Boyfriend Style: ja oder nein?

Der Boyfriend Style ist aus den Modemagazinen nicht mehr wegzudenken. Soll man diesen Trend in jedem Alter mitmachen?

Ab einem gewissen Alter sollte man nicht mehr jeden Modetrend mitmachen. Das ist jedenfalls meine Meinung. Eigentlich. Doch sie wackelt. Und von Tag zu Tag mehr. Denn ich bin kurz davor, dem neuen Sommer-Jeans-Trend 2009 zu erliegen: der Boyfriend. Eine Hose, die aussieht, als ob sie aus dem Schrank des Liebsten geklaut wurde, sprich einige Nummern zu groß um Hüften, Schenkel und Taille schlabbert. Aus dem Fotostrecken der Modemagazine ist sie nicht mehr wegzudenken, sie war das Standardoutfit der Fashion-Victims auf den aktuellen Modeschauen von New York bis Paris und hat dank Paparazzi-dokumentierten Boyfriend-Auftritten von Stilikonen wie Katie Holmes, Reese Witherspoon und sogar Sarah Jessica Parker längst Promi-Weihen erlangt. Das alles spricht dafür, dass man diese Hose u-n-b-e-d-i-n-g-t braucht!

Aber: Gut schaut das nicht aus. Im Gegenteil. Die Hose macht dick. Die extra eingearbeiteten Löcher wirken ebenso gewollt wie schmuddelig. Und dann das Styling! Coolness via Hosenbein-Umkrempeln - das verkürzt optisch das Bein und ich zumindest sehe damit aus wie einer der Sänger von Dexys Midnight Runners. Kann sich jemand an die noch erinnern? 1982 war das, der Song lautete "Come on Eileen!", und die Mitternachtsläufer hüpften in umgekrempelten Boyfriend-Latzhosen über Gehsteige. Das Outfit fand ich damals schon scheußlich. Und heute, ein Vierteljahrhundert später, soll ich nun genauso rumlaufen? Das Vernunftsengelchen in meinem Hirn antwortet: "Nein, erspar' Dir diesen unvorteilhaften Look!" Doch das Fashion-Teufelchen im Kopf schreit laut und unablässig: "Haben wollen, haben wollen!"

Der Versuch eines Kompromisses, nämlich mir einfach eine Jeans aus dem Schrank meines Boyfriends zu schnappen, klappt leider auch nicht. Denn seit ein paar Saisons trägt er nur noch Slim und so stockt seine Jeans auf der Mitte meiner Oberschenkel. Und nun? Nun reift bei mir die Überzeugung, dass Regeln eigentlich nur eine Existenzberechtigung haben, wenn sie auch mal souverän gebrochen werden. Ich muss jetzt los und ganz, ganz dringend shoppen gehen.

Text: Barbara Markert
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