sie konnten immer draußen spielen.

BRIGITTE-woman.de: Was sind die größten Unterschiede zwischen Ihrem "neuen" und Ihrem "alten" Leben?

Merel Krielaart: Das Gefühl von Freiheit. Wenn man einen Schritt in seinem Leben wagt, an dem man alle alten Verpflichtungen fallen lassen kann, öffnet sich ein neuer Weg, um Träume in Erfüllung gehen zu lassen und seinem Herzen zu folgen. Dieser Weg ist eine komplett neue Herangehensweise ans Leben.

BRIGITTE-woman.de: Heutzutage sind Sie eine erfolgreiche Geschäftsfrau und Mutter von sechs Kindern. Wie sieht Ihr Alltag aus?

Merel Krielaart: Um ehrlich zu sein, ich selbst sehe mich nicht als "Business-Woman". Eine richtige Business-Frau erstellt Unternehmenskonzepte etc., aber so etwas machen wir überhaupt nicht. Wir lieben es einfach, schöne Dinge herzustellen und das ließ sich bisher immer sehr gut in unseren Familienalltag integrieren. Erste Priorität sind die Kinder, alles andere erledigen wir nebenbei. Obwohl ich natürlich zugeben muss, dass, je mehr Erfolg wir mit unserem Geschäft haben, es umso schwieriger wird, beides entspannt miteinander zu kombinieren! Allerdings sind wir als Eltern von sechs Kindern natürlich schon an einen turbulenten Alltag gewöhnt, denn ständig treten unvorhersehbare Situationen auf, für die Du eine Lösung finden musst. Das macht einen sehr flexibel. Mittlerweile sind unsere beiden ältesten Töchter ins Unternehmen eingestiegen und das ist sehr inspirierend und erfrischend, denn sie haben andere Sichtweisen. Früher haben wir unsere Kinder mit auf Reisen durch die ganze Welt genommen, heute begleiten Sie uns auf unsere Business-Trips!

Auswandern nach Spanien: Bloß nicht die Olivenbäume berühren!

BRIGITTE-woman.de: Denken Sie, dass Sie Ihren Traum auch woanders hätten realisieren können? Oder gibt es auf Ibiza mehr Möglichkeiten, sich selbst zu verwirklichen?

Merel Krielaart: Ich kann nicht sagen, ob unser Traum auch an einem anderen Ort in Erfüllung gegangen wäre. Fakt ist, dass Ibiza für unseren Traum eine gute Wahl war, denn wir fühlen uns hier sehr wohl und sind umhüllt von der magischen Energie, die die Insel ausströmt. Jeder Mensch ist anders und es gibt mit Sicherheit auch viele Leute, die sich hier nicht so wohl fühlen wie wir. Auf jeden Fall kann ich bestätigen, dass Ibizenker sehr aufgeschlossen gegenüber Neuem sind – solange man nicht ihre Olivenbäume berührt!

Interview: Felicitas Hagen
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